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Die Bibel der Toten von Brad Kelln

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Father McCollum arbeitet seit Jahren als Bibliothekar an der Yale University und behütet dort unter anderem das rätselhafte Voynich-Manuskript vor fremden Zugriffen. McCollum staunt nicht schlecht, als eines Tages während einer Schulführung ein autistischer Junge sein Schweigen bricht und behauptet, er könne den Text des Manuskripts entziffern. Nur kurze Zeit später gerät die ganze Sache aus den Fugen; das Manuskript wird entwendet, der Vatikan wird auf den Vorfall aufmerksam, und als plötzlich zwei Abgesandte behaupten, sie seien die Vertreter der verbannten Engel auf Erden, tun sich Abgründe auf, die unmittelbar mit dem verschlüsselten Inhalt der Voynich-Akte in Verbindung stehen. Auf Geheiß des Kardinals reist der Religionswissenschaftler und Pater Benicio Valori in die Staaten, um der Sache auf en Grund zu gehen. Doch auch Benicio merkt relativ schnell, dass sein Auftraggeber ein falsches Spiel spielt und sowohl den Jungen als auch die bislang involvierten Kräfte aus der eigenen Riege beseitigen möchte. Valori fasst einen folgenschweren Entschluss – und begibt sich und den kleinen Matthew dabei in Lebensgefahr.

 

 

Rezension:

Verschwörungstheorie mit realistischem Background: Brad Kelln verwurstet in „Die Bibel der Toten“ das literarisch bislang noch unangetastete Voynich-Manuskript, welches tatsächlich noch nicht entschlüsselt wurde und als besonderer Schatz in der Bibliothek der Elite-Universität in Yale beherbergt wird, und drängt sich vor diesem Hintergrund direkt in eine Ecke mit Autoren wie Dan Brown, zumal Kelln hier sehr deutlich die religiöse Schiene fährt. Allerdings lässt sich der amerikanische Schreiber-Neuling bei der Ausschmückung seines Plots und der darin beinhalteten Ideen bei weitem nicht so viel Freiraum wie sein Bestseller-Kollege – und dies entpuppt sich vor allem bei der Analyse der fehlenden Detailschärfe der Story als ernsthaftes Problem.

 

Kelln scheitert zu allererst aber daran, einige fesselnde Charaktere zu zeichnen, an die man sich gerne klammert, und zu denen man im Laufe der Geschichte einen Bezug aufbauen kann. Sowohl Robert McCollum als auch Valori eignen sich in dieser Position nicht wirklich als treibende Sympathieträger, aber auch der häufig wiederkehrende Psychologe Jake, der neben einigen interessanten Fällen gerade seinen todkranken Sohn Wyatt in seinen Gedanken herumschleppt, lässt ein echtes Profil vermissen und ist als Protagonist nicht wirklich brauchbar. Ähnliches lässt sich für die Gegenseite sagen, denn obwohl die beiden Handlanger Jeremy und Maury eine kompromisslose Linie fahren und die vermeintlichen Nephilim-Abkömmlinge an ihrer indirekten Seite ähnlich gewissenlos agieren, fehlt ihnen das gewisse Etwas. Hier gibt es daher auch schon mal ganz klare Abzüge in der B-Note.

 

Bei der Konstruktion des Plots offenbaren sich dann aber auch schon die nächsten Schönheitsfehler. Der Autor erzählt parallel vier bis fünf Stränge, lässt diese auch langsam aufeinander zu laufen, bringt sie aber bei ihrer schlussendlichen Verschmelzung nicht konsequent unter einen Hut. Dies kann man sicher auf die Ungereimtheiten im Charakteraufbau zurückführen, hängt aber auch damit zusammen, dass die Wechsel in den ersten und mittleren Episoden eher träge vonstatten gehen. Es liegt zwar eine allgemeine Bedrohung über der gesamten Szenerie, jedoch ist hier nichts Greifbares, geschweige denn Mitreißendes, welches zudem die Spannung mal ein bisschen ankurbeln könnte. Viele Erzählfortschritte sind daher auch nur leicht abgewandelte Tatsachenberichte, die man in dieser Form hinnehmen und schlucken muss, die aber für einen Thriller dieser Sparte einfach nicht mit der erforderlichen Detailverliebtheit ausgekleidet wurden.

Dass die Entwicklungen in der Story nicht immer glaubwürdig sind, scheint daher auch fast schon ein logischer Schluss. Immer wieder untergraben nämlich Zufälle und eher unschlüssige Zusammenhänge die Geschichte, und trotz der runden Logik, auf der die Handlung fußt, wirken manchen eingefügten Pointen eher erzwungen als zielstrebig erarbeitet – ganz so, als müsse man auf Teufel komm raus in den letzten Passagen noch etwas aufholen, was zuvor nahezu überhaupt nicht stattgefunden hat. Der Unterhaltungswert ist nämlich bis auf einige lichte Momente, in denen das Böse wieder großzügiger auftaucht, eher bescheiden und mit den Meisterwerken eines Brown gar nicht zu vergleichen. Dafür wirken viele Fragmente aber auch zu unausgegoren und halbfertig.

 

 

Fazit:

“Die Bibel der Toten“ ist leider nur ein mäßiger Verschwörungsthriller, dessen einzig nennenswerte Stärke darin besteht, einige Mythen des Vatikan in den Plot aufzunehmen. Was den Thriller-Part und den damit verbundenen Spannungspart angeht, ist der neue Titel von Brad Kelln aber durchschnittlich geschrieben und erzählt.

 

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Die Bibel der Toten

Autor: Brad Kelln

Broschiert: 320 Seiten

Verlag: Rowohlt TB-V. Rnb. (2. März 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3499248255

ISBN-13: 978-3499248252

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.04.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57