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Abgrund von Roderick Gordon & Brian Williams

Hörbuch

Reihe: Das Licht der Finsternis 2

 

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Tunnel“, dem ersten Band der Trilogie debütierten Roderick Gordon und Brian Williams auf dem Fantasy-Jugendbuch-Markt. Damals griffen sie ein Thema auf, das bereits in heutigen Klassikern der Abenteuer-Literatur aufgegriffen wurde und entführend nicht nur den Helden Will Burrows in eine geheimnisvolle Welt unter den Tunneln und Schächten von London.

Zusammen mit seinem Vater hat der albinotische Junge bereits eine ganze Weile nach längst vergessenen Schätzen der Vergangenheit gesucht. Und so ist es für ihn selbstverständlich nach Doktor Burrows zu suchen, als er eines Tages spurlos verschwindet.

Zusammen mit seinem Freund Chester entdeckt er einen geheimnisvollen Zugang. Ohne lange darüber nachzudenken, was sie dort alles an Gefahren erwarten könnte, steigen die Jungen in die Dunkelheit hinab und finden in einer großen Höhle eine unterirdische Stadt. Und damit beginnen die Abenteuer erst recht und werden im zweiten Teil „Abgrund“ eben so abenteuerlich fort gesetzt. Auch dieser Band ist wieder in ein stimmungsvolles und von Andreas fröhlich vorgetragenes Hörbuch umgesetzt worden.

 

Nachdem Will und Chester gefangen genommen wurden, trennt man sie. Will muss von den Styx, den geheimnisvollen Herren der Unterwelt erfahren, dass er eigentlich hier in der Kolonie unter der Erde geboren wurde. Vor gut zehn Jahren hat ihn seine verrückt gewordene Mutter an die Oberfläche entführt und bei den Burrows in Pflege gegeben. Nun will man ihm eine Chance geben, wieder Teil der Familie zu werden, die immer noch aus dem Vater und seinem jüngeren Bruder Cal besteht. Doch Will, der nichts anderes als die Freiheit kennengelent hat, kann sich nicht an das streng reglementierte und puritanisch anmutende Leben gewöhnen. Er merkt recht schnell, wie der Hase läuft..

Als er aufbegehrt, erfährt er, dass es aber auch Menschen – unter ihnen sein Onkel Tam – gibt, die gegen die Herrschaft dieser geheimnisvollen Kreaturen rebellieren. Mit ihrer Hilfe versucht Will, seinen Freund zu retten, ehe dieser zu Zwangsarbeit verdammt, weg gebracht werden soll. Dabei kommt es jedoch zu einer Katastrophe und Will muss mit Cal und Chester in eine ungewisse Zukunft fliehen.

Auf sich allein gestellt, kämpfen sie sich durch eine lebensfeindliche und fremdartige Umwelt voller seltsamer Pflanzen und Tiere. Dabei entdecken sie Spuren von Dr. Burrows, der den Styx offensichtlich entkommen ist, und nun die Gelegenheit nutzt, mehr Wissen über die unterirdische Welt zu sammeln.

Will setzt sich mit seinen Begleitern auf die Fährte des Ziehvaters. Doch durch die Anspannung, dass sie jederzeit entdeckt und gefangen genommen werden könnten, begehen sie einen Fehler nach dem anderen.

Derweil suchen die Styx unter der Führung von Rebecca immer entschlossener nach dem Jungen und seinen Begleitern, denn sie wollen verhindern, dass sein Beispiel Schule macht und die Kolonisten auf dumme Ideen bringt...

 

„Abgrund“ sprüht aber weiterhin vor verrückten Ideen und Details, was ein wenig darüber hinweg tröstet, dass im Buch selbst nicht viel passiert. Will und Chester irren auf ihrer Flucht durch eine fremdartige Welt. Das ganze liest sich stellenweise wie eine Hommage an Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Vor allem Dr. Burrows ähnelt in seiner Besessenheit den wissensdurstigen Helden des späten 19. Jahrhunderts. Mit den Augen eines Kindes erkundet er die fremde Welt und glaubt, sich damit endlich einen Namen zu machen. Die beiden Autoren genießen es, alle wissenschaftlichen und fiktiven Thesen mit einzubringen, die sich Forscher und Schriftsteller in den letzten hundertundfünfzig Jahren zu Welten unter der Erde oder gar einer Hohlwelt gemacht haben. Allerdings vernachlässigen sie dabei ein wenig den roten Faden in der Handlung. Über weite Strecken ist „Abgrund“ eine Aneinanderreihung von kleineren und größeren Abenteuern um die Gefahren der unbekannten Welt und die Bedrohung durch die Styx, was sich auf der anderen Seite ganz gut anhören lässt, da man sicht nicht auf größere Handlungsbögen konzentrieren muss. Wirkliche Geheimnisse der Gesellschaft unter der Erde und der Vermächtnisse der Vergangenheit, die auch dort eine Rolle zu spielen scheinen, gibt es nicht.

Aber auch die Protagonisten entwickeln sich nicht wirklich weiter. Will bleibt so, wie man ihn im ersten Band kennen gelernt hat und auch Chester entwickelt keine besonderen neuen Charakterzüge. Selbst die neu eingeführten Nebenpersonen bleiben blass, vor allem die Frauengestalten sind sehr klischeehaft und archetypisch.

Andreas Fröhlich liest wie immer souverän und trägt die Geschichte mit seiner Stimme. Auch die Kürzungen haben dem Buch gut getan, da die Längen etwas gestrafft wurden und die Spannung so besser erhalten bleibt.

 

Insgesamt ist „Abgrund“ nicht mehr ganz so faszinierend wie sein Vorgänger „Tunnel“, aber der Roman kann dennoch vor allem junge Leser weiter am Ball halten, für die so eine feine Hommage an Jules Verne und jede Menge Action genau das Richtige sind. Auch das Hörbuch kann darüber nicht hinweg täuschen

 

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Eure Meinung:

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Hörbuch:

Abgrund

gekürzte Lesung

Reihe: Das Licht der Finsternis, Bd. 2

Autoren: Roderick Gordon & Brian Williams

Übersetzer: Franca Fritz und Heinrich Koop

Sprecher: Andreas Fröhlich

Umfang: 8 CDs

Laufzeit: ca. 615 Minuten

Der Hörverlag, März 2008

Titelbild von David Wyatt

Ab 12 Jahre

 

ISBN-10: 3867173753

ISBN-13: 978-3867173759

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 03.06.2009, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 11:30