DC spendiert den bekanntesten Ikonen mit dem Absolute-Universum bekanntlich eine düster angelegte Frischzellenkur. Nach Batman, Superman und Wonder Woman ist jetzt mit Eine neue Welt auch der schnellste unter den Superhelden dran.
Auch hier ist alles etwas anders als gewohnt. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht der junge Wally West. Der hat nicht nur mit dem Tod seiner Mutter, sondern auch mit seinem autoritären Vater zu kämpfen. Als Army-Colonel ist dieser viel mit ihm unterwegs, sodass Wally kaum Gelegenheit bleibt, Freunde zu finden. Ein Lichtblick scheint da der Wissenschaftler Barry Allen zu sein, der sich des Jungen annimmt. Doch dann kommt es zu einem folgenreichen Zwischenfall. Bald wird Wally gejagt, doch hilflos ist er nicht.
Die Story zur neuen Flash-Alternativwelt stammt aus der Feder von Jeff Lemire (Sweet Tooth: Die Rückkehr). Der Autor setzt die Geschwindigkeit seiner Hauptfigur auch beim Storytelling um, indem er vor allem anfangs heftig zwischen den Zeiten wechselt. So beginnt er den Comic nach dem Zwischenfall, springt dann zwei Tage zurück, wechselt wieder in die Gegenwart, geht schließlich einen Tag zurück, liefert danach eine Vorausblende (»Ein Jahr danach«), um das nächste Kapitel wieder in der Jetzt-Zeit zu erzählen – wobei er jedoch eine Rückblende (»Damals«) – einstreut. Das sorgt zweifelsohne für Dynamik, dürfte für Teile der Leserschaft aber dann doch zu viel des Guten sein und wirkt insgesamt etwas holprig.
Dazu kommt dann die Hatz von Wally durch eine rätselhafte Gruppe, die Lemire erst im letzten Kapitel des Bandes konzentriert beleuchtet. Das führt allerdings wiederum weit von der Hauptfigur weg. Hier wäre es wohl geschickter gewesen, schon zuvor einzelne Informationen einzustreuen, als ein Schlusskapitel zu liefern, in dem der Protagonist praktisch nicht vorkommt. Immerhin gelingen Lemire auch einige Lichtblicke. So schafft er es, zu Beginn des vierten Kapitels (endlich) sein Publikum emotional zu packen. Zudem setzt er Wally einen interessanten Mitstreiter an die Seite.
Für die visuelle Umsetzung sind Nick Robles und A. L. Kaplan verantwortlich. Beide setzen den zentralen Aspekt von Flash-Comics – das Tempo – zeichnerisch ansprechend um. Einen Vorgeschmack liefert das toll von Robles gestaltete Cover. Positiv ausgedrückt konzentrieren sich die Panels der beiden Künstler auf das Wesentliche: nämlich auf die Figuren. In einer etwas negativeren Sichtweise bleiben allerdings die Details oft auf der Strecke. Das gilt vor allem, aber nicht nur für Kaplans Zeichnungen. Schade, denn etwas mehr Detailfreude hätte den Panels mehr Leben eingehaucht und bei der Lektüre eine intensivere Immersion ermöglicht.