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Bestimmung

Autor: Waldläufer

 

Er griff nach seinem Wanderstab, um sich auf den Weg zu machen. Es war ein gutes Stück, das er zu Laufen hatte. Jemand verlangte nach ihm. Seine Robe schimmerte in einem aussergewöhnlichen Blau, als der Schein des Feuers auf sie traf. Es war ein kleines Zimmer, in dem er sich befand. Dort stand nichts ausser einem kleinen Tisch und einem Bett, umzingelt von unzähligen, gestapelten Büchern. Langsam zog er an seiner Pfeife und dachte laut nach: „Wo wirst du erscheinen, mein Freund?“

Dabei stieß er grüne Rauchwolken in den Raum hinaus, die sich zu kleinen Kugeln verformten. Ein starkes Unwetter war diese Nacht aufgezogen. Ständig klapperte der Ast eines Baumes gegen die Wand seiner Hütte.

„Ich sollte mich jetzt auf den Weg machen. Ich erahne, wo ich dich finden werde“, sprach er leise. Nachdenklich blickte er dabei mit seinen grünen Augen in das lodernde Feuer des Kamins. Deutlich waren die Furchen des Alters in seinem Gesicht zu erkennen. Das schulterlange Haar hatte ebenso wie sein gestutzter Bart, scheinbar schon vor sehr langer Zeit die kraftvolle, bräunliche Farbe verloren – nun war es schneeweiss. Plötzlich wand er sich um. Er griff nach einem großen, ledernen Beutel, den er auf seinen Rücken band, und begab sich durch die Tür hinaus, ins Freie.

„Was ist das nur wieder für ein Wetter? Dafür bist du bestimmt mitverantwortlich“, brummte er vor sich hin.

Er zog mit einem braunen, wie eine Zipfelmütze geformten Hut auf dem Kopf und seinen Stab führend, durch den Regen, der platschend auf ihn herab fiel. Seine Hütte lag auf einer kleinen Lichtung, an der Grenze zu einem dichten Wald. Dahinter ragte ein imposanter Berg zum Himmel empor, dessen Umrisse man selbst jetzt noch erkennen konnte - in dieser feuchten Sommernacht. Der Regen durchtränkte sein blaues Gewand bis auf die Haut. Der Pfad führte durch dichtes Gehölz und wurde vom hellen Schein des Mondes geleitet; eine Lücke hatte sich unverhofft in der Wolkendecke aufgetan. Er dachte wieder laut nach: „Du weisst, dass ich dich finden werde. Es ist eine Bestimmung, die uns zueinander führt!“

Der Marsch war sehr lang und anstrengend, fand er. Aber kannte er so viele Abzweigungen, die ihn schneller voran brachten, dass er mit dem Aufgang der Sonne bereits am Fusse des Berges stand. Von ein paar Kräutern, die er unterwegs gesammelt hatte, erhoffte er sich Stärkung.

„Dort oben? Ich kann es spüren. Warum tust du mir so etwas an? Du weisst doch um meine alten Knochen!“ rief er und blickte verärgert hinauf.

Sein Stab half ihm das Gleichgewicht zu halten und nicht wieder hinab zu stürzen, als er die erste Anhöhe zu besteigen versuchte. Zum Glück fand er schon bald einen kleinen Weg, auf dem es ausreichend Möglichkeiten gab, sich festzuhalten. Auch wenn er sehr steil nach oben führte. Viele Stunden vergingen. Durch den blauen, mittlerweile wolkenlosen Himmel bedingt, knallte die Mittagssonne auf seine Kleidung - als er scheinbar sein Ziel erreichte. „Das werde ich in guter Erinnerung behalten. Und du weisst, dass ich das werde“, brummte er und blickte sich um.

Vor ihm lag eine sandige, ebene Fläche, die von gewaltigen, steinernen Runen umgeben war. Er befand sich auf halber Höhe des Berges.

„Hier bist du also! Zeig dich, oder willst du einen alten Freund nicht begrüßen?“ fragte er mit lauter Stimme, während er sich, nach etwas Atem ringend, auf seinen Stab stützte. „Zeig dich!“ rief er, und begab sich langsam in die Mitte des Runen-Kreises, während das Echo seiner Stimme widerhallte.

„Du weißt um meine Geduld, also komm schon hervor!“

Seinen Beutel nahm er vom Rücken und legte ihn direkt vor seine Füße. Er öffnete ihn leicht, um scheinbar etwas von dem Inhalt in die Tasche seiner Robe zu bringen.

„Na gut, ich warte!“ flüsterte er und stützte sich wieder auf seinen Stab. „Ich kann warten.“ Plötzlich bebte die Erde. Er musste aufpassen, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, so überraschend kam es auf - und legte sich wieder.

„Sieh an, sieh an. Du hast also doch noch vor, im Laufe des Tages zu erscheinen?“ spottete er laut.

Das Beben überraschte ihn mit noch stärkerer Intensität. Ohne Halt zu finden, fand er sich auf dem Hosenboden wieder.

„Deine Spielchen gehen zu weit. Entschieden zu weit!“ brüllte er ärgerlich und schlug mit der blanken Faust auf den sandigen Boden.

„Dann will ich dich nicht länger warten lassen!“ erklang, wie aus dem Nichts, eine tiefe Stimme, deren Ursprung man nicht ausmachen konnte. Sie hallte aus allen Richtungen.

„So ist´s recht!“ sprach der Zauberer. Er rappelte sich wieder auf die Beine, als sich plötzlich Risse im Boden auftaten.

„Dass du immer solche Spielereien treiben musst. Kannst du dir das nicht irgendwann einmal abgewöhnen?“

„Du kennst meinen Geschmack!“ antwortete die Stimme trocken.

„Ja, leider. Und das auch schon seit ziemlich langer Zeit.“

„Genug davon. Lass uns beginnen!“ schallte es in tiefem Ton, als aus den Spalten am Boden, goldene Strahlen zum Himmel empor stiegen, bis sich eine gewaltige, leuchtende Kugel direkt vor dem Zauberer gebildet hatte.

„Du beeindruckst mich damit nicht im geringsten, und das weißt du!“ sprach er in gelangweiltem Tonfall.

„Vielleicht irgendwann einmal“, lachte es, als die leuchtende Kugel explodierte.

Der Zauberer musste seinen Hut festhalten, damit er ihm nicht auf und davon flog, so stark war sie.

„Fangen wir jetzt endlich an?“ fragte er.

„So sei es!“ donnerte die Antwort eines Dämons, der sich nun einige Meter entfernt befand. Er war gut doppelt so groß.

„Schön dich wieder zu sehen Tyro-Sog!“ sagte der Zauberer mit einem verschmitzten Lächeln.

„Auch ich freue mich, dich wieder zu sehen, alter Freund. Nennen sie dich immer noch Dabonn?“ fragte er und stampfte mit seinen gewaltigen, muskulösen Beinen auf den Boden. Die Augen dieses Wesens glühten feurig rot, als sich ihre Blicke trafen. Es war eine unerträgliche wirkende Gier in ihm, die er scheinbar zu unterdrücken versuchte.

„So ist es und so wird es auch bleiben. Denn ich werde hier in Ewigkeit verweilen, wohingegen du mit der Ebene der Verbannten Vorliebe nehmen musst. Lass uns nun zur Tat schreiten. Ich erkenne deine Ungeduld, so schnell wie möglich dorthin zurück zu gelangen, Tyro-Sog!“

„Es ist immer wieder ein Genuss gegen dich anzutreten, Dabonn. Der Sieg ist ein befriedigendes Gefühl! Dreitausend Jahre im Exil habe ich genutzt, um meine Fähigkeiten zu stärken. Dessen solltest du dir bewusst sein!“ fauchte er.

„Du beliebst zu scherzen. Wollen doch einmal sehen, ob überhaupt noch etwas von deinen alten Fähigkeiten geblieben ist.“

„Genug! Fangen wir an!“ brüllte der Dämon mit brachialer, wie von Ungeduld erfüllter Stimme.

Feuer schnaubend stürmte er auf den Zauberer zu.

„Diesmal wirst du derjenige sein! Ein Diener der Verbannten. ‘Du‘ wirst es sein!“ prophezeite er in entsetzlich klingendem Tonfall, dass der Boden erschüttert wurde.

Staub wirbelte auf. Kochend vor Wut war er dem Zauberer schon gefährlich nahe, als dieser blitzschnell in die Tasche seiner Robe griff. Er warf plötzlich einen eigenartigen glänzenden Stein, direkt in die Laufrichtung des Angreifers. Dabei bewegte er seinen Stock mit der freien Hand in sonderbaren, jedoch schnellen Bewegungen durch die Luft und sprach dabei: „Ihr Verdammten, euer geduldiger Diener ruft nach euch! Er will zurückkommen!“

Unter einem kleinen, silbernen Blitzgewitter öffnete sich ein leuchtend rotes Tor vor dem Dämon, der seinen Lauf nicht mehr stoppen konnte. Er sah nur den Sieg vor Augen – seinen Gegner auf einfache Weise zu zerschmettern.

„Neeiin!“ brüllte er so laut, dass die Runen, die den Platz umgaben, kleine Risse bekamen. Die Muskeln quellten bedrohlich auf. Er versuchte vergeblich zu entkommen, als sein Körper von dem erschienenen Tor verschluckt wurde.

 

„Ich hätte ihm noch sagen sollen, das nächste Mal nicht schon wieder einen Berg als Austragungsort zu wählen. Aber darüber kann er ja noch nachdenken. Die Zeit hat er...ich möchte gar nicht an den Abstieg denken!“

 

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Erstellt: 28.07.2005, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58