Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Ab die Post von Terry Pratchett

Rezension von Christoph Weidler

 

Der Betrüger Feucht von Lipwig wird aufgrund seiner Vergehen zum Tode veurteilt. Doch als der Henker ihm die Schlinge um den Hals legt, kommt es anders als befürchtet. Die ganze Hinrichtung ist eine vom Patrizer Lord Vetinari gut organisierte Farce. Lord Vetinari bietet Feucht einen Handel an, wenn er als Postminister das alte Postamt von Ankh-Morpork wieder auf Vordermann bringt, wird ihm die Strafe erlassen. Ein Angebot, welches Feucht von Lipwig unter den Umständen keineswegs ablehnen kann, zumal die Alternative auch eine Gelegenheit zur Flucht verspricht. Doch da hat Feucht das Spiel ohne den Patrizer gemacht, denn der stellt ihm Herrn Pumpe, einen Golem, zur Seite der neben ihn zu unterstützen auch dafür sorgen soll das Feucht sich nicht vor seiner Aufgabe drückt. Und das sehr erfolgreich.

Als Feucht im Postamt ankommt trifft ihn der Schlag, es gab da wohl einige Punkte die der Patrizer ihm verschwiegen hat. So stappeln sich im Postamt die nicht ausgetragenden Briefe der letzten zwei Jahrzenten, seine Vorgänger fielen alle mysteriösen Unfällen zum Opfer und die große Konkurrenz »Der Klacker« (ein Telegraphensystem) sorgt seit langen für den Niedergang des alten Postsystems, da sie in der Lage sind Nachrichten äußerst schnell von einen Ort zum anderen zu übermitteln. Zwar zu einem hohen Preis, aber da die »normale« Post schon seit Urzeiten nicht mehr ihre Empfänger erreicht, der derzeit einzige Weg Nachrichten zu befördern. Und die einzige Unterstützung die Feucht von Lipwig hat, sind ein uralter Postbote namens Herr Grütze und dem einfältigen Jungen Stanley.

Doch Feucht wird in seinen Ego gepackt und findet Gefallen an seiner neuen Aufgabe und schon kurze Zeit später versucht er mit ungewöhnlichen Mitteln die Post wieder auf den Vordermann zu bringen. So wird nun endlich mit Hilfe alter pensonierter Postboten und Golems, für die gefährlicheren Gegenden, die aufgelaufende Post ausgeliefert. Auch führt Feucht Briefmarken ein, eine Idee die ihm immer besser gefällt, denn was kann für einen ehemaligen Betrüger besser sein als sein eigenes Zahlungsmittel einzuführen. So langsam kommt die alte Post wieder in Schwung, sehr zum Mißfallen der Betreiber der »Klacker«, die hier nun eine Konkurrenz befürchten.

Als Feucht mit einen »Wettrennen« die große Klackergesellschaft herausfordert sehen die Betreiber des »Klacker« ihre große Chance den unliebsamen Konkurrenten endgültig auszuschalten. Doch Feucht wäre in seinem Leben nie so weit gekommen, wenn er nicht immer wieder entsprechende überraschende Ideen hätte.

 

Ab die Post erinnert im ersten Augenblick ein wenig an eine Mischung aus "Postman", den Pony Express des Wilden Westens und den guten alten Hollywoodfilmen in denen ein Betrüger einen anderen Betrüger über den Tisch zieht. Doch es sind auch viele andere Elemente von Pratchett gelungen und humorvoll eingefügt worden, so setzt er hier gekonnt humoristische Seitenhiebe auf die Sammelsucht von Briefmarkensammler und den Intrigen in der wirtschaftlichen und politischen Welt Großkonzerne in ihrer teilweisen Monopolstellungen. Es ist ein Lesevergnügen, wie es Pratchett wieder einmal gelingt die Fantasy der Scheibenwelt mit den realen Einflüssen aus unserer Welt humorvoll und gut erzählt zu vermischen. "Ab die Post" ist im Gesamtbild einer der ruhigeren Romane aus der Scheibenwelt, und wenn man die letzten Romane dazunimmt wie "Weiberregiment" und "Kleine Freie Männer" könnte man vermuten das Terry Pratchett derzeit versucht neue Ansätze für weitere Romane aus der Scheibenwelt zu finden da die alten bekannten Figuren hier doch sehr vernachlässigt werden. Auch mischen sich immer mehr Parallelen zu realen gesellschaftskritischen Elementen mit dem ureigenen Reiz der Scheibenwelt, doch es kommt gelungen herüber. Eine kleine Spur kritischer, aber denoch im gleichen, von seinen Fans geliebten, humorvollen Stil der die Scheibenwelt ausmacht.

 

Fazit:

»Ab die Post« ist ein weniger ruhiger als andere Romane aus der Scheibenwelt, aber eine gelungene Bereicherung und Erweiterung und man darf hoffen wieder etwas von Feucht von Lipwig zu hören.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

botMessage_toctoc_comments_9210

Ältere Kommentare:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 1 von 1.

Thorsten
Dienstag, 27. Oktober 2009 00:01 Uhr
Ich halte "Ab die Post" für einen der stärksten Romane von Pterry. Zum einen hat diese Buch sehr eigenwillige, aber liebenswerte Charaktere, zum anderen enthält es aber auch eine sehr deutliche Kritik an der heutigen (Gross-)Wirtschaft.
Absolut lesenswert, nicht nur für Scheibenwelt-Spezialisten.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Ab die Post

Reihe: Scheibenwelt

Autor: Terry Pratchett

Hardcover, 445 Seiten

Manhattan, 15. August 2005

 

ISBN: 3-442-54565-X

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 16.09.2005, zuletzt aktualisiert: 08.11.2019 08:38