Age of Empires III

Rezension von Christel Scheja

 

„Age of Empires“ ist mittlerweile Reihe von aufeinander aufbauenden Computerspielen, die es in einer Mischung aus Echtzeitstrategie, Konflikt- und Wirtschaftsimulation ermöglichen, den Aufstieg und Fall einer Kultur nachzuspielen, wie beim Römischen Reich, das sich ja immerhin als die erste irdische Weltmacht geradezu anbietet. Später wurden auch noch Blüte und Zusammenbruch anderer klassischer Hochkulturen spielbar.

Man hat im den Computerspielen die Möglichkeit geschickt zu handeln, und kluge Diplomatie zu führen, um sein Land aufzubauen und dann mit der entsprechenden militärischen Macht andere Zivilisationen zu zerschlagen. Um nahe an der irdischen Historie zu bleiben, können natürlich auch die entsprechenden großen Schlachten und Konflikte der Weltgeschichte nachgespielt werden, auch wenn der Ausgang dann vielleicht anders aussehen mag.

„Age of Empires III“ simuliert die Zeit der Entdeckungen und Eroberungen ab dem 15. Jahrhundert. Mutige Seefahrer und Händler, Konquistadoren und Freibeuter ziehen aus, um den bisher unbekannten Teil der Welt zu erforschen, neue Handelswelten aufzutun, die Eingeborenen unter ihre Herrschaft zu bringen und deren Goldschätze zu rauben. Allerdings ist man nicht alleine auf weiter Flur, denn in Europa selbst erwachsen einem in den anderen Nationen gefährliche Rivalen, die ebenfalls das gleiche Ziel haben und entschlossen sind, dieses genau so zu erreichen.

 

 

Spielidee:

 

Die Spieler schlüpfen im Brettspiel „Age of Empires III“ in die Haut des Herrschers einer der großen Entdecker-Nationen des 16. und 17. Jahrhunderts, die vor allem die Absicht haben, sich in Übersee Kolonien schaffen und e auszubeuten, um Ruhm und Macht zu mehren. Dies sind England, Frankreich, Spanien, Portugal und die Niederlande.

Als ihr bevorzugtes Ziel haben sie sich die Neue Welt ausgesucht, sprich die unerforschten Weiten Nord- und Südamerikas. Denn die ersten Entdecker haben von ihren Reisen die Kunde von unermesslichen Goldschätzen, neuen Handelswaren und geheimnisvollen Kreaturen mitgebracht. Und so wurde neben einem gesunden Bewusstsein für Profit auch die Abenteuerlust der Menschen geweckt.

Um sich die besten Stücke von diesem köstlichen Kuchen – das ertragreichste Land und die bedeutendsten Schätze zu sichern, beginnt in Europa nun ein Wettlauf mit der Zeit. Denn nur wer schnell und geschickt ist, kann schließlich die mächtigste Kolonialmacht der Erde werden und alle anderen dominieren. Es ist nun an den Spielern zu zeigen, wie klug und geschickt sie im Taktieren beim Einsatz ihrer Ressourcen und Täuschen der Rivalen sind und damit neben dem Gewinn von Ruhm und Gold auch noch Geschichte zu schreiben

 

 

Ausstattung:

 

Die Ausstattung kann sich sehen lassen, enthält das Spiel doch gut dreihundert Spielfiguren aus Plastik in fünf verschiedenen Farben. Allerdings kann es mit der Zeit passieren, dass einige der sehr dünnen Teile an den Figuren (Kreuze und Musketen. Flaggen und Segel bei den Schiffen) verbiegen oder abbrechen. Spielbrett und Pappkärtchen sind dagegen durchweg stabil.

Viel negativer fällt ins Gewicht, dass das Spielmaterial offen in der Schachtel liegt und man sich einen Einsatz aus Plastik bzw. Pappe ganz gespart hat. Einzig die Münzen befinden sich in einem wiederverschließbaren Musterbeutel.

So ist es ganz sinnvoll sich ggf. selbst noch einige Musterbeutel (oder zumindest Frühstücksbeutel aus Plastik) zuzulegen um die Figuren zu sortieren.

Das erleichtert auch die Vorbereitung für das Spiel ungemein, da man den Spielern gleich einen Beutel mit ihren Figuren in die Hand geben kann. Im Gegensatz zum Kartonaufdruck enthält die Box übrigens nur Material für fünf Spieler, auch in der Regel selbst ist nur die Rede von maximal fünf Spielern. Daher sollte man sich davon nicht irritieren lassen.

 

 

Spielregel

 

Mit ihren sechzehn Seiten wirkt die Spielregel sehr komplex und umfangreich, bei genauerem Hinsehen erkennt man aber, das die Erläuterungen und Beispiele sehr ausführlich sind und der Ablauf des Spiels etwas einfacher als vermutet.

Allerdings muss man die Regel schon mehrfach durchlesen und sich für das erste Spiel Zeit nehmen um die Mechanismen zu verstehen, da die Abläufe sehr umständlich und manchmal etwas missverständlich erklärt werden. Sinnvoll ist es vermutlich, zunächst erst einmal zu zweit zu spielen um die Spielmechanik zu verstehen, ehe man mit drei oder mehr Spielern einsteigt. Hat man sie erst einmal ausprobiert, erscheinen sie einem logisch und nachvollziehbar.

 

 

Spielablauf

 

Das Spielbrett selbst ist in drei Bereiche aufgeteilt. Links befindet sich eine Karte mit den Gebieten, die erobert werden können. Ein Großteil der Runden findet aber rechts auf den sogenannten Ereignisfeldern statt, auf denen die Spieler ihre Vorgehensweise planen können. Da ein Spiel acht große Spielrunden umfasst, gibt es dort eine Leiste, auf der man die gerade aktuelle markieren kann.

Nachdem die Spieler ihr Ausgangsmaterial erhalten haben - einen Vorrat von Figuren ihrer Farbe, denen sie fünf Siedler entnehmen dürfen und 10 Silbermünzen, wird die Startaufstellung festgelegt, indem die Spieler eine ihrer Figuren auf die Spielreihenfolge stellen. Die Nachtteile der Startposition werden durch zusätzliche Silbermünzen ausgeglichen. Eine Spielrunde läuft nach folgendem Schema ab. Zunächst setzen die Spieler der Reihe nach die ihnen zur Verfügung stehenden Figuren auf ein Ereignisfeld ihrer Wahl, sei es nun, dass sie einen der ersten Plätze auf den Häfen Europas ergattern wollen und damit die größere Wahl, wohin sie ziehen wollen, ob sie Handelswaren er- oder Spezialisten anwerben wollen. Das geht so lange, bis die Spieler alle ihre Figuren verbraucht haben. Dies simuliert die Zuweisung von Mensch und Material für die Überseegebiete dar.

Im nächsten Schritt werden die einzelnen Ereignisfelder ausgewertet. Die Spielerreihenfolge hat auch Auswirkungen, wenn es bei dem Wert von Siedlern/Spezialisten auf dem Feld „Handelsschiffahrt“ einen Gleichstand gibt. Derjenige der dort die höchste Punktzahl hat, erhält das entsprechende Handelsschiff und darf es zu sich nehmen. Hat jemand eine Figur in den Ereignisbereich „Initiative“ gesetzt, kann er in der nächsten Runde früher anfangen.

Die Figuren die auf den „Häfen Europas“ stehen dürfen nun in der entsprechenden Reihenfolge in die neue Welt versetzt werden. Wenn es einem Spieler so gelingt, drei Figuren in ein Feld zu bekommen erhält er die dortige Handelsware.

Handelswaren dürfen aber auch bei den Ereignisfeldern an sich genommen werden und ermöglichen später zusätzlichen Punkt und Goldgewinn. Wer Figuren bei „Große Bauten“ postiert hat kann nun entscheiden, ob er einen solchen erwerben will – denn auch das kann Vorteile verschaffen – je nach Karte ist das allerdings unterschiedlich, wann dieser eintritt.

Als weitere Ereignisse können „Entdeckungen“, „Krieg“ und „Spezialisten“ ausgespielt werden – bei letzterem kann man zum Beispiel Kapitäne und Soldaten anwerben. Vor allem letztere werden wichtig, wenn man in der neuen Welt Fuß fassen und nicht vertrieben werden möchte. Danach wird das bisher erworbene Einkommen aus Handelswaren und anderen Erfolgen berechnet, gegebenenfalls kann man die Weisungen ausspielen, die die „Großen Bauten“ erlauben.

Um eine neue Runde zu starten werden gegebenenfalls die „Großen Bauten“, „Handelswaren“ und „Handelsschiffe“ wieder aufgefüllt, die Spieler nehmen sich neue Figuren und die neue Startreihenfolge wird ermittelt. Mit dem Verschieben des Rundenmarkers beginnt die nächste Runde.

Am Ende jeder dritten Runde werden die Siegpunkte nach einem vorgegebenen Schema berechnet. Das Spiel endet nach der achten Runde.

 

 

Spielspaß

 

Gehört bei den verschiedenen Computerspielen zu “Age of Empires” der Krieg zu den wichtigsten Mechanismen, um seine Interessen zu vertreten, ist er beim Brettspiel nur eines der vielen Mittel zum Zweck. Die Spieler sind gezwungen erst einmal genau vorzuplanen, was sie an Siedlern und Spezialisten in die neue Welt schicken wollen, ohne dabei ihre Strategie all zu genau offen zu legen, bevor sie überhaupt dazu kommen an Krieg zu denken.

Überhaupt stößt man schon bald auf seine Grenzen, denn Möglichkeiten seine Figuren einzusetzen gibt es viele, aber die Chance sie wirklich nutzen zu können ist stark eingeschränkt. Man möchte eigentlich immer mehr machen als man wirklich in einer Spielrunde erledigen kann, und nicht immer gelingt es, den Zug zu vertagen, da einem bereits ein anderer zuvor kommt.

Gerade am Anfang braucht man sehr viel Zeit, um sich die Spielmechanismen anzueignen, damit man sich überhaupt eine geeignete Taktik aneignen kann. So sollte man sich nicht davon entmutigen lassen, wenn die ersten Partien mit einem Misserfolg enden, weil andere bereits mehr Erfahrung haben oder aber einfach das bessere Händchen. Der Zufall spielt nur durch die zufällige Verteilung der „Großen Bauten“ oder Entdeckungsmarker eine Rolle, ansonsten muss man seinem eigenen Gespür vertrauen und auf Fehler der anderen hoffen.

Ob wirklich schon Zehnjährige mit dem Brettspiel zurecht kommen, sei dahin gestellt, auf jeden Fall ist es wichtig, dass sie Spieler in etwa das gleiche Niveau haben und sich gleichermaßen gut konzentrieren können, da ein all zu großes Ungleichgewicht im strategischen Geschick unter Umständen zu massivem Frust bei den ständig Unterliegenden führen kann. Hat man bereits mehr Strategiespiele gespielt wird man schnell die Ähnlichkeiten erkennen. Auf jeden Fall sollte man ein Faible und die nötige Konzentrationsfähigkeit oder Voraussicht für Taktik und Strategie haben, denn sonst kommt man in dem Spiel

 

 

Fazit

 

“Age of Empires” ist ein solides Strategiespiel, das sich zwar an das gleichnamige Computerspiel anlehnt und auch sonst gängigen Mechanismen folgt, aber in einigen Bereichen dann doch seine eigenen Wege geht und Abwechslung bietet. Im Spiel kann man unter vielen Möglichkeiten wählen, die allerdings nicht alle in einer Spielrunde zum Zuge kommen können. Das ermöglicht es so aber auch, länger bei der Sache zu sein und seinen Spaß zu haben.

Wichtig ist, dass man ein Händchen für Logik und Strategie hat, denn auf das Glück darf man hier nicht hoffen – da es nur an wenigen Stellen wirklich eine Rolle spielt und in der Runde gleichwertige Partner hat, denn sonst könnte es passieren, dass einer zum Vorreiter wird und die anderen die Lust verlieren, wenn sie merken, dass sie eh keine Chance haben.

Ansonsten kann man mit der Fülle des Spielmaterials schon ganz zufrieden sein. Allein die lieblose Präsentation des Spielmaterials fällt unangenehm auf, Ein Einsatz aus Plastik oder Pappe hätte das Sortieren und Aufbewahren einfacher gemacht. So muss man sich gegebenenfalls einen basteln oder mit Tütchen und Musterbeuteln behelfen.

 

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Age of Empires III

Autor: Glenn Drover

Übersetzung: Ferdinand Köther

Illustrationen und Grafik: Paul E. Niemeyer, Jacoby O’Connor, James Provenzale, Fast Forward Design Associates

Verlag: Pro Ludo

Material: Karton/Papier & Plastik

Spielerzahl: mind. 2-5

Spielmotivation: Strategie, Taktik

Sprache Spielanleitung: DE

Altersempfehlung: 10 - 99 Jahre

Spieldauer: mindestens 120 Minuten

Modellnummer: 200483

ASIN: 0979526205

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 300 Spielfiguren
  • 10 Handelsschiffe
  • 50 Silbermünzen (Piaster)
  • 40 Goldmünzen (Dublonen).
  • 46 Handelswaren
  • Ein Spielplan
  • Eine Spielanleitung
  • 16 Entdeckungsmarker
  • 16 Entdeckungskarten
  • 36 Große Bauten

 


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zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40 | Users Online
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