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Die Gabe von Francis Paul Wilson

Rezension von Carina Schöning

 

„Die Gabe“ ist einer von vielen Medizin-Thrillern des amerikanischen Autors Francis Paul Wilson, den man in Deutschland eher von seinen mehrbändigen „Adversary“ und „Handyman Jack“ Zyklen kennt. Das Original „The Touch“ erschien zwar schon 1986, aber das Thema der Ethik und Moralvorstellungen eines Arztes hat nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil, in Zeiten, in denen der Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient spürbar immer größer wird, wächst auch die Frage nach dem Berufsethos der beliebten Halbgötter in weiß.

 

Dr. Alan Bulmer ist Arzt aus Leidenschaft. Als Student hat ihn zwar noch die Aussicht auf Macht und Geld gelockt, aber im Laufe seines Studiums ist immer mehr sein Mitgefühl erwacht. Er will den Menschen helfen und zwar nicht, weil es ihm ein gutgefülltes Bankkonto einbringt, sondern um den Menschen willen. Leider steht er damit scheinbar auf verlorenen Posten, denn alle anderen Ärzte um ihn herum sind an ganz anderen Dingen interessiert. Auch seine eigene Frau Ginny wirft ihm, nicht ganz zu Unrecht, vor seine Zeit lieber in seiner Praxis mit den Patienten zu verbringen anstatt mit ihr.

 

Das Schicksal will es, dass Alan eines Nachts in der Notaufnahme von einem schmuddeligen Straßenpenner berührt wird und ein seltsames Kribbeln seinen Körper durchzuckt. Die nächsten Geschehnisse wirken zuerst wie komische Zufälle, aber immer mehr kristallisiert sich heraus, dass Alan nun innerhalb eines gewissen Zeitabschnittes todkranke Menschen mittels Handauflegen heilen kann. Natürlich bleibt das nicht verbogen und binnen kürzester Zeit hat auch die örtliche Presse davon Wind bekommen und spricht enthusiastisch von Wunderheilung. Neue Patienten stürmen Alans Praxis und jeden Tag werden sie fordernder und aggressiver. Seine neue Gabe kann er am Tag nur eine Stunde lang nutzen und die Zeit reicht einfach nicht für alle Kranken. Langsam, aber sicher geht auch die Beziehung zu Ginny in die Brüche. Der „alberne Wunderheiler von Monroe“ wird entweder belächelt oder mitleidig angeguckt. Seine Freunde und Kollegen distanzieren sich immer mehr von ihm und auch seine Arbeitslizenz ist gefährdet. Die ersten Spekulationen über Wahnvorstellungen werden laut und zudem leidet Alan immer mehr unter seltsamen Gedächtnislücken.

 

„Die Gabe“ ist eine Mischung aus Medizin-Thriller, Drama und Mystery. Der amerikanische Autor Francis Paul Wilson lässt sich anfangs viel Zeit und führt erstmal ausführlich die Personen mit all ihren Eigenschaften und Marotten ein. Neben der Hauptfigur Alan mit seinen hohen Moralvorstellungen und den ständigen Selbstzweifeln, sticht auch der desillusionierte Charles und die reiche Witwe Sylvia heraus. Letztere kümmert sich aufopferungsvoll um ihr autistisches Adoptivkind Jeffy und steht in einem moralischen Zwiespalt. Sie hat ein Auge auf den verheirateten Alan geworfen und weiß auch von ihren vietnamesischen Hausangestellten Ba die Wahrheit über diese seltsame Gabe, die aus dem asiatischen Raum kommt und dort Dat-tay-vao genannt wird. Was sich auf den ersten Blick zwar als Segen anhört, entpuppt sich für den Mediziner schnell als Fluch und er stößt dabei sowohl physisch als auch psychisch an seine Grenzen.

Die Handlung an sich birgt zwar keine großen Überraschungen, aber sie ist solide und spannend konstruiert. Die Figuren sind dabei realistisch gezeichnet und man kann die Widersprüche und Zweifel der einzelnen Charaktere gut nachvollziehen. Der phantastische Aspekt des Romans hält sich leider eher in Grenzen, dafür sind jedoch Erzählstil und Übersetzung gut gelungen, denn trotz des Alters des Originaltextes wurde diese entsprechend modern umgesetzt und so gibt es hier nun auch Harry Potter und I-Pods.

 

Insgesamt ist „Die Gabe“ ein spannender und atmosphärischer Mix aus Medizin- Thriller, Drama und Mystery, der besonders durch die Darstellung der Figuren überzeugen kann.

 

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Die Gabe

Autor: Francis Paul Wilson

Deutsche Erstausgabe 2008

Amerikanische Originalausgabe 1986 „The Touch“

Übersetzung Marita Böhm & Michael Plogmann

Festa Verlag

Taschenbuch, 352 Seiten

ISBN 978-3-86552-081-4

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.04.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57