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Abyss Masterpiece von Heavenwood

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Nanu. Gothic-Metal aus dem sonnenverwöhnten Spanien? Das gab ‘s auch schon eine Weile nicht mehr. Die letzten bekannteren Vertreter dieser Sparte müssen Moonspell gewesen sein, allerdings liegen die Glanzzeiten besagter Combo nun auch schon ein paar Jährchen zurück, besser gesagt in den späten 90ern. Nun also Heavenwood mit Abyss Masterpiece, ihrem vierten Langeisen. Moment mal – die Truppe existiert bereits seit 1992 hat aber gerade mal lächerliche vier Alben veröffentlicht?

 

Richtig. Nach dem ´96er Debüt Diva (Massacre Records) folgte mit Swallow 1998 der Nachfolger, bevor die Band erst einmal vollständig auf Eis gelegt wurde. Ob aus mangelnder Motivation, akuter Geldknappheit oder den berühmt-berüchtigten »kreativen Differenzen« sei mal dahingestellt. Erst 2008 raffte sich die Truppe wieder zusammen und konnte mit Redemption (Recital Records) wieder einen Achtungserfolg feiern – logisch, dass man mit »Abyss Masterpiece« nun nicht nur an den Vorgänger anknüpfen, sondern zudem noch ein paar Kohlen mehr ins Feuer schippen möchte.

 

Bereits der Opener, The Arcadia Order lässt aufhorchen, klingt doch der tolle und spannende orchestrale Eröffnungspart nach großem Kino – und ein wenig an die Krefelder Fantasy-Metaller Blind Guardian. Aber die Schwermut macht kurz darauf richtig gut bratenden Gitarren und einem Frontmann Platz, der weniger an etwa Pete Steel (Type O Negative) und Konsorten erinnert, denn an einen basslastigeren Bruder von Dani Filth (Cradle of Filth). Wären die nicht weiterhin dominanten und sich brillant mit den Gitarren- und Basswänden ergänzenden Streicher- beziehungsweise Orchesterparts, man könnte durchaus von Black- oder Death Metal-Gefilden sprechen. Allerdings haben sich Heavenwood mit dieser gänzlich eigenen Mischung aus brachialer, gut produzierter Härte und Klassik genau zwischen die Stühle gesetzt – und ebendies lässt die Sache interessant werden.

 

Morning Glory Clouds (In Manus Tuas Domine) setzt den überzeugenden Einstieg fort, allerdings gibt es diesmal zu Beginn einen Kirchenchor, gefolgt von eher sparsam eingesetzter Streicheruntermalung und Synthieeinsätzen. Das Fundament des Songs ist allerdings eine angenehme und überraschende Melodieführung, die sich langsam aber sicher zu einem Ohrwurm entwickelt und ein klein wenig an die frühen Paradise Lost zu Icon-Zeiten anmutet.

 

Danach wird wieder einen Gang höher geschaltet: Goddess Presiding over Soltitude ist gewissermaßen eine Zusammenführung der beiden vorangegangenen Songs und überzeugt dank starker Breaks und einem spannenden Aufbau.

 

Bei <b<Once A Burden</b> werden Streicher und Bläser erst einmal auf Sparflamme gehalten. Stattdessen gibt es ein vokales Duell der Marke »Hart und Zart«, genauer gesagt zwischen Frontmann Ernesto Guerra und Gitarrist Ricardo Dias und bereichert den musikalischen Mikrokosmos Marke Heavenwood um eine weitere, toll mundende Nuance.

 

Winter Slave dagegen beginnt sehr klassisch, vielleicht auch einen Tick zu vorhersehbar. Doch wieder werden abwechselnd hartes Midtempo samt treibender Riffs und tollen Doublebass-Passagen und langsamere Parts mit cleanen Vocals auf die Waagschale geworfen. Auch wenn das Resultat zwei, drei Anläufe braucht, um sich im Ohr festzusetzen – die Qualität ist durchaus auch schon beim ersten Mal nicht zu überhören.

 

Leonor startet ebenfalls altbewährt: Streicher und Operngesang. Allerdings ohne die Vorgänger zu zitieren. In dieser Hinsicht muss ein großes Lob an den russischen Komponisten Dominic G. Joutsen ausgesprochen werden, der mit seinen einfalls- und abwechslungsreichen Arrangements dafür Sorge trägt, dass Langeweile erst gar nicht aufkommen kann. Die tolle Stimme von Gastsängerin Miriam Renvag fügt sich wunderbar in das Gesamtkonzept ein.

 

Bei Poem For Mathilde kehrt das Midtempo zurück. Sicher, spätestens jetzt, nach der Hälfte der angehörten Songs dürfte die Vorgehensweise des Trios (die überzeugende Schlagzeugarbeit wurde von einem Sessionmusiker eingetrommelt) zwar bekannt sein, ist aber dank souveräner Melodien und cleveren Breaks weiterhin äußerst schmackhaft.

 

In Fading Sun mag zwar die Sonne untergehen, doch erstrahlen Heavenwood in neuem Glanz; kommen kraftvoll und trotz anfänglicher Brachialität melodisch daher.

 

September Blood dagegen orientiert sich ein klein wenig an neueren Einflüssen, besonders in Sachen Gitarrenarbeit. Doch bevor es zu eintönig und/oder vorhersehbar wird, sorgen wohltuende Tempiwechsel für eine Erweiterung des Spektrums – eine Marschrichtung, die in Sudden Scars gleichermaßen überzeugend fortgeführt wird.

 

Mit Like Yesterday kehrt die Schwermütigkeit zurück. Und bleibt auch dort. Ein bittersüßer Song, der dank präziser Pianopassagen unter die Haut geht, jedoch noch immer weit entfernt ist, als schwülstige Ballade durchzugehen.

 

Den Abschluss bildet Her Lament mit neuerlichen choralen Gesängen durchzogen, die sich, zusammen mit der zunächst eher spärlich anmutenden Orchestrierung zu einem epischen Ganzen zusammenfügen, welches fast schon Soundtrack-Qualitäten besitzt. Ein reines Instrumental-Werk, das auf verzerrte Gitarren und harte Vocals gänzlich verzichtet, aber gerade deswegen den tollen Abschluss eines rundum gelungenen Albums bildet.

 

Fazit:

»Abyss Masterpiece« dürfte gleich mehrere Fraktionen ansprechen – insbesondere jene, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen. Ganz gleich ob man es nun Gothic-, Dark- oder Epic-Metal nennen will: Heavenwood überzeugen in allen Disziplinen, wenngleich das Album durchaus mehrere Anläufe benötigt, um zu zünden. Absolut lohnenswert.

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CD:

Abyss Masterpiece

Künstler: Heavenwood

Listenable Records (Soulfood), 18. März 2011

Musikrichtung: Gothic-Metal, Epic Metal, Dark Metal

Spielzeit: 00:59:56

 

ASIN: B004IKM2YA

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Playlist

 

  • 01.The Arcadia Order
  • 02. Morning Glory Clouds [In Manus Tuas Domine]
  • 03. Goddess Presiding Over Solitude
  • 04. Once A Burden
  • 05. Winter Slave
  • 06. Leonor
  • 07. Poem For Matilde
  • 08. Fading Sun
  • 09. September Blood
  • 10. Sudden Scars
  • 11. Like Yesterday
  • 12. Her Lament

 


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Erstellt: 10.04.2011, zuletzt aktualisiert: 29.03.2017 21:04