Roter November

Rezension von Christel Scheja

 

Normalerweise sind Brettspiele auf zwei bis vier, maximal sechs Mitspieler ausgerichtet, aber auch das ist schon selten. Aber es gibt auch Ausnahmen, wenn die zu bewältigenden Aufgaben und das Szenario so gewählt sind, dass eigentlich nur eine große Zahl an Akteuren wirklich einen Erfolg erzielen kann. Zu ihnen gehört etwa „Roter November“, das vor allem für den spontanen Spielspaß auf einem größeren Treffen geeignet ist.

 

 

Spielidee:

 

Irgendwo, auf einer bereits technisch höherstehenden Welt auf dem Weg ins Atomzeitalter ist der Stolz der Gnomen unter dem Meer unterwegs, das experimentelle Unterseeboot „Roter November“. Dann allerdings wird die Mannschaft, die sich bisher ruhig in die Sessel zurückgelehnt hat, plötzlich in eine lebensbedrohliche Gefahr katapultiert. Die Maschinen beginnen verrückt zu spielen, Luken lassen sich nicht mehr öffnen oder springen auf, in einigen Räumen bricht Feuer aus, andere werden überflutet. Und zu allem Übel ist auch noch ein Riesenkrake auf den Eindringling in sein Revier aufmerksam geworden und rüstet sich zum Angriff. So kommen alle erdenklichen Katastrophen auf einmal zusammen.

Nun ist es an zwei bis acht tapferen Gnomenmatrosen das drohende Verderben aufzuhalten und zu retten, was zu retten ist.

Allerdings ist die Zeit ein Feind, den man ebenfalls nicht unterschätzen sollte. Nur maximal sechzig Minuten bleiben ihnen, um die Probleme in den Griff zu bekommen und sich damit zu retten. Doch das Feuer ist tückisch, die Mechanik des U-Bootes wartet immer wieder mit unangenehmen Überraschungen auf, und wenn man Pech hat, sind auch noch die eigenen Leute gegen einen. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als sich mit Grog ordentlich Mut anzutrinken.

 

Interessanterweise agieren die Spieler hier nicht gegeneinander, sondern miteinander, um die Probleme in den Griff zu bekommen, ehe die Zeit ab läuft oder eine Katastrophe gnadenlos zuschlägt und alle Aktionen auf einmal beendet. Auch die Gefahren, dass das U-Boot voll Wasser, das Feuer nicht mehr einzudämmen ist und die Rauchentwicklung erstickt, oder der unabsichtliche Abschuss von Torpedos den Kraken wütend macht, bleiben die ganze Zeit bestehen. Daher ist es um so wichtiger, dass mindestens vier Spieler an der Runde teilnehmen, zwei werden es kaum schaffen, die Probleme zu lösen, es sei denn, man minimiert die ein oder andere Gefahr.

Am Zug ist immer der Spieler, der am weitesten in der Zeit zurück liegt. Er kann sich bewegen, um zu Brandherden, überfluteten Räumen oder defekten Maschinen zu kommen, für die Reparatur notwendige Gegenstände zu besorgen und diese dann auch durchzuführen. Für all das muss er kostbare Minuten aufwenden, in denen auch immer wieder etwas passieren kann. Und vielleicht findet er noch weitere Gegenstände, die er jetzt noch nicht, aber eventuell später gebrauchen kann. Manchmal ist es auch notwendig, sich Mut anzutrinken – doch vorsichtig, zu viel Grog kann zu einer Ohnmacht führen, aus der man eventuell nicht mehr erwacht. Und leider kann in dieser Zeit an anderer Stelle das Chaos ausbrechen und neue Probleme schaffen. Doch dann sind andere gefragt, um einzugreifen.

 

 

Ausstattung:

 

Man mag es zunächst nicht glauben, aber die kleine Box, die nicht viel größer als eine Männerhand ist und etwa 4-5 cm hoch ist, enthält so viel Material, dass es nach erstmaligem auspacken fast schon unmöglich ist, die Marker, Figuren, Karten und Würfel so zusammen zu packen, dass sie wieder in die Schachtel passen. Das Spielbrett ist mit seiner Größe von etwa A4 eher winzig, ist aber ausreichend, da man ja nicht mehr als die Markierungen für die Zeit und die Räume des U-Bootes benötigt.

Die Marker sind auf stabilem Karton gedruckt, der einiges aushält, auch die Karten können nicht so leicht verknickt werden. Der Würfel und die Figuren sind aus Plastik. Alles in allem halten die Materialien auch im Eifer des Gefechtes verschüttete Flüssigkeiten aus, ohne all zu viel Schaden zu nehmen.

Zudem gibt es noch eine ausführliche Spielanleitung und zwei Übersichtskarten, auf denen man jederzeit die wichtigsten Aktionen im Spiel nachschauen und deren Zeitfaktor ablesen kann.

 

 

Spielregel

 

Die Autoren bemühen sich zwar, die Regeln verständlich und ausführlich zu erklären, allerdings gelingt ihnen dass nicht immer, als hätten sie sich von ihrer Spielidee mitreißen lassen, denn gerade was die Erklärung der Aktionen eines Spielers angeht, äußern sie sich manchmal sehr kryptisch, so dass man mehrfach nachlesen muss und erst durch Ausprobieren heraus bekommt, was eigentlich gemeint ist.

Deshalb sollten ein oder zwei Spieler „Roter November“ erst einmal ausprobieren, um den anderen dann die Regeln entsprechend erklären zu können – schnell verstehen kann man sie leider nicht.

Immerhin bewahren die Autoren in ihr eine gewisse Struktur, so dass man Gesuchtes schnell wiederfindet und durch ihre geringe Größe kann man sie beim bewegen der Figuren und Marker problemlos in der Hand halten.

 

 

Spielspaß

 

„Roter November“ ist ein sehr turbulentes Spiel, bei dem alle gefragt sind. Denn nur gemeinsam kann man seine Haut retten – leider nicht im Alleingang. Ideal sind vermutlich vier bis sechs Spieler. Weniger dürften es kaum schaffen, das Unterseeboot und damit sich selbst zu retten, bei acht Akteuren könnte die Situation leicht unübersichtlich werden.

Zudem sind die Spieler dazu aufgefordert, sehr eng zusammen zu arbeiten, sich zu koordinieren und immer wieder umzustellen, wenn unvorhergesehene Ereignisse die schönen Pläne über den Haufen werfen.

Dennoch bleibt die Gefahr groß, schneller als man denkt und erwartet, ums Leben zu kommen. Zu diesem Zweck ist es für den ausgeschiedenen Spieler möglich, durch eine entsprechende optionale Regel als anderer Gnomenmatrose wieder neu einzusteigen. Genau so wie man durch die Verschärfung, aufeinander los zu gehen, die Schwierigkeiten erhöhen kann. Es bleibt jeder Gruppe überlassen, was sie wann und wie einführt.

Allerdings variieren die Spielmöglichkeiten trotz des Zeitfaktors und der Zufallskarten nicht so sehr, dass man das Spiel mit Leidenschaft und ständig über Wochen spielen kann. Schon bald hat man heraus, wie man Zeit und Zufall gezügelt bekommt . so wiederholt sich alles und es wird letztendlich langweilig. Vor allem, wenn man es mit sehr vielen Mitspielern durchführt.

Von der Zeit er sollte man gerade am Anfang gut eine Stunde einkalkulieren , gegebenenfalls auch mehr – je nach Spieleranzahl.

 

Fazit

 

Alles in allem ist „Roter November“ ein actionreiches und turbulentes Spiel, das sich ideal für eine Runde zwischendurch anbietet, wenn man zum Beispiel in der Rollenspielrunde schneller fertig geworden ist, als man dachte oder noch auf jemanden wartet. Da es durch seinen immer gleichen Spielablauf sehr schnell langweilig werden kann, sollte man es auch nicht all zu oft hinter einander spielen. Aber zur gelegentlichen Auflockerung eines Treffens und mit wechselnder Zusammensetzung und Spieleranzahl ist es ideal.

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Brettspiel:

Roter November

Autoren: Bruno Faidutti &Jef Gontier

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Material: Karton/Papier (Hauptsächlich), Plastik

Spielerzahl: mind. 3-4, max 8

Spielmotivation: Taktik; Strategie; Kooperation

Sprache Spielanleitung: DE

Altersempfehlung: 10 - 83 Jahre 3 Monate

Spieldauer: 60 - 120 Minuten

Modellnummer: HEI00152

ASIN: B001D0L3AC

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 1 Spielbrett
  • 8 Gnomenmarker
  • 8+1 Zeitmarker
  • 3 Katastrophenleisten-Spielsteine
  • 4 Gefahr-Marker
  • 34 Gegenstand-Marker
  • 15 Luke-blockiert-Marker
  • je 10 Feuer-/Überflutungsmarker
  • 1 Aktionswürfel (W 10)
  • 8 Gnomenkarten
  • 56 Ereigniskarten

 


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zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40 | Users Online
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