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Engel

Rezension von Christian Endres

 

Was hat so ein Schutzengelchen eigentlich den ganzen lieben langen Tag zu tun, wenn der Tag schon mit einem Bad im Weihwasserkessel und einem Schlückchen Messwein begonnen hat? Klare Sache: Die Kirche vor Dämonen beschützen, über den Pfarrer und den Messdiener wachen und sich um die Schäfchen der Gemeinde kümmern. Aber wehe denen, die es sich mit der Dienstaufsicht in himmlischen Sphären verscherzen.

 

Da kann es dann schon mal passieren, dass man mit seinem besten Freund und einer süßen kleinen Engelsdame nach Notre-Dame versetzt wird, also direkt ins kriegsgebeutelte Krisengebiet, wo der militärische Konflikt mit den Dämonen tobt. Die schicken sogar Taubenreiter mit Höllenfeuer-Geschossen gegen die weihwasserspritzenden Schutzengel-Scharen. Und wer sich im Krieg gut schlägt und rehabilitiert wird? Nun, der darf die Front wieder verlassen und auf Landurlaub gehen, um ein Mädcheninternat und das dazugehörige Dorf vor der Verdammnis zu bewahren. Und wem das immer noch nicht genügt: Undercover- und Doppelagenten zwischen Himmel und Hölle gibt es auch! Und natürlich die letzte, alles entscheidende Schlacht des Guten gegen das Nicht-mehr-ganz-so-Böse...

 

Das im französischen Original zwischen 2002 und 2006 in drei Einzelbänden erschienene Anges in einem All-in-One-Band zusammenzufassen, kommt der Geschichte definitiv zu Gute. So wird einem etwa bewusst, wie bzw. dass die sanften Verzahnungen und Charakter-Entwicklungen innerhalb der drei Kapitel – pardon, Psalme – bis zum ein wenig zu hastigen und glatten Schluss durchgehend funktionieren.

 

Dieses unvermeidliche Ende mit der vermeintlich letzten Schlacht, diabolisch-fiesen Vernichtungswaffen, pseudomächtigen Erzdämonen und listigen Agentenspielchen tickt dann auch um einiges anders als die ersten beiden Teile und hat ausgerechnet im Finale das verhältnismäßig schwächste Ende von allen drei Kapiteln. Die Erklärung dafür gibt’s auch ohne Beichte: Zeichner Olivier Boiscommun hat hier erstmals Artwork und Szenario übernommen, während sich für die Story der ersten beiden Teile noch Szenerist Dieter verantwortlich zeigte. Überzeugen können letztlich aber doch alle drei Teile von Engel, eben mit Abstrichen beim Finale.

 

Boiscommuns Zeichnungen wissen trotz des Bruchs in der Kolorierung – ebenfalls im dritten Teil – durchgehend zu gefallen und passen zum spaßigen, gut gelaunten Ton des Sammelbandes im ansehnlichen, großformatigen Hardcover. Der nicht immer ganz ernst gemeinte Blick auf den vom Genre viel bemühten Krieg der engelsgeflügelten Heerscharen des Lichts gegen die hörnergekrönte Armee der Finsternis folgt von A nach C einem spritzigen Ansatz und kann dem höllisch durchgenuldeten Thema tatsächlich noch Impulse geben und launige Eigenheiten abringen.

 

Ein schöner und spritziger, wenn auch nicht ganz und gar himmlischer Fantasy-Comic.

 

 

 

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Comic:

Engel. Psalm 1-3

Reihe: all in one

von Dieter/Boiscommun

Ehapa, Januar 2009

Hardcover, 144 Seiten

ISBN: 3770432363

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 28.01.2009, zuletzt aktualisiert: 07.04.2019 17:49