Battlestar Galactica

Rezension von Christel Scheja

 

Im Jahr 1979 schuf Glen A. Larson im Schatten des Erfolges von Star Wars eine Fernsehserie, die erstmals die Space Opera mit kinoreifen Effekten auf die Mattscheibe brachte. Aufgrund der hohen Kosten wurde „Kampfstern Galactica“ aber bereits nach einer Staffel eingestellt. Die Nachfolgeserie „Galactica 1980“ hatte nicht mehr viel mit dem Original selbst zu tun und war schon nach einer halben Staffel Geschichte..

Schon damals waren die Überlebenden von zwölf Kolonien auf der Suche nach der letzten Zuflucht ihrer Rasse – der mythischen Erde, von der sie selbst gekommen waren. Verfolgt wurden sie dabei von der Maschinenzivilisation der Zylonen, die alles menschliche Leben auslöschen wollten.

2004 griff man diese Idee noch einmal auf, übernahm aber nur wenig von dem Hintergrund der mystischen Verspieltheit der alten Saga, sondern wollte eine zeitgemäße und realistische Geschichte schaffen die den heutigen Zeitgeist besser widerspiegelt.

Die neue „Battlestar Galactica“-Serie sollte die menschlichen Dramen im Schatten der übermächtigen und scheinbar gefühllosen Gegner, die man pikanterweise auch noch selbst geschaffen hatte und auf einer Flucht ohne wirkliche Hoffnung und ein konkretes Ziel schildern.

Auch wenn viele Namen der Helden vertraut waren – ihre Charaktere erlebten Charakterveränderungen und nicht zuletzt manchmal auch eine Geschlechtsumwandlung, um mehr Frauen in führenden Rollen einzubringen. So war der lebenslustige Frauenheld Starbuck nicht länger ein Mann, sondern wurde zu einer raubeinigen und rebellischen Soldatin. Und man schuf Zylonen in Menschengestalt, die die Überlebenden unterwanderten.

Nun wurde der Hintergrund der ersten beiden Staffeln von „Battlestar Galactica“ , die vor allem dazu diente, die ausweglose Situation und das Verhältnis zu den Zylonen darzustellen, in ein Brettspiel umgesetzt.

 

 

Spielidee:

 

Die Spieler schlüpfen in die Rolle der wichtigsten Personen der Serie, wie Präsidentin Laura Roslyn, Admiral William Adama und sein Sohn Lee „Apollo“ Adama, die Pilotin Kara “Starbuck”, ihre Kameradin Sharon „Boomer“ Valerii und nicht zuletzt den Wissenschaftler Gaius Baltar.

Den Menschen auf der Galactica und den Zivilschiffen konnten zwar dem Genozid auf ihren Welten entkommen, aber auf der Flucht vor den Zylonen kommen immer neue Probleme auf sie zu, angefangen mit Wassermangel und Nahrungsknappheit. Dann wieder sind nicht alle Schiffe darauf angelegt, so weite Strecken zu fliegen und so oft zu springen wie man es nun von ihnen fordert.

Es gilt, die zahlreichen Krisen zu meistern, ohne noch mehr Menschen zu verlieren und auch noch gegen sie vorgehen zu müssen, weil sie aus lauter Not und Verzweiflung durchdrehen oder rebellieren. Denn jedes Leben ist kostbar, was aber nicht immer respektiert wird.

Als wäre das nicht genug, schwebt die Gefahr von den Basissternen der Zylonen aufgespürt zu werden über allem Menschen und versetzt sie in Angst und Misstrauen. Denn nicht wenigen ist bekannt, dass es auch Feinde in menschlicher Gestalt gibt.

Die Paranoia wächst, dass es unter den Überlebenden noch unentdeckte Spione gibt, die nur darauf warten, die Position der Flotte zu verraten oder aber Sabotageakte zu verüben um ihr Fortkommen zu behindern.

Diese vergiftete Atmosphäre bestimmt auch das Spiel und das Verhältnis untereinander, denn es gibt mindestens einen Zylonen und jemanden, der mit ihnen sympathisiert und ebenfalls bereit ist, Verrat zu begehen.

Und so ist jeder Spieler dazu angehalten, zwar seinen Teil zum Schutz der Menschen zu tun, aber auch die Augen aufzuhalten. Und selbst wenn man den Zylonen enttarnt, dann ist das Spiel unter Umständen noch lange nicht zu Ende...

 

 

Ausstattung:

 

Die Ausstattung des Spiels ist reichhaltig aber nicht übertrieben und vor allem sehr übersichtlich gestaltet. Für alle wichtigen Entscheidungen und Probleme gibt es gut lesbare Karten, die man durch ihre Größe schnell voneinander unterscheiden kann, die Marker und Modelle helfen dabei die Übersicht zu bewahren.

Alles ist aus stabiler Pappe und Plastik und groß genug um nicht einfach verloren zu gehen. Allerdings ist der Platz in der Schachtel etwas begrenzt- Pappeinsätze, um die einzelnen Marker halbwegs auseinander zu halten und nicht jedes mal neu sortieren zu müssen wären sinnvoll gewesen als ein großes Feld.

 

 

Spielregel

 

Sieht man sich die Spielregel das erste Mal an, wird man von der schieren Dicke erschlagen, da die zweiunddreißig Seiten umfasst. Bei genauerem Studium stellt man aber fest, dass keine davon vergeudet ist, denn die einzelnen Regeln und Spielzüge werden sehr ausführlich und stellenweise auch mit Beispielen erklärt. Das meiste ist gut zu verstehen und nachvollziehen, mit Ausnahme der etwas undurchsichtigen „Sympathisanten“-Regel, bei der nicht so recht klar wird, wie die Unterstützung der Zylonen dabei aussieht. Allerdings tritt diese Rolle nur bei einer geraden Anzahl von Spielern auf.

Die Regel macht deutlich, dass sich das Brettspiel eher an Experten richtetet, da die Spielzüge sehr komplex sind und es sehr viel zu beachten gibt, wie eine Liste von Regeln zeigt, die im Spielverlauf immer wieder sehr gerne vergessen werden. Allerdings lernen sich die Regeln nach ein paar Runden auch sehr schnell, so dass man nicht mehr ständig nachschlagen muss und das Spiel zügiger voran kommt.

 

 

Spielablauf

 

Das Ziel der Menschen ist es, die legendäre Welt Kobol zu erreichen, von der angeblich ihre Ahnen kamen und wo wichtige Hinweise auf die Erde zu finden sein könnten. Die Zylonen versuchen mit aller Kraft die menschlichen Ressourcen zu erschöpfen, um sie genau daran zu hindern und haben gewonnen, wenn sie eine davon auf Null senken konnten.

Bei der Verteilung der Rollen sollte man darauf achten, dass möglichst alle Fertigkeitsfelder abgedeckt sind, da es sich als fatal erweisen könnte, wenn zum Beispiel die Technik keinen Fachmann aufweist, der in einer Krisensituation positiv zur Lösung der Krise beitragen – sprich einen Bonus hinzufügen könnte.

Jede Figur startet von einem bestimmten Ort auf den Beiden auf dem Spielplan abgebildeten Schiffen, der „Galactica“ und der „Colonial One“. Sie können und müssen sich im Verlauf auch bewegen, da dies bestimmte Aktionen erforderlich machen. Zwei Spieler nehmen die Rolle von Präsident und Admiral ein Sie können auf bestimmte Sonderaktionen ihres Ranges zurückgreifen.

Dann kommen die Loyalitätskarten ins Spiel. Jeder Spieler zieht eine, nimmt sie zur Kenntnis und legt sie verdeckt ab, so dass keiner der anderen Einblick erhalten kann. So wird festgelegt, wer Mensch und wer Zylon ist.

Pikanterweise werden im Verlauf des Spieles noch einmal Karten ausgegeben, um das Erwachen der sogenannten „Schläfer“ zu simulieren. Selbst wenn bisher noch kein Zylonen aktiv war, jetzt gibt es einen, der gegen die Menschheit zu arbeiten beginnt. Daher gibt es im Grunde auch keine Entspannungsphasen für die nicht aktiven Spieler, da sie zum einen die Augen aufhalten müssen und ebenfalls die ein oder andere Aktion ausführen müssen, auch wenn sie selbst nicht am Zug sind.

Zu Beginn jedes Spielzuges kann der aktive Spieler Fertigkeiten sammeln, sich bewegen und die auf dem Spielplan angegeben Aktionen auf den beiden großen Schiffen durchführen.

In dem nachfolgenden „Krisenschritt“ zeigt sich, mit was die Menschen diesmal zu kämpfen haben und schleunigst bewältigen müssen – sei es nun eine Revolte auf einem der Schiffe, Nahrungs- oder Wasserknappheit. Um festzustellen, ob sie Erfolg oder nicht haben, gibt es den sogenannten Fertigkeits-Check, bei dem alle Spieler die entsprechenden Fertigkeitskarten beisteuern um zum Erfolg beizutragen. Sollte es dennoch zum Fehlschlag kommen wird die betroffene Ressource gesenkt.

Droht ein Zylonenangriff kommen, wird natürlich eine Raumschlacht simuliert, bei dem erstmals auch das Würfelglück Einfluss auf den Ausgang des Kampfes hat.

Danach werden wie in der Serie die Sprungvorbereitungen vorangetrieben. Denn meistens hat die Flotte auch ein Ziel, an dem es gilt einige der Ressourcen wieder aufzustocken, die langsam zur Neige gehen.

Allgegenwärtig sollte die Aufmerksamkeit gegenüber den Spielern sein, denn jeder der anderen könnte ein Zylone sein. Hat man einen Verdacht geschöpft, kann man versuchen ihn zu enttarnen, was manchmal zu üblen Fehlentscheidungen führen kann.

 

 

Spielspaß

 

“Battlestar Galactica” ist wohl nichts für schwache Nerven und harmoniesüchtige Spieler, die lieber mit den anderen gegen die Zeit oder aber den Zufall arbeiten möchten. Denn es geht tatsächlich in erster Linie um Verrat und Verdächtigung. Man muss sich nicht nur gegen die Anschuldigungen der anderen zu wehren sondern auch selbst welche aussprechen. Das gilt gerade wenn man der Zylon ist, um seine Tarnung zu wahren.

So gilt eines: Auch wenn man zunächst zusammen arbeitet, so kann man den anderen doch nicht wirklich vertrauen. Und leider dabei kommen einem manchmal auch die Schwächen des eigenen Charakters in die Quere.

Deshalb sollte man ein Faible für Intrigen und die Lust haben, auch einmal einen negativeren Charakter zu spielen, denn man ist nicht davor gefeit ein Zylone zu werden, was dann auch bedeutet gegen die anderen arbeiten zu müssen, auch wenn die Zahl der Interaktionen etwas beschränkt ist.

Ist man noch nicht enttarnt kann man vor allem bei den Fertigkeits-Checks dafür sorgen, dass nicht genug Punkte zusammen kommen, um die Krise zu lösen und so daran arbeiten die Ressourcen zu senken. Allerdings muss man sehr genau darauf achten, dass man sich nicht verrät, da die anderen jederzeit Anschuldigungen äußern können. Besonders interessant wird die Position als Admiral oder Präsident, da man damit die Machtmittel hat, andere Figuren auszuschalten, indem man sie in die Brig sperrt.

Auch nach der Enttarnung ist man nicht aus dem Spiel. Man kann zwar nicht mehr direkt mit den anderen Spielern agieren, hat aber die Möglichkeit die Angriffe zu kontrollieren und die sogenannten Super-Krisenkarten auszuspielen.

Das erfordert deshalb neben einer Vorausschau, die Fähigkeit zur Taktik und Planung, Aufmerksamkeit und ein gutes Gedächtnis. Auch sollte man mindestens drei oder vier Stunden einplanen, am Anfang noch mehr, da die Regeln erst einmal alle gelernt werden wollen, nicht nur umfangreich, sondern auch sehr komplex sind. Hat man sich erst einmal mit allem vertraut gemacht, erinnert man sich sehr schnell an alles und kann sich ganz dem eigentlichen Hintergrund des Spiels widmen.

Man muss zwar nicht unbedingt die Serie kennen, um sich mit dem Spielmechanismus vertraut zu machen, es hilft aber ungemein, um in die richtige Stimmung zu kommen und zu wissen, welche Rolle die Figuren eigentlich spielen, um sich noch mehr in ihre Stärken und Schwächen, aber auch die Paranoia einfinden zu können.

 

 

Fazit

 

Alles in allem ist „Battlestar Galactica“ kein Spiel für blutige Anfänger, eher etwas für Fortgeschrittene und Experten, die sich gerne langwierige Strategie- und Taktikschlachten vor dem passenden düsteren Hintergrund liefern und dabei nicht vor Verrat und Anklage zurückschrecken. Was zunächst wie ein Kooperationsspiel aussieht, entwickelt sich sehr schnell in das Gegenteil, wenn man die richtigen Leute findet.

Deshalb sollte man durchaus Lust auf Intrigen haben und sich negative Entwicklungen nicht zu sehr zu Herzen nehmen, dann ist Spielspaß für viele verregnete Tage garantiert, da allein durch unterschiedliche Figurenkonstellationen schon unzählige Variationen möglich sind und trotz der beschränkten Interaktionen kein Spiel wie das andere wird.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 1 von 1.

Henning
Montag, 23. August 2010 16:48 Uhr
Das Spiel macht riesigen Spaß mit Mitspielern, die spielerische und nicht zuletzt psychische Herausforderungen lieben. Wenn mindestens die Hälfte der Spieler die Regeln gut kennen, kann man direkt loslegen; ansonsten braucht man ein Probespiel, bevor es so richtig gut klappt. Die Spieleranzahl 4 und 6 sind etwas für Profis, da ein zusätzliches Spielelement für Ausgleich sorgen muss (der "Sympatisant"). Macht dann aber noch mehr Spaß. Mit 3 und 5 Spielern kann man es auch gut mit Neulingen spielen.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Battlestar Galactica

Brettspiel

Autor: Corey Konieczka, Eric Lang, Jeff Tidball

Übersetzung: Michael Krönert

Illustrationen und Grafik: zur Verfügung gestellt von NBC Universal

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Material: Karton/Papier & Plastik

Spielerzahl: mind. 3-6

Spielmotivation: Strategie, Taktik

Sprache Spielanleitung: DE

Altersempfehlung: 10 - 99 Jahre

Spieldauer: mindestens 120 Minuten

Modellnummer: HEI00164

ASIN: B001UNZEFW

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:

Inhalt:

 

Spielregel

Spielplan

10 Charaktertafeln

4 Ressourcenscheiben

10 Charaktermarker

4 Pilotenmarker

2 Nuklearwaffenmarker

12 Zivilschiffmarker

2 Basissterne

4 Zenturiomarker

4 Basisstern-Schadensmarker

8 Galactica-Schadensmarker

1 Flottenanzeiger

1 Anzeiger aktiver Spieler

70 Krisenkarten

16 Loyalitätskarten

17 Zwölferratskarten

5 Super-Krisenkarten

1 Präsidententitelkarte

1 Admiralstitelkarte

je 21 Fertigkeitskarten: Führerschaft, Taktik, Politik, Raumkampf, Technik

22 Zielortkarten

1 Zielkarte Kobol

1 achtseitiger Würfel

32 Plastikraumschiffe

4 Plastikverbinder

10 Plastikaufsteller

 

 


Platzhalter
Platzhalter
zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40 | Users Online
###COPYRIGHT###