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Als Dämon brauchst Du nie Kredit von Robert Asprin & Jody Lynn Nye

Reihe: Dämonen Band 15

Rezension von Oliver Kotowski

 

Ka-Wumms! Ein Blitzstrahl ruiniert Aahz' Lieblingssessel – beinahe hätte er Aahz selbst erwischt. Ursache sind die Schuldeneintreiber vom Mall: ein Magiker und zwei Schläger. Sie suchen nach Skeeve, Aahz' ehemaligen Partner, denn er hat einen Riesenberg Schulden beim Mall. Heißt es. Für Aahz steht fest, dass die Rechnungen gefälscht sind und ohne weiteres Skeeves Ruf ruinieren könnten – was tödlich für die Karriere eines Magikers ist. Kurzerhand entscheidet er gemeinsam mit den beiden Exmitgliedern der Chaos GmbH Chumley und Massha der Sache auf den Grund zu gehen. Das Mall begutachtend kommt schnell man dahinter, dass ein Doppelgänger von Skeeve für die Rechnungen verantwortlich ist. Nach einem gescheiterten Versuch den Gauner dingfest zu machen – und einiger Unruhe – beschließt man sich mit der Verwaltung des Malls zusammenzutun. Die geht indes von einem Ring von Trickdieben aus – den Kopf der Bande sollte man allerdings nicht unterschätzen…

 

Als Dämon brauchst du nie Kredit ist der fünfzehnte Teil der Dämonen-Reihe von Robert Asprin und mittlerweile der dritte ins Deutsche übersetzte, den er zusammen mit Jody Lynn Nye verfasst hat. Wer die Reihe kennt, wird vieles wieder erkennen: Da ist der habgierige und raubeinige Aahz, ein Perverser – äh, das heißt natürlich: Perfekter – Dämon (eine Verballhorung von "Dimensionsreisender") aus der Dimension Perv, der in Wirklichkeit einen recht weichen Kern hat, der kluge Troll Chumley, der den blöden Schlagtod nur für die Klienten mimt, und die vollschlanke Magikerin Massha, die ehemalige Schülerin von Skeeve, die sich gerne in grell-bunte Haremskleidern hüllt. Skeeve tritt übrigens nicht persönlich in Erscheinung. Khlad und der Basar von Tauf werden zwar nur kurz besucht, aber die gehörnten und gerissenen Täufler (gerne zu "Teufel" verballhornt) und die Khladen (sprich: normalen Menschen) treten neben anderen bekannten Völkern massiv auf. Die bekannten Elemente – aber auch viele neue – werden nur sehr skizzenhaft beschrieben; häufig muss die bloße Namensnennung und damit verbundene Assoziation reichen – der Stil der humorigen Anspielung/Verballhornung bei der Namensvergabe bleibt, ja wird vielleicht sogar noch verstärkt.

Aber es gibt auch einiges Neues. Da ist zunächst das Mall, in dem die Geschichte zum größten Teil stattfindet. Das Mall ist ein gewaltiges Einkaufszentrum; es ist eine Anspielung vor allem an die Mall of America – so heißt der Geschäftsführer Mr. Moa. Dort gibt es die unterschiedlichsten Geschäfte auf einer Vielzahl von Etagen. Man kann armbrustschießende Khladen vor dem Waffenhändler treffen (oder umgekehrt). Kreischende Frauen, die gleichzeitig ein tot-schickes Accessoire entdecken, übertönen die miesen Musiker, die alle paar Meter 'berieselnde Musik' machen. Im heißesten Modegeschäft, dem "Vulkan", eine coole Dschiens erstehen, während man die Lavaströme unter dem gläsernen, magisch verstärkten Boden beobachtet – denn die Mall wurde auf einem aktiven Vulkan errichtet. Es ist irgendwo immer ein Aus- Sonder- oder Schlussverkauf und man bekommt fast alles – sogar einen heißen Kaffee. So wird ein Einkaufsbummel zu mehr als dem sprichwörtlichen "Tanz auf dem Vulkan"; nur am Abend, wenn die Tore sich schließen, lässt der Trubel nach.

Die Fäden im Mall halten die zentrale Händlerfamilie, die Dschinn-Familie Djinnelli und die Verwaltung, repräsentiert durch den Flibbrigen Mr. Moa, in den Händen. Er stellt Aahz & Co. seinen fähigsten Hauptmann, den Flibbrigen Parvattani, als Ortskundigen zur Seite – dazu muss er freilich seine operettenhafte Uniform ausziehen. Er stellt sich zunächst etwas stur an, kann aber schließlich über sich selbst hinauswachsen. Doch vorher muss er die dämonische Ermittlerin Eskina akzeptieren. Die hartnäckige Eskina ist schon seit geraumer Zeit hinter Rattila, dem Kopf der Bande, her. Dieser hatte in ihrer Heimatdimension Ratislava eine goldene Mastercard gestohlen. Mit der kann er die Identitäten anderer rauben und eine Kreditkarte anlegen, mit der seine Gefolgsleute, die Bummelantenratten, dann wiederum die Identität seiner Opfer annehmen können. Die goldene Mastercard ist eine offensichtliche Anspielung auf den Einen Ring aus J. R. R. Tolkiens Herren der Ringe und die Bummelantenratten sind eine auf "Mallrats", also Jugendlich, die in Einkaufszentren ihre Zeit verbringen ohne etwas zu kaufen.

Setting und Figuren kratzen nur an der Oberfläche: Die Mall ist ein farbenfrohes Ambiente, welches viel Raum für platte Scherze bietet, die sich an dem schrägen Verhalten einiger Konsumenten oder billiger Musik, bzw. absurden Uniformen in Geschäften aufhängen. Die Figuren sind knapp skizzierte exzentrische Typen, die bestenfalls einen Dreh in die entgegen gesetzte Richtung erhalten; ein wenig mehr Tiefe erhalten sie jedoch, wenn man die Vorgängerbände kennt.

 

Der Plot ist im Kern ein recht origineller Krimi: Aahz & Ex-Chaos GmbH lassen sich als Ladendetektive einspannen um ihren Freund vor schlimmer Rufschädigung zu schützen. Die Gegenspieler sind Mallrats, die von einem Hintermann mit finsteren Plänen eingespannt werden. Hervorzuheben ist die gelungene Spannungskurve: Erfolg und Misserfolg wechseln sich unregelmäßig und überraschend ab – der Leser hat den Eindruck, einem ausgeglichenen Boxkampf zuzuschauen. Leider gelingt es dem Autorengespann nicht so recht, Spannung aus den einzelnen Szenen zu schöpfen: Die Figuren sind zu typenhaft um mitnehmen zu können, die Bedrohungen wirken nie bedrohlich und die Witze sind (mir) zu flach; sie beruhen auf Klischees, Slapstick und offensichtlichen Anspielungen. Hier vergeben die Autoren sehr viel Potential: Aus der Geschichte hätte eine verbrämte Milieustudie werden können, die als Groteske einzelne Auswüchse des Konsumwahns, die armseligen Ladendetektive, die gegenüber den ziellosen Mallrats sich autoritär gebärden dürfen, auf's Korn nimmt. Vorbilder hätten Fritz Leibers Kurzgeschichte um Fafhrd und den Grauen Mausling, Basar des Bizarren, und Terry Pratchetts Roman um Unsichtbare Universität und TOD, Alles Sense, sein können. Oder man hätte den Figuren echte Motivationen und Tiefe geben und einen spannenden Krimi machen können. Leider wurde nur eine harmlose Actionkomödie daraus.

 

Erzähltechnisch wird nichts Neues geboten. Im Haupterzählstrang berichtet Ich-Erzähler Aahz dramatisch und progressiv von seiner kleinen Hatz; der Stil ist – wie passend – pathetisch. Im Nebenstrang werden aus auktorialer Perspektive episodisch die Unternehmungen der Mallrats kundgetan werden; der Stil ist leicht ironisch.

Zwar sind die Sätze lang und auch Schachtelsätze (zum Teil sogar in Parenthese) werden nicht gemieden, doch kompliziert oder kunstvoll wirken sie nie. Die Wortwahl entspricht häufig der modernen Alltagssprache und Einsprengseln aus der Welt des Kommerz'; sie ist insofern also angemessen. Die Dialoge wirken zum Teil allerdings arg gekünstelt.

 

Fazit:

Aahz und Ex-Chaos GmbH werden Ladenhüter: Um Skeeves Identität zurückzuholen müssen sie den megalomanischen Rattila und seine Mallrats fassen. Thematisch sehr geeignet für eine prima Groteske und die Idee um den Identitätsklau und der sehr schöne Spannungsbogen haben auch viel Potential; genutzt wird der Stoff nur für eine Actionkomödie mit flachen Figuren und platten Witzen. Die eigenwillige Besitzstandwahrerhaltung des Romans macht sie zur perfekten Wishfullfillment-Fantasy für Ladendetektive. Sonst ist es ein harmloser kleiner Spaß für die Bahnfahrt.

 

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Kommentare:

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Buch:

Als Dämon brauchst Du nie Kredit

AutorInnen: Robert Asprin und Jody Lynn Nye

Reihe: Die Dämonen Band 15

Original: Myth-taken Identity, 2004

Übersetzerin: Frauke Meier

Lübbe , März 2007

Taschenbuch, 380 Seiten

 

ISBN-10: 3404205596

ISBN-13: 978-3404205592

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.03.2007, zuletzt aktualisiert: 08.11.2019 08:38