Wonder Woman bleibt auch in der düsteren Neuinterpretation eine Prinzessin. Allerdings versucht sie in Heldin aus der Hölle nun als Höllenprinzessin Gateway City vor einem geheimnisvollen und gigantischen Ungetüm zu retten. Doch ohne die Hilfe von Menschen steht die Lasso-Schwingerin auf verlorenem Posten.
Auch im zweiten Band bleibt Kelly Thompson für die Story verantwortlich. Die Autorin bleibt ihrem Ansatz treu und verschiebt das bekannte Setting nicht nur in eine dunklere, sondern auch in eine mythisch-mystische Richtung. Für mehr erzählerische Dynamik wechselt sie zwischen der aktuellen Gegenwart und Dianas Kindheit. Ein Highlight ist dabei der fast schon episch anmutende Kampf zwischen Wonder Woman und dem Tetraziden. Dabei knüpft Thompson geschickt an die griechische Mythologie an, beantwortet jedoch nicht alle Fragen.
Etwas problematisch ist die Veröffentlichungspraxis. Ideal wäre es gewesen, statt drei die ersten fünf Hefte zu einem Band zusammenzufassen. Denn dann hätten Fans eine abgeschlossene Geschichte, in deren Mittelpunkt Wonder Womans Kampf gegen den Tetraziden steht. Stattdessen ist die Auseinandersetzung nicht nur auf zwei Bände verteilt. Hier beginnt im letzten Drittel auch wiederum ein neues Kapitel, das visuell deutlich abweicht – und leider erst in Band drei abgeschlossen werden wird. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen mag diese Strategie allerdings aufgehen. Denn so lassen sich die Bände günstig und für Käufer attraktiv unter der Preisschwelle von 10 Euro anbieten.
Grund für die skizzierte visuelle Abweichung ist die Tatsache, dass Hayden Sherman (Auf der Spur des Bösen) nur die ersten fünf Hefte zeichnet. Sehenswert sind dabei die immer wieder kreativ eingesetzten Panelumrandungen, die sich vom rechteckigen Einheitsbrei abheben. Zudem sind viele Bilder schön detailreich gestaltet. Dafür wirken allerdings die Gesichter der Figuren zu glatt und etwas naiv. Fundamental davon unterscheidet sich der Stil von Mattia De Iulis, der das letzte Kapitel bebildert. Der wirkt nämlich realistischer und wuchtiger. Insgesamt passt die visuelle Präsentation – auch weil alles kühler wirkt – etwas besser zum düsteren Setting. Während allerdings Shermans Diana emphatisch und sympathisch wirkt, lässt De Iulis ihre Gesichtszüge kalt und teilweise fremdartig aussehen. Dabei ist die Augenpartie nicht immer ganz gelungen. Kritisieren lassen sich bei beiden Künstlern die Designentscheidungen bezüglich der Darstellung von Göttern. Hier wären mehr Kreativität und eine stärkere Anlehnung an die griechische Mythologie wünschenswert gewesen.
Als Bonus gibt es zwei einseitige Storys über die kleine Diana am Ende des Bandes. Diese zeichnet Dustin Nguyen (Hush - Herz der Finsternis) bewusst in einem etwas kindlichen Stil. Das passt zum Inhalt. Die Geschichten laden zum Schmunzeln ein und lockern die Stimmung nach der düsteren Hauptstory auf.