Giants

Rezension von Christel Scheja

 

Die Osterinsel erhielt ihren Namen 1722 durch einen holländischen Kauffahrer, der das Eiland mitten im Pazifik, 3800 km entfernt vom nächsten Festland – der Küste von Chile, entdeckte. Lange gaben die Figuren, die man auf der nur gering bewaldeten Insel sehen konnte, Rätsel auf, denn Bewohner waren keine mehr zu finden, nur noch die Spuren einer alten Besiedlung,

Heute allerdings hat man durch entsprechende Grabungen und Untersuchungen mehr heraus gefunden: Vom 5. bis zur Mitte des 17 Jahrhunderts bot die Insel Lebensraum für die eingewanderten, ursprünglich aus Polynesien stammenden Bewohner. Eine blühende, wenn auch durch die Ressourcen vermutlich strengen Regeln unterworfene Zivilisation entstand.

Erst als im 16. Jahrhundert eine länger andauernde Dürreperiode das Ökosystem der Insel zerstörte, , kam es zum schnellen und grausamen Niedergang der ahnenverehrenden Kultur, die in Mord und Kannibalismus endete.

In dieser Zeit wurden auch zahllose „Moais“ (so nennt man die Steinkolosse noch heute) errichtet, um die Ahnen dazu zu bewegen, Regen und Fruchtbarkeit wieder zu bringen. Aber ganz offensichtlich wurden die Bittsteller nicht erhört, und die Kolosse blieben als letzte steinerne Zeugen ihrer Kultur zurück.

Auch heute noch besitzen sie, weil sie einzigartig in der Welt sind, einen besonderen Zauber. Ganz offensichtlich inspirierten sie auch Fabrice Besson zu seinem Spiel „Giants“, in dem genau diese Phase wieder gegeben wird.

 

 

Spielidee:

 

Die drei bis fünf Spieler schlüpfen in die Haut eines Stammesanführers, der mit dem Errichten eines „Moais“, das ist eine der Steinfiguren und Krönen eines Hutes auf einem „Ahu“, das ist ein ganz besonderer Platz an der Küste, den Segen der Götter und Ahnen auf sein Volk herab beschwören will.

Da seine Ressourcen an begrenzt sind, muss er diese klug und geschickt einsetzen und dabei auch auf die Hilfe anderer Spieler bauen. Um seinen Rivalen nicht zu verraten, was er inzwischen an Kräften und Hilfsmitteln besitzt, darf er diese hinter einem Sichtschirm verbergen. Nur die Kräfte, die er einsetzt, legt er offen vor diesem ab.

Sowohl sein Häuptling als auch sein Medizinmann haben besondere Kräfte, die zudem dabei helfen, den größten und schönsten Koloss aus dem Stein zu schlagen, sich einen guten Standplatz zu sichern, Baumstämme für den Transport zu beschaffen und nicht zuletzt eine Kopfbedeckung zu bildhauern, mit dem der Moai gekrönt und damit fertig gestellt werden kann.

Die Spielleiter wetteifern im ersten Abschnitt der Spielrunde, wer Anspruch auf welchen Koloss erheben kann, indem sie eine bestimmte Zahl von Arbeitern und Stammesmarkern einsetzen. Die Moais gibt es übrigens in drei Größen, die später, einfach, doppelt und dreifach gewertet werden, aber auch entsprechend unterschiedlich zu transportieren sind.

Dann gilt es unter Einsatz der noch freien Kräfte, sich Baumstämme als Hilfsmittel für den Transport zu beschaffen und nicht zuletzt einen besonders guten Platz für den Sockel in Stammesfarben zu sichern.

Die sogenannten „Rongo-Tafeln“ erlauben es dem Häuptling bestimmte Aktionen wie der Medizinmann auszuführen und helfen auch an anderer Stelle eventuell weiter. Dann beginnt der Transport der Steinkolosse aus dem Steinbruch. Dabei kann man auch Figuren der anderen Spieler einsetzen, die sich dafür einige Prestigepunkte im Wert des Moai pro Figur gutschreiben können.

Das wiederholt man so lange, bis alle Spieler ihren Steinkoloss an Ort und Stelle und mit einer Kopfbedeckung gekrönt haben oder keine weitere Aktionen mehr ausführen können. Danach berechnet man die gewonnenen Prestigepunkte und notiert sie sich auf einem Zettel.

Damit endet die Spielrunde. Die Spieler können ihre benutzten Figuren vom Spielplan nehmen, auch die eingesetzten Stammesmarker mit Ausnahme der, die ihren Moai markieren, sonst verlieren sie den Anspruch darauf. Die nächste Spielrunde beginnt mit einem neuen Startspieler und dem Wetteifern um die besten Moais.

Das Spiel selbst endet, wenn alle „Ahus“ belegt sind, oder die Spieler keine Aktionen mehr ausführen kann. Derjenige, der die meisten Prestigepunkte gewonnen hat ist der von den Ahnen begünstigte Sieger und erlangt „die Unsterblichkeit“.

 

 

Ausstattung:

 

Bei „Giants“ wurde bewusst auf eine stimmungsvolle Gestaltung geachtet. Die Figuren sind zwar aus Plastik, sehen aber so aus, wie man sich die Eingeborenen der Insel vorstellen kann, ebenso wie die Kolosse. Beide sind so stabil wie der Spielplan und die Spielmarker.

 

 

Spielregel

 

Die Spielregel ist gleich in drei Sprachen vorhanden, Deutsch, Englisch und Französisch. Idealerweise befindet sich die achtseitige deutsche Regel in der Mitte, so dass sie durch das Aufbiegen der Klammern problemlos und ohne Beschädigungen von den anderen getrennt werden können.

Die Regeln selbst sind ausführlich erklärt. Man versteht ihren Einsatz im Spiel sehr schnell, da jeder Schritt durch ein bebildertes Beispiel dokumentiert und zum Ende hin auch noch eine komplette Beispielrunde beschrieben wird.

Alles in allem sind die Informationen auf das Nötigste begrenzt und so leicht zu merken, dass man das meiste vermutlich schon nach dem ersten Spiel beherrscht und dann nur noch selten nachschlagen muss.

 

 

Spielspaß

 

„Giants“ zeigt, dass ein Strategiespiel nicht unbedingt immer mit Mord und Totschlag oder dem Raffen von Schützen zu tun haben muss. Er gibt dem Mythos um die Steinkolosse auf der Osterinsel sein eigenes Leben und ermöglicht es den Spielern es ihm gleich zu tun. Das Glück kommt hier nur sehr selten zum Zuge, da nur einmal in einer Spielrunde gewürfelt wird, nämlich um die Anzahl und Wertigkeit der Moais zu berechnen.

Viel mehr muss man einen guten Überblick über seine Ressourcen haben, ein oder zwei Züge vorausschauen und gegebenenfalls auf unerwartete Veränderungen reagieren können, wenn man selbst wieder an der Reihe ist.

In einem gewissen Maße sind die Spieler sogar gezwungen miteinander zu kooperieren, denn nur gemeinsam können sie ihre „Moais“ wirklich in angemessener Zeit zu den ausgewählten Standorten bringen, bevor ihnen Material und Arbeiter ausgehen. Daher ist man gut beraten, einerseits seine eigenen Kräfte im Auge zu behalten, aber auch die anderen Spieler genau zu beobachten, um ihre Aktionen und Figuren in seine Planung mit ein zu beziehen.

Aus diesem Grunde ist das Spiel auch nichts für Kinder unter zehn Jahren, da ihnen noch die Konzentration und Vorausschau fehlt, um ihre Züge zu planen, es sei denn, ein Erwachsener greift ihnen unter die Arme. Aber auch in erwachsenen Spielrunden ist die Herausforderung größer, wenn alle etwa auf dem gleichen Stand sind und nicht nur einer als besonders begabter Strategiefuchs heraus ragt.

Je mehr Spieler letztendlich teilnehmen, desto schneller und dynamischer sind die Runden. Ungefähr 60 min sollte man für ein Spiel einplanen, so dass es sich gut dafür eignet, die Zeit zwischen dem Mittagessen und Kaffeetrinken an einem verregneten Sonntag zu überbrücken, oder wenn man auf jemanden wartet.

 

 

Fazit

 

„Giants“ ist ein Spiel für alle Fans von Strategie, Planung und Taktik, die einmal nicht Krieg um Macht und Reichtum gegeneinander führen wollen, sondern sich in einem ganz anderen Wettkampf messen möchten.

Da in den Spielrunden auch der Kooperationsaspekt nicht zu kurz kommt, eignet sich das Spiel ideal für die Familie, wenn auch nicht für all zu kleine Kinder.

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Brettspiel:

Giants

Autor: Fabrice Besson

Übersetzung: Michael Krönert

Illustrationen und Grafik: Miguel Coimbra

Verlag: Asmodee/Editions du Matagot

Material: Karton/Papier & Plastik

Spielerzahl: mind. 3-5

Spielmotivation: Familie; Strategie

Sprache Spielanleitung: DE, EN, FR

Altersempfehlung: 12 - 99 Jahre

Spieldauer: mindestens 60 Minuten

Modellnummer: 200525

ASIN: B001KQYZK4

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • Spielplan
  • 5 Häuptlingsfiguren
  • 5 Schamanenfiguren
  • 30 Bildhauerfiguren
  • 30 Stammesmarker
  • 5 Markierungsbanner
  • 30 Rongo-Steintafelhälften
  • 1 Startspielerstein
  • 14 Kopfschmuck-Miniaturen
  • 17 kleine Moai-Statuen
  • 12 mittlere Moai-Statuen
  • 6 riesige Moai-Statuen
  • 1 zweiteiliger Figurenbehälter
  • 5 Punktanzeiger
  • 5 Sichtschirme
  • 35 Sockel
  • 27 Baumstämme
  • 7 Waldplättchen
  • 5 Spezialwürfel
  • 2 Steinbrüche
  • 1 Regelheft

 


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zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50 | Users Online
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