Schon mit A Study in Drowning bewies Ava Reid, dass sie ein Händchen für eigenwillige Stoffe hat. Das Buch mochte zwar viele Elemente besitzen, die man aus moderner Fantasy kennt, interpretierte sie aber bewusst ganz anders. Das Buch schien abgeschlossen, nun aber setzt die Autorin die Geschichte in A Theory of Dreaming fort.
Nach den Ereignissen in dem abgelegenen Landhaus am Meer ist nichts mehr so, wie es einmal war. Denn auch wenn Effy nun an der Fakultät für Literatur studieren darf, kommt sie doch nicht zur Ruhe, haben die Entdeckungen, die Preston und sie gemacht haben, doch einiges an Staub in der Gesellschaft aufgewirbelt.
Preston hat ebenfalls zu kämpfen. Nicht nur, dass er für seine Abstammung angefeindet wird und fürchten muss, als Spion betrachtet zu werden – seit dem gemeinsamen Kampf gegen die unheimliche Macht des Elfenkönigs und die Enthüllung der Wahrheit um das Vermächtnis eines großen Dichters, hat er immer wieder Träume und Visionen von einer anderen Welt.
Angesiedelt ist das ganze in einem Setting, das die Zeit des ersten Weltkrieges erinnert. Die Technik ist einerseits so weit fortgeschritten, dass es schon Flugzeuge und Telefone gibt, auf der anderen Seite hängen über dem Land die dunklen Wolken eines Krieges gegen das Nachbarland, die jetzt noch einmal düsterer werden.
Und man feiert die jungen Leute nicht gerade für ihre Entdeckungen und Enthüllungen, beschädigen sie doch nicht nur die Reputation eines Dichters, sondern untergraben auch das Selbstverständnis der Nation und dazu noch die Propaganda, was man ihnen recht übel nimmt und vor allem Effy spüren lässt.
Zudem hat die junge Frau mit sehr vielen Vorurteilen zu kämpfen, weil sie als erster weiblicher Student in einer Fakultät eingeschrieben ist, die ihr vorher verboten war. Und auch wenn sie sich anzupassen versucht, zeigt sich doch, dass ihr Dinge auffallen, die ihr vorher entgangen sind.
Das doch eher nüchterne Szenario bietet wieder einmal unterschwellige Magie, die sich vor allem in den Reisen Prestons bemerkbar macht. Aber das sind nicht die einzigen Geheimnisse die er zu ergründen sucht, denn offenbar haben auch die anderen ikonischen Dichter mehr zu verbergen als man denkt.
Das wird nahe an den Figuren und mit sehr viel Liebe für das Detail erzählt. Auch wenn Effy und Preston ein paar sind, so fußt ihre Beziehung doch eher auf Gefühl und Vertrauen als auf Leidenschaft, was sich angenehm von anderen Fantasy-Büchern abhebt. Ebenso wie der leise Anflug von Feminismus, der ebenfalls gut in das Setting passt.
Nicht zuletzt sind Intrigen und Geheimnisse die Triebfedern für die Handlung, Sie sorgen für immer neue Enthüllungen, die dem Inhalt eine neue Richtung geben – bis hin zum gelungenen Abschluss.