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Anna Göldin – Letzte Hexe von Eveline Hasler

Rezension von Christel Scheja

 

„Anna Göldin – Letzte Hexe“ ist bereits ein Klassiker der deutschen Literatur. Bereits 1985 erschien der Roman erstmals bei dtv und erlebte inzwischen dreiundzwanzig Auflagen. Die Autorin Eveline Hasler stammt aus dem Kanton, in dem Anna Göldin hingerichtet wurde – aus Glarus, so war es für sie ein leichtes, vor Ort zu recherchieren.

 

Anna Göldin ist die Tochter eines armen Bauern. Obwohl sie schön und klug ist, bleibt ihr doch nichts anderes übrig, als sich als Magd zu verdingen, weil die Abgabenlast nach mehreren Missernten so hoch ist, dass die Familie fast all ihr Hab und Gut, aber auch den Vater verliert. Für sie ist es nicht einfach zu dienen, da sie hin und wieder Entscheidungen hinterfragt, sich aber auch nicht alles gefallen lässt. Schließlich kommt sie in das Haus des Arztes und Richters Tschudi in Glarus.

Dort scheint zunächst alles gut zu gehen – zum einen leitet Anna gute Arbeit, zum anderen mögen sie die Kinder, vor allem die zweitälteste Tochter Anna-Maria.

Nach und nach schleichen sich aber auch Misstöne ein. Anna Göldin hat es immer schwerer, sich im Haushalt zu behaupten, denn ihr werden Steine in den Weg gelegt. Plötzlich finden die Kinder auch immer wieder Stecknadeln in ihrem Morgenkaffee, den Anna für sie bereitet hat.

Und dann kommt des Nachts auch noch Richter Schudi in Annas Kammer und schläft mit ihr. So ist die Magd schließlich sogar erleichtert, als sie die Stelle verliert und versucht an anderer Stelle unterzukommen.

Doch nun beginnt der Albtraum erst wirklich, denn einige Tage nach ihrem Weggang spuckt wird die kleine Anna Maria krank und spuckt immer wieder Nadeln und andere Dinge aus, so dass sich die Leute zu fragen beginnen, ob Anna Göldin nicht vielleicht eine Hexe ist.

 

Eveline Hasler gibt den nüchternen Gerichtsakten ein wenig Fleisch und versucht zu ergründen, wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass eine eigentlich gute Magd noch in der Zeit der Aufklärung als Hexe verdächtigt werden konnte.

Die Mechanismen, die zu ihrem Prozess und der Verurteilung führen, werden sehr feinfühlig und intelligent dargestellt. Die Autorin verzichtet dabei bewusst darauf, Dinge offen auszusprechen, der Leser ergründet die Geheimnisse schon selbst. Das macht den Roman spannend, auch wenn er in einer sehr altertümlich wirkenden Sprache geschrieben ist.

Aber gerade der gestelzte Stil, der ein wenig an den des 19. Jahrhunderts erinnert macht das Buch authentischer und auch atmosphärischer, als wenn es gefällig und modern verfasst worden wäre.

Naturgemäß bleiben die Figuren selbst ein wenig blass. Man taucht nicht wirklich in ihre Gedankenwelt ein, sondern kann nur an ihrem Verhalten und gelegentlichen Andeutungen nachvollziehen, was sie gerade bewegt.

 

Alles in allem ist „Anna Göldin – Letzte Hexe“ ein vielleicht nicht gerade einfach zu lesender aber doch sehr intensiver Blick in die Vergangenheit, der den letzten Hexenprozess Europas genauer unter die Lupe nimmt und deutlich macht, was wirklich dahinter gesteckt haben könnte.

 

Eure Meinung:

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Buch:

Anna Göldin – Letzte Hexe

Autorin: Eveline Hasler

Taschenbuch, 224 Seiten

dtv, November 2009

Titelbild: Henri Toulouse-Latrec

 

ISBN-10: 3423104570

ISBN-13: 978-3423104579

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 26.08.2010, zuletzt aktualisiert: 10.08.2018 17:15