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Amerika-Plakate von Richard Lorenz

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Im Schrank findet der junge Leibrand einen Rückzugsort – vor seinen Mitschülern, vor seinem zerrütteten Elternhaus. Er driftet ab in seine eigene kleine Welt, in die Welt der Schrankgeschichten und Amerika-Plakate, die er nach und nach auf seiner Schrankwand und später auch auf Papier verewigt. Der Kuss Suzannes, den sie ihm während eines Jahrmarkts gibt, lässt ihn aus der Welt fallen, doch sie verlieren sich aus den Augen. Jahre später findet er im Fall aus der Welt Suzanne wieder …

 

Rezension:

Es gibt Romane, deren Lektüre glücklich macht. Nicht unbedingt, weil den Figuren Glück widerfährt, sondern einfach, wie sie so großartig geschrieben sind, dass man sich in sie einwickeln möchte und nie wieder aus den knisternden Seiten auftauchen möchte.

Solche Bücher sind selten und man findet sie an den seltsamsten Orten und meistens erzählten sie auch ganz erstaunliche Geschichten.

Wie die Geschichte von Leibrand, der Amerika-Plakate malt und mit ihrem blauen Leuchten Spuren hinterlässt, der immer wieder aus seinem Leben fällt und damit andere Leben auffängt. Leibrand, der Suzanne küsst und Leonard Cohen bittet, von ihr zu erzählen …

 

Richard Lorenz verwendet einen großen Chor an musikalischen und literarischen Stimmen, die seiner Geschichte von Leibrand einen elegischen Background geben.

Neben Suzanne sind das vor allem Ray Bradburys Das Böse kommt auf leisen Sohlen und Paul Austers Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte, deren Verfilmung Smoke sich als eine mentale Bebilderung des Brooklyns anbietet, das für die Figuren der Amerika-Plakate so wichtig ist.

Daneben laufen Songs von Bob Dylan, Tom Waitts und Bette Middler, abgespielt auf einem alten Plattenspieler.

 

Atmosphäre. Der Roman ist geflutet mit magischen Stimmungen. Es beginnt bereits mit den Erzähler. Der Jugendfreund Leibrands erhält nach dessen Tod Pakete mit den Geschichten und Amerika-Plakaten Leibrands, von wem und wo genau bleibt ungeklärt, es ist auch gar nicht wichtig. Mit jeder Erinnerung steigen wir weiter hinab in die Welt Leibrands, in sein Brooklyn und in die Leben all jener, die er berührte oder vielleicht sogar erschuf.

Als Kind versteckte sich Leibrand in seinem Kleiderschrank vor dem prügelnden Vater und schrieb dort seine Schrankgeschichten.

Sie erzählen von Menschen, denen Wunder geschehen. Und die später tatsächlich auf Leibrand stoßen.

Da ist Brenner, der alte Penner, der Engel sieht und sich verkleidet, um in Bibliotheken Kinderbuchbilder zu malen für seine Tochter, die ungeboren starb.

Da sind die Flaschen von Albert Sterner, der mit dem Teufel im die Wette rann und gewann. Er spricht Geschichten in Flaschen. Du findest sie in der Stadt, wenn du suchst.

Robert Fels sammelt Schnee, der nicht schmilzt, in kleinen Kästchen.

Mathildas Leben brennt in einer Glühbirne und irgendwo in Leibrands Brooklyn steht die Lampe, die es wieder zum leuchten bringt.

In einer Buchhandlung treffen sich die Leute des bayrischen Stadtviertels um über Leibrand zu sprechen, der umfiel und damit ihr Leben auffing, ohne dass sie es selbst fallen spürten.

Da gibt es die Truppe Geisteskranker (und ein Erinnern an Ken Kesey), die Leibrand rettet und er sie; darunter Harvey, der Postbote, der aus Liebe Briefe schreibt und andere vergisst.

Sie alle sind auch in Brooklyn, in Leibrand und Suzannes Brooklyn. Begleitet von den blauen Tupfen seiner Amerika-Plakate.

 

Fazit:

»Amerika-Plakate« ist kein Buch der einfachen Handlung, obwohl sie sich nie verirrt oder zu langweilen beginnt. Es gibt nur eine Schweben zwischen den Seiten, ein Treiben mit Leibrand, seiner Suche nach Suzanne. Ein Begleiten der Figuren auf ihrem Lebensweg. Besuche in der Küche von Freunden.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Amerika-Plakate

Autor: Richard Lorenz

Gebundene Ausgabe, 277 Seiten

Edition Phantasia/KuK, April 2014

 

ISBN-10: 3937897542

ISBN-13: 978-3937897547

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

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Erstellt: 21.08.2014, zuletzt aktualisiert: 22.07.2018 21:26