Schwertmond von Julian May

Rezension von Christel Scheja

 

Die 1931 geborene Julian May ist in Deutschland mehr oder weniger durch ihre Zusammenarbeit mit Marion Zimmer-Bradley bei den „Ruwendra“-Romanen bekannt, ihre im Heimatland viel beachtete „Pliozän“-Saga führte hier dann doch eher ein Schattendasein und wurde nur von wenigen wahr genommen. Ansonsten sind nicht viele Bücher auf Deutsch erschienen.

 

„Schwertmond“ ist der Auftakt einer Reihe von Fantasy-Romanen in der keine exotischen Völker sondern ganz allein die Menschen einer Insel im Mittelpunkt stehen. Abgeschnitten vom Rest der Welt können sie sich mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigen und so ist das Gleichgewicht zwischen den Reichen, die sich auf dem Eiland im Nordmeer tummeln eher brüchig.

Jeder achtet genau auf die Taten des anderen und man traut schon gar nicht dem geheimnisvollen Reich Moss, in das sich die magisch begabte Bevölkerung zurückgezogen hat. Zudem scheint es immun gegen die ständigen Vulkanausbrüche zu sein, die immer wieder die Insel heimsuchen, Missernten und Hungersnöte verursachen.

Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen, die nicht mehr länger nur auf dem Status Quo verharren will, sondern daran arbeitet, die Machtverhältnisse zu verschieben.

Da ist zum einen der kriegerische Prinz Konrig von Kathra, der mit Hilfe eines Stallburschen, der ein wildes aber mächtiges Zaubertalent hat, seine Feldzüge plant und ausführt, nun wo sein Vater im Sterben liegt und er freie Hand hat, und zum anderen die reizvolle aber sehr selbstbewusste Prinzessin Ullanoth, die von ihrem mörderischen jüngeren Bruder aus dem Reich Moss vertrieben wurde und nun den Vatermörder und Thronräuber wieder entmachten will, aber ebenfalls Interesse daran hat, die vier Reiche der Insel zu vereinen.

Beide schließen einen Pakt – doch kann dieser lange Bestand haben, wenn keiner von beiden bereit ist, vor dem anderen zurück zu stecken.

 

Polik und Intrigen, ein wenig Kriegsführung und ein Schuss Magie, das sind die Zutaten, mit denen Julian May ihren Roman strickt. Sie bewegt sich zugleich auf mehreren Ebenen, was es nicht einfach macht ohne einen Dramatis Personae zu verstehen, wer denn eigentlich nun wer ist und welche Funktion in welchem Reich hat.

Immerhin konzentriert sie sich doch etwas deutlicher auf Konrig und Ullanoth, so dass man an deren Schicksal letztendlich doch den meisten Anteil nimmt. Dritter im Bunde ist der wilde Magier, der ein gefährliches Spiel spielt und mehrmals fast zwischen den Fronten zerreiben wird.

Julian May nimmt sich sehr viel Zeit, die Intrigen und Strategien auszufeilen, aber sie übernimmt sich, so dass man ihr als Leser nicht unbedingt in jedes Richtung folgen kann. Sehr schnell verliert man den Faden und schafft es an einigen Stellen auch nicht mehr, ihn wirklich aufzunehmen. Viel passiert auch nicht, da sie sich für alles sehr viel Zeit nimmt und man schon genau mitverfolgen muss, was wer jetzt schon wieder wie in die Wege leitet. Heraus kommt zwar ein in Ansätzen spannender, aber letztendlich doch sehr langatmiger Roman, für den man viel Geduld aufwenden muss. Hier wäre etwas weniger tatsächlich mehr gewesen, zumal die Figuren bis auf wenige Ausnahmen keine Kontur haben und man nicht wirklich an ihrem Schicksal Anteil nimmt

 

Das macht „Schwertmond“ zu einem zwar gut gemeinten und solide geschriebenen, aber nicht wirklich fesselnden Fantasy-Roman. Nur wer gut ausgefeilte Intrigen und höfisches Geplänkel mag wird an dem Buch seinen Spaß haben können.

 

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Schwertmond

Autor: Julian May

Broschiert, 557 Seiten

Bastei Lübbe, erschienen August 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Hubert Strassl

Titelbildgestaltung von Guter Punkt, Karten von H. W. Pesch

ISBN-10: 3404206061

ISBN-13: 978-3404206063

 

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40 | Users Online
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