A Lollypop or A Bullet, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

„A Lollypop or A Bullet“ ist ein zweibändiger Manga, der einen in Japan sehr beliebten Roman umsetzt. Die Geschichte dreht sich um die bittersüße Freundschaft von zwei jungen Mädchen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und im eher ländlichen Japan, in dem die Uhren ohnehin anders ticken.

 

Für Nagisa war bisher eigentlich immer klar gewesen, wie sie ihr weiteres Leben gestalten würde. Anders als ihr Bruder, der seit drei Jahren nicht mehr aus dem Haus gegangen ist und in seiner eigenen kleinen Welt lebt, will sie die Mutter entlasten und schnell Geld verdienen. Das glaubt sie am besten in den Streitkräften zu können.

Dann aber kommt eine neue Schülerin in die Klasse. Auch wenn Nagisa erst nicht viel mit der neuen anfangen kann, so ist sie doch von Mukuzu fasziniert – und das nicht nur, weil diese sich ungefragt an sie hängt.

Mukuzu erzählt eine schier unglaubliche Geschichte: Sie, die Tochter eines Musikstars sei eigentlich gar kein richtiger Mensch, weil ihre Mutter eine Nixe wäre. Sie könne spüren, wann die Stürme kommen und sich immer dann in Schaum auflösen, wenn sie will.

Nagisa nimmt sie zunächst nicht ernst, doch einige Umstände lassen sie doch aufhorchen und mehr mit dem Mädchen unternehmen. Dann allerdings geschieht etwas im Wald.

Durch diesen Vorfall distanziert sich Nagisa erst einmal wieder von Mukuzu, aber das währt nicht lange, denn als die andere von einem Mitschüler zusammen geschlagen wird, ist sie wieder zur Stelle. Langsam dämmert ihr, was wirklich in Mukuzu vor sich geht, denn sie hat die Misshandlungen zu still und zu geduldig mit sich machen lassen.

Aber zieht die pragmatische Nagisa wirklich Schlüsse daraus? Denn eigentlich hätte ihr das Erlebnis im Wald durchaus erste Hinweise auf das Verhängnis geben können, das über ihrer Freundin hängt.

 

Wie schon im ersten Band geht es nicht um Liebe und Romantik vor einer fiktiven und verträumten Kulisse, stattdessen hat man das Gefühl in einem realen Szenario zu stehen und mit Menschen konfrontiert zu werden, die es so geben könnte. Nagisa und ihr Umfeld sind sehr lebendig dargestellt.

Im zweiten Band konzentriert sich die Geschichte vor allem auf Mukuzu und ihre Traumwelten, die zwar ganz und gar phantastisch sind, den Leser aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holen. Denn nach und nach wird deutlich, dass etwas anderes hinter den Erzählungen des Mädchens steckt.

Gerade das Ende erschüttert, als man wie die Helden hilflos dasteht und nichts mehr unternehmen kann. Aber gerade dieses Erlebnis, dass mit Gewalt und Missbrauch zu tun hat, lässt die Figuren reifen und die Unschuld der Kindheit verlieren.

Auch wenn die Grausamkeiten nur angedeutet werden, so horcht man doch auf. Die Bilder und Dialoge müssen nichts zeigen, denn viel schimmert nur all zu deutlich durch und hinterlässt Spuren.

 

So erweist sich „A Lollypop or A Bullet“ als einer der wenigen Mangas aus dem Schülermilieu, der nicht nur Unterhaltung ist, da er das Szenario sehr einfühlsam, glaubwürdig und lebendig in Szene setzt und ein sehr ernstes Thema behandelt, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken.

 

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Comic:

A Lollypop or A Bullet (Bd. 2)

Autorin & Künstlerin: Kazuki Sakuraba & Iqura Sugimoto

Aus dem Japanischen von Burkhard Höfler

Satougashi no Dangan wa Uchinukenai, Vol.2 , Japan 2008

Manga-Taschenbuch, 249 Seiten

Egmont Manga & Anime, 07/2010

ISBN-10: 3770471717

ISBN-13: 978-3770471713

Erhältlich bei Amazon


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zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39 | Users Online
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