Auferstehung von Brian Lumley

Reihe: Necroscope, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Viele Genrefans kennen und schätzen schon seit langem die im Festa-Verlag erschiene und inzwischen gut zwanzig Bände umfassende Romanreihe von Brian Lumley.

Diese ist zum Geheimtipp für alle Leser geworden, die einerseits actionreiche Thriller mit einem gewissen Maß an Horror schätzen und andererseits eine so interessante wie kitschfreie Neuinterpretation des klassischen Vampir-Mythos genießen wollen.

Heyne legt die ersten Bände der Reihe nun als Taschenbuch auf, teilt die Originalromane aber nicht wie der Festa-Verlag in mehrere Einzelbände auf, sondern präsentiert die dicken Wälzer in einem.

 

Der stille und in sich gekehrte Harry Keogh wächst ohne Mutter und Vater bei Verwandten auf. Er macht zwar keinen Ärger, aber er wirkt auf seine Umwelt sehr seltsam, denn der Junge scheint mit den Gedanken oft nicht anwesend zu sein und in den Tag hinein zu träumen. Die Lehrer wissen nicht so recht, wie sie mit ihm umgehen sollen, da er sie andererseits nicht ärgert und auf ihre Anweisungen freundlich reagiert, die Rüpel unter den Schulkameraden ärgern den vermeintlich Schwachen wo sie nur können - und er nimmt es auch noch relativ klaglos hin.

Doch zu Beginn der Pubertät entwickelt Harry plötzlich seltsame Fähigkeiten. Obwohl er in der Schule bisher eher unterdurchschnittlich war, scheint er jetzt Schübe zu haben, in denen er sich zum Beispiel als Mathegenie erweist oder mehr Wissen als seine Lehrer zu haben scheint. Und als einer der feigen Schläger aus seiner Klasse ihn wieder einmal drangsalieren will, zeigt Harry ihm, dass er sich trotz seiner schmächtigen Figur sehr wohl zu wehren weiß und kämpft, als habe er über Jahre Kampfsport betrieben.

Niemand weiß, woher das alles so plötzlich kommt, selbst die Lehrer, die sich nun näher mit ihm beschäftigen und ihn fördern wollen, wissen nicht viel mit seinem Verhalten anzufangen. Harry selbst begreift erst mit den Jahren, was es bedeutet, dass er mit die Gedanken der Toten hören, mit ihnen sprechen kann und sogar ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nutzen kann, wenn er es erlaubt, dass sie seinen Geist mit ihm teilen.

Im Verlauf der Jahre geht er immer selbstverständlicher um und nutzt seine Gaben, um sich als Schriftsteller zu etablieren. Er ahnt nicht, dass man bereits auf ihn und seine Fähigkeiten aufmerksam geworden ist. Stattdessen arbeitet er daran, die Wahrheit über den Tod seiner Mutter heraus zu finden, da er deutlich spürt, dass sie nicht durch einen Unfall ums Lebengekommen ist, sondern vermutlich eher sein russischer Stiefvater die Finger mit im Spiel hatte.

Derweil kehrt der ehrgeizige Boris Dragosani in sein Heimatdorf zurück, um nach einem Wesen zu suchen, dass ihn auch schon in seiner Jugend berührt und seine besonderen Gaben geweckt hat. Nur dadurch ist er Angehöriger einer besonderen sowjetischen Spionage-Abteilung geworden, die im Schatten der Mächtigen steht und dadurch großen Einfluss hat. Und genau das will er eines Tages kontrollieren.

Allein deshalb möchte der Nekromant mehr von dem untoten Wesen erfahren, dass an einem verborgenen Ort unter Ketten aus Silber in der Erde ruht. Und Thibor Frenczy gibt ihm diese freiwillig, wohl wissend, dass er damit jemanden gefunden hat, der ihm in Skrupellosigkeit und Machtgier gleich kommt und zudem mehr als nützlich sein kann.

 

„Necroscope“, so der Originaltitel des Buches, erschien erstmals in den 1980ger Jahren, also zu einer Zeit, in der Anne Rice den Blick auf die Welt der Dunkelheit erst zu beeinflussen begann. Dementsprechend sind viele der Elemente, die der Autor aufgreift eher klassisch angehaucht.

Sein gefangener Vampir ist keine mit dem Schicksal hadernde und leidende Kreatur, sondern eine hochintelligente und listenreiche Bestie, die genau weiß was sie will und Boris Dragosani trotz seiner Vorsicht geschickt dorthin manipuliert, wohin er ihn haben will.

Diesen beiden entgegen setzt er Harry Keough, der ebenfalls eng mit der Welt der Dunkelheit und des Todes verbunden ist, kann er doch mit den Verstorbenen sprechen und für Augenblicke Teil ihrer Welt werden.

Der erste Band dient eindeutig als Einführung in die Saga, da in ihm sowohl der Held als auch sein späterer Gegenspieler vorgestellt werden. So werden erste Andeutungen in Bezug auf die wahre Natur der Vampire gemacht, aber noch längst nicht alles verraten, ähnlich sieht es mit dem Konflikt aus, der sich auf irdischer Ebene anbahnt. Denn Keough und Dragosani treffen bereits in diesem Band das erste Mal unangenehm aufeinander.

Das alles ist in eine anfangs recht gemächlich verlaufende, dann aber immer spannender werdende Geschichte verpackt. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und schildert genussvoll auch ekelhafte Szenen in allen Einzelheiten, was allerdings die Atmosphäre nicht zerstört sondern nur vertieft.

Lumley bedient sich in seinem Roman zwar durchaus gängiger Szenarien und Wendungen des Horror- und Thrillergenres, verpackt diese aber so originell, dass man sich niemals langweilt oder verärgert ist. Und am Ende weiß man, warum er als Geheimtipp gilt, möchte man nun doch erst recht mehr über den komplexen Hintergrund erfahren, der immer wieder durchschimmert.

 

Damit ist „Auferstehung“, der erste Band von „Necroscope“ ein Muss für jeden Genre-Fans, der gerade jetzt, wo der Vampir-Mythos durch die unzähligen Romanzen so verwässert wird, einen der kommenden Klassiker des Genres entdecken kann, der das Wort „Horror“ noch ernst nimmt.

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Buch:

Auferstehung

Reihe: Necroscope, Band 1

Autor: Brian Lumley

Broschiert, 590 Seiten

Heyne, erschienen April 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Diesel und Rainer Marquardt

Titelillustration von Jose/Shutterstock

ISBN-10: 3453533070

ISBN-13: 978-3453533073

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51 | Users Online
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