Allein in der Fremde
 
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Allein in der Fremde

Rezension von Christel Scheja

 

Auslöser für die Comicanthologie Allein in der Fremde war der Selbstmord eines jungen Flüchtlings vor einer der Flüchtlingsunterkünfte in der Schweiz, in Genf. Das löste nicht nur heftige Debatten in der Öffentlichkeit aus, sondern inspirierte auch junge Künstler zu den Geschichten, die sie nach den wahren Erlebnissen anderer junger Migranten gestalteten.

 

Kocholo ist ein junger Afghane, der eine Weile bei seiner Tante im Iran leben konnte, als diese aber starb, das Land verlassen musste. Nach einer gefahrvollen Reise strandet er in einem für ihn fremden Land und erlebt dort Himmel und Hölle. Denn auch wenn es Menschen gibt, die ihm helfen, so gibt es doch auch üble Rückschläge.

Ähnliche Erfahrungen mache auch der aus Zentralafrika stammende Sebemalet, der sich auf eine Reise durch die Wüste einlässt und mehrfach alles verliert, bis auch er in der Schweiz ankommt und dort erkennen muss, dass er hier genau so weiter kämpfen muss Und nicht anders ergeht es auch Ehsan, der ebenfalls aus Afghanistan stammt.

 

Alle drei Schicksale sind mit dem Selbstmord des jungen Ali verbunden, den die drei jungen Männer kennen. Die Geschichten werden nüchtern, aber in farblich und künstlerisch eindringlichen Bildern erzählt. Sie heben hervor, wie unterschiedliche die Gründe sind, warum die Jungen, die alle bei ihrer Flucht noch nicht volljährig sind, überhaupt in die Schweiz kommen.

Sie sind die Hoffnung für ihre Familien, die zurückbleiben, auch wenn sie zu einer verfolgten Volksgruppe in ihrem Land gehören, haben aber wie Ehsan auch mit ihnen gebrochen. Alle sind getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde, deshalb nehmen sie den entbehrungsreichen und auch gefährlichen Weg auf sich, der nicht selten von Traumata begleitet wird.

Allerdings macht man es ihnen leider auch an ihrem Ziel nicht gerade leicht, und das liegt nicht nur an der Bürokratie – vor allem in den Flüchtlingsunterkünften regiert nicht nur die Gewalt, die Traumata werden immer wieder neu getriggert. Und nicht allen gelingt es Fuß zu fassen, auch wenn man ihnen hilft – was aber teilweise nicht einmal an ihnen selbst liegt.

Vielleicht hilft der Band dabei, die jungen Männer, die teilweise noch halbe Kinder sind, besser zu verstehen oder zumindest mit anderen Augen zu sehen. Sicher lassen sich die Aussage nicht verallgemeinern, aber sie treffen vermutlich auf den Großteil der Fremden zu, die teilweise über Jahre einfach nur festhängen und gar kein neues Leben beginnen können, weil man sie nicht lässt.

Das alles ist jedenfalls eindringlich und gefühlvoll geschildert und wirkt noch eine ganze Weile intensiv nach. Interessant ist der Band nicht nur für Jugendliche, auch Erwachsene werden sich davon angesprochen fühlen, wenn sie bereit sind, sich auf das Thema einzulassen.

 

Fazit:

»Allein in der Fremde« erzählt die wahren Geschichten dreier junger Migranten und versucht mehr so Verständnis für die jungen Menschen zu wecken, die mit ernsten Gründen nach Europa flohen und nach all dem, was sie erlebt haben, wirklich eine Chance verdienen. Und die nicht nur mit denen über einen Kamm geschoren werden dürfen, die unangenehm auffallen, da auch sie unter deren Gewalt und durch diese geschürten Vorurteile leiden.

 

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Comic:

Allein in der Fremde

Autor·innen und Zeichner·innen: Yrgane Ramon. JP Kalonji und Fabian Menor

Helvetiq, 3. Februar 2023

Gebundene Ausgabe, 88 Seiten

 

ISBN-10: 3039640054

ISBN-13: 978-3039640058

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 13.02.2023, zuletzt aktualisiert: 25.12.2023 15:17, 21555