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Adrian Mayfield - Auf Leben und Tod von Floortje Zwigtman

Rezension von Christel Scheja

 

Ehe sie sich als Schriftstellerin und Lektorin selbstständig machte, arbeitete die 1974 geborene Floortje Zwingtman viele Jahre als Lehrerin. Sie zählt seither zu den eigenwilligeren niederländischen Autoren, die auch Tabuthemen aufgreifen. Das merkt man auch an der „Adrian Mayfield“-Trilogie, deren abschließender Band „Auf Leben und Tod“ nun vorliegt.

 

Ende des 19. Jahrhunderts steht Homosexualität noch unter schweren Strafen, wie diejenigen zu spüren bekommen, die sie wie Oscar Wilde offen ausleben und sich so ihren Anklägern ausliefern. So bleiben viele junge Männer, die ähnlich empfinden lieber im Schatten und führen ein Doppelleben.

Auch der junge Adrian Mayfield hat schon so einiges durchgemacht und erkannt, dass er Männer den Frauen vorzieht, nachdem er durch den Verlust seiner Lehrstelle einen Job angenommen hat, der ihn in ganz andere Kreise führt – nämlich zu dem „purpurnen Hofstaat“ von Oscar Wilde.

Durch den Maler Augustus Trops lernt er irgendwann auch den eher schüchternen Vincent Farley kennen. Es kommt wie es kommen muss – die beiden verlieren sich ineinander und führen eine ebenso innige wie leidenschaftliche Beziehung. Allerdings kann der junge Maler dann doch nicht aus seiner Haut und weist Adrian zurück, als er auf Wunsch seiner Familie heiraten und eine Familie gründen soll und zudem auch noch von der Vergangenheit seines Geliebten erfährt.

Adrian fällt in ein tiefes Loch, er lässt sich erst einmal ziellos treiben und überlegt, wie er Vincent dann doch wieder für sich zurückgewinnen kann. Durch einen Freund unter den Strichjungen kommt er in Kontakt mit Lady Kinderley, die in Wirklichkeit ein Mann ist und selbst in zwielichtige Geschäfte verstrickt. Sie und ihre Begleiter scheinen die richtigen Verbündeten zu sein, um Rache zu nehmen – beginnend mit dem Diebstahl kompromittierender Skizzen und Briefe aus den Händen Vincent Farleys.

Auch wenn Adrian entsetzt über das Hauptgeschäft Lady Kinderleys ist – hübsche Knaben an spezielle Bordelle zu verkaufen, kommt er doch mit nach Paris, weil sich dort auch sein ehemaliger Geliebter mitsamt Verlobter aufhält.

Doch ist die Stadt der Verliebten wirklich dazu geeignet Vincent wieder für sich zu gewinnen und sein Glück fortzusetzen?

 

Doppelmoral und Zügellosigkeit in den Kreisen, die es sich leisten können – das ist die dunkle Seite des spießigen und moralisch einwandfrei wirken wollenden viktorianischen Zeitalters. Das setzt sich auch im abschließenden Band der Trilogie fort, in der Adrian nicht nur wieder in die Kreise zurückkehrt, in denen er begonnen hat, sondern auch diejenigen kennen lernt, die durchaus eigensüchtig mit dem Glück und den Seelenheil unschuldiger Kinder spielen.

Vor der historischen Kulisse des Schauprozesses gegen Oscar Wilde geht die Reise Adrians weiter und führt ihn in Auswüchse der feinen Gesellschaft, die man so gar nicht kennt. Floortje Zwigtman lässt es sich wieder nicht nehmen, Tabuthemen anzusprechen und auszuarbeiten. Durch die ausgefeilten Figuren und intensiven Beschreibungen gerät man schnell mitten hinein in das Geschehen und fühlt mit Adrian und den anderen. Sie verzichtet darauf, all zu klischeehaft oder dramatisch zu werden, sondern bleibt sehr nüchtern und realistisch – so dass man ihr die Entwicklungen durchaus abnimmt.

Gegenüber dem ersten Band hat sich Adrian auch deutlich weiterentwickelt. Er ist nicht länger der naive Junge, sondern wurde durch seine Erfahrungen beprägt und hat mittlerweile eine sehr zynische Weltsicht, wenn er nicht gerade besonders wütend ist. Hass und Leidenschaft wüten nachvollziehbar in ihm – aber auch die Konsequenzen, die er am Ende daraus zieht.

Damit ist „Auf Leben und Tod“ mehr als ein Jugendbuch – das Sittengemälde der spätviktorianischen Zeit ist auch für erwachsene Leser interessant und spannend, die nichts gegen Helden einzuwenden haben, die eher Männer als Frauen vorziehen. Denn der Umgang der Autorin mit den Thema ist viel erwachsener als das, was man in den „Boys Love“-Mangas oder bei „Slash“-Geschichten sonst findet.

 

Wer nach einem guten und außergewöhnlichen Buch sucht, das sich mit homoerotischen Beziehungen beschäftigt und dabei ein facettenreiches und spannendes Bild zeichnet ist mit der „Adrian Mayfield“-Trilogie bestens bedient, die ebenso interessant endet, wie sie angefangen hat.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Adrian Mayfield - Auf Leben und Tod

Autor: Floortje Zwigtman

gebunden, 634 Seiten

Gerstenberg, Juni 2011

Übersetzer: Rolf Erdorf

Titelbild: Anne Baier

 

ISBN-10: 3836953676

ISBN-13: 978-3836953672

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.04.2012, zuletzt aktualisiert: 10.08.2018 17:05