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Alice im Wunderland von Lewis Carroll

Rezension von Stefanie Borgmann

 

Das Gras raschelt im Wind, das Wasser planscht leise gegen das Schilf, Schafsglocken bimmeln in der Ferne und der Schafhirte treibt lautstark seine Herde voran. Doch was nach den Weiten irischer Felder klingt, ist für die kleine Alice ein Grund zu furchtbarer Langeweile. Denn nach gewisser Zeit verliert selbst das Zählen der Grashalme seinen Reiz. Und so entschlummert das sonst so quirlige Mädchen allmählich der Wirklichkeit ihrer Heimat und beginnt eine unglaubliche Reise in ein Wunderland – Alices Wunderland.

 

Doch auch in ihrem Traum ist das forsche Mädchen zunächst in heimatlicher Langeweile gefangen. Wenn nicht plötzlich ein weißes Kaninchen ihren Weg gekreuzt hätte. In feinsten Zwirn gekleidet und mit einer silbernen Taschenuhr eilig durch die Wiesen hoppelnd, macht sich Alice auf die Spuren des äußerst wunderlichen Tieres. Als sie dem weißen Hoppler sogar bis in einen Kaninchenbau folgt, begibt sie sich auf eine Reise, deren Wege sie das Staunen lehren. Auf ihren Abenteuern ist nichts wie es scheint und alles hält für das Mädchen eine Überraschung bereit.

 

Die Tatsache, dass jedes Tier, ob in der Luft, an Land oder zu Wasser, der Sprache mächtig ist, wird für Alice allzu schnell zum Alltag. Woran sie sich hingegen nur widerwillig gewöhnt, ist die Willkür ihres Wachstums. Mal verspeist sie genüsslich einen Pilz und –schwups- schießt in den Himmel. Im nächsten Moment erscheint ihr selbst ein Hund als tollwütige Bestie, die seinen Schatten bedrohlich auf sie wirft.

 

Ihren Mut, ihren Wissensdrang und ihre unbeirrbaren Ehrlichkeit kann ihr dennoch niemand nehmen. Weder ein verrückter Hutmacher, der verflucht ist, fortlaufend Tee zu trinken, Raupen, die in Rätseln sprechen, und Herzoginnen, die in allem eine Moral sehen, bringen Alice von ihrem Plan ab, das Land z erkunden und schließlich zurückzukehren in ihre Heimat.

 

Dieses Vorhaben ist im Begriff zu scheitern, als das forsche Kind auf die Herzkönigin trifft, deren Willkür das Land bestimmt. Ihr Zorn ist weitläufig gefürchtet und ihre Strafen bekannt: Bei den kleinsten Vergehen befiehlt die königliche Furie, das Todesurteil zu vollstrecken.

Dieses Damokles Schwert hängt insbesondere über Alices Kopf an einem überaus dünnen Faden, denn wenn das junge Gör eines nicht kann, dann ist es, ihre Meinung zu verbergen.

Und trotzdem schafft sie es, nicht unter dem Henkersbeil zu enden und selbst bei einem prekären Krocketspiel ohne ersichtliche Regeln, einem Wutausbruch der Hoheit zu entgehen.

 

Und schließlich ist es ihr starker Charakter, der sie den Trug und Lug erkennen lässt. Diese Erkenntnis reißt Alice auch aus ihrer traumhaften Reise durch das Land der Spielkarten, Grinsekatzen und Suppenschildröten.

 

„Alice im Wunderland“ ist gewiss ein Klassiker und den meisten aus ihrer Jugend bekannt und einzelne Fetzen der Geschichte sind bestimmt im Gedächtnis geblieben. Und sicher, diese „fabelhafte“ Erzählung sollte kein Kind missen müssen, darüber herrscht ein allgemeiner Konsens. Doch es liegt mir sehr am Herzen, dieses wunderschön erzählte und illustrierte Buch insbesondere auch Erwachsenen zu empfehlen. Denn die Abenteuer von Alice, die wahnwitzigen Ausflügen ihrer Phantasie, beschwören die Zeiten herauf als wir mit dem Herzen eines Kindes gelacht und geweint haben. Und so wie Alice auch als Erwachsene noch das Kind in ihrem Inneren bewahren und schützen wird, sollten auch wir von Zeit zu Zeit den schweren Mantel des „Erwachsenseins“ ablegen. Also sollten Sie demnächst ein weißes Kaninchen sehen…. zögern Sie nicht.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Alice im Wunderland

Autor: Lewis Carroll

Gebundene Ausgabe - 175 Seiten - Arena

Erscheinungsdatum: August 1995

ISBN: 340104575X

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.10.2005, zuletzt aktualisiert: 13.08.2019 20:21