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Die Hörspiel 2008

Kassettenkinder aller Länder vereinigt euch!

Ein Bericht von Oliver Kotowski

Natürlich war ich zu spät dran – zum einen hatte ich bei dem Postgebäude und nicht in dem Postgebäude in Erinnerung, zum anderen war Die Hörspiel, nun, euphemistisch gesagt, schlecht ausgeschildert: Ich hatte das Schild glatt übersehen. Nach einigem Herumgerenne hatte ich den Hintereingang gefunden und konnte dann (nach ein paar weiteren Schritten) endlich auch offiziell eintreten.

 

Das pralle Leben – dahinter gibt's Aloha.

Wer den Hühnerposten kennt, der weiß, dass er sich eher für kleinere Veranstaltungen eignet. Die Atmosphäre war sehr angenehm: Es gab keine scharfe, vielfach nicht einmal eine klare Trennung zwischen Ausstellern, VIPs und Besuchern, keine Hektik, keine gestressten oder genervten Leute – nicht einmal plärrende Kinder, obwohl durchaus einige Kinder da waren. Es war entspannt, viele freundliche Menschen mit guter Laune, die sich austauschen wollten. Die Altersgruppen waren relativ durchmischt: Es waren einige Kinder da, so gut wie keine Jugendlichen (Es gibt ja das Phänomen der Pubertätspause – meine Theorie: Es sind die Hormone. Oder so.), dann die Masse, die etwa zu gleichen Teilen aus 20 bis 40 Jährigen bestand (also die Kassettenkinder) und wieder deutlich weniger Ältere. Es schienen ein wenig mehr Männer als Frauen da gewesen zu sein.

Zur Verfügung standen drei Räume: Das Foyer (720 m², inklusive Glassraum), die Lounge (245 m²) und der Main Floor (240 m²). Im Foyer befand sich die Kasse, Information, Gratis-Aloha (was ich leider nicht fotografierte) und die Aussteller: Canora Media, Comic-Universum, Dreamlands Produktion, EUROPA, Farelia? Records, Hörfabrik, JUMBO, Juniordetektei Jammerthal, LAUSCH – Phantastische Hörspiele, Lauscherlounge, Maritim, Morgenstern Studio Nocturna, SDK Media, pop.de, R&B Company, soforthoeren und STV Unlimited – es gab also einiges zu schauen. Im Glassraum fanden einige Workshops statt, in der Lounge die Talks und im Main Floor (der Raum mit der Bühne) die Lesungen und Live-Hörspiele.

 

Dieses Bild belegt zweierlei: a) Larry Brent ist in die Jahre gekommen und b) der Fotograf hat seine Kamera noch nicht vollständig im Griff.

Zum Programm: Es gab acht Lesungen bzw. Live-Hörspiele. Gut aufgelegt und mit viel Elan ermittelte Sherlock Holmes in der Bahn die Zeitung lesend im Fall des verschwundenen Siberpfeils, des wertvollsten Rennpferd Britanniens (Maritim), musste Larry Brent ein drastisches PSA-Initiationsritual bewältigen, konnten wir erste Szenen von DODO und dem neuen LAUSCH-Hörspiel Hellboy oder ausgewählte Szenen aus Fear Street, Pater Brown, Jan Tenner, Kommissar Dobranski und B.Ö.S.E. – Alles wird gut hören.

Zu den Talks gehörten auch die von René Wagner & Anne Künstler angebotenen Crash-Kurse. Dort gab es zahlreiche interessante Informationen: So weiß ich jetzt, dass mit "Zauberei auf dem Sender" 1924 das erste Hörspiel in Deutschland ausgestrahlt wurde, "Der Herr der Ringe" zwar die aufwendigste Produktion, Tad Williams "Otherland" aber mit einer Million Euro die teuerste Vertonung ist und "John Sinclair" mit über zwei Millionen Verkäufen nicht nur weltweit zu den erfolgreichsten Grusel-Hörspielreihen gehört, sondern auch eine der wenigen ist, die mit der Folge "Der Anfang" in die Charts gelangte. Außerdem gab es noch viele Web-Tipps, von denen ich einige am Ende wiedergeben will.

Im Talk "Der Fan wie er sein sollte" wurde über das Verhältnis von Hörspiel-Machern zu den Fans nachgedacht – und egal ob "Gabriel Burns" oder "Die drei ???", man wünscht sich dass manche Fans die Sache etwas weniger verbissen, sondern lockerer angehen: Es ist Unterhaltung! Die "Independent-Label im Gespräch", also die R&B Company, Nocturna, Canora Medien, Hörfabrik und Dreamland diskutieren die Situation ihrer – vor allem Horror – Reihen, und gaben einen kleinen Ausblick: Der Horrorhörspielfan kann in Vorfreude schwelgen – z. B. "Professor Zamorra" wird sich auf die Zyklen konzentrieren

 

 

In der Lauschbar konnte man sich einen Moment aus dem Trubel zurückziehen.

Doch nicht alles war Programm: In den Pausen saß man in der Lauschbar oder versorgte sich mit neuen Hörspielen. Man traf viele Mitbegeisterte, konnte Label-Leute ansprechen (einen besonderen Gruß an Canora Media an dieser Stelle) und wenn ich ein besseres Personengedächtnis hätte, könnte ich die eine oder andere Andeutung machen, was auf dem kleinen Dienstweg so in Sachen Hörspiel angedacht wurde – allein ich habe es nicht.

 

Weiter im Programm: Im "Produzententalk" ging es darum, wie die Teilnehmer zum Hörspiel kamen und wie die Aussichten sind. Außerdem erfuhr der Hörer von Oliver Dörings prä-Sinclair-Comedy-Reihe "Die Retter", in der niemals jemand gerettet wurde, und das die Sinclair-Geräusche aus Hollywoods Tonbibliotheken stammen – André Minninger berichtet dagegen, dass bei den "Die drei ???"-Produktionen alles von Hand gemacht wird: Wenn man Schritte braucht, geht man im Studio herum, wenn Bob mit einem Käfer fährt, nimmt man einen Käfer auf; selbst die Tonbänder werden nach dem Schnitt mit Klebeband geklebt – wahrlich Old-School also. Frank Gustavus beschloss aufgrund einiger Flopps (das Hörspiel "Gesucht: Billy the Kid" ging nicht einmal 1500 Mal über die Ladentheke) fremdzuproduzieren. Vielleicht ist es ihm ein Trost, dass ich just eines seiner Hörspiele erstand – vielleicht auch nicht. "Hollywood spricht!" – Es besprach vor allem das Verhältnis von Sprechern zum Hörspiel. Lutz Riedel (z. B. Festsprecher von Timothy Dalton) überzeugte allein mit der Aussprache des Namens "Bond" oder "Kartaan" von seinen sprecherischen Qualitäten und erzählte, wie es dazu kam, dass er ein Bild vom US-Präsidenten Ronald Reagan mit Autogramm bekam und von einigen Kollegen deswegen geschnitten wurde. Franziska Pigulla (verlieh der Akte-X Figur Dana Scully die deutsche Stimme, spricht John Sinclairs Freundin Jane Collins – aber welchem Hörspielfan muss man das sagen?) bekannte, dass sie bei der ersten Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule mit Donner und Doria durchgefallen war. Claudia Urbschat-Mingues (z. B. Festsprecherin von Angelina Jolie) schließlich berichtete, dass sie an komischen Tagen erst ihr Kind zum Kindergarten bringt und dann eine Vergewaltigung macht. Zum Abschluss gab es noch Musik von Cathrina Boutari & Band sowie Party bis zum --- Dunkel werden.

 

Insgesamt hatte ich viel Spaß und habe allerhand interessante Dinge erfahren. Ich hoffe, dass Die Hörspiel ein bleibendes Ereignis wird – dann werde ich nächstes Jahr wieder da sein.

 

 

Wem es nach Hörspielen dürstete, der konnte an der Zapfsäule von Soforthoerspiele seinen Durst befriedigen.

Hier ein paar der versprochenen Web-Tipps aus den Crash-Kursen (ich gehe davon aus, dass alle www.hoerspiele.de kennen, und werde die Site daher nicht nennen):

Die Hörothek ist ein Online-Magazin mit vollem Hörbuchkalender.

Audiobooks berichtet schnell und ausgewogen über Hörbuch-Ereignisse.

Die HörDat bietet eine sehr umfassende Datenbank mit Hörspielen seit 1924.

Bei MDR – Figaro findet sich für den historisch Interessierten ein Zeitstrahl von 1924 bis 2004 mit den wichtigsten Hörbüchern.

Bei Soforthoeren.de gibt es zahllose Hörbücher zum verbilligten mp3-Download sowie witzige Gratisdownloads.

 

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Weitere Infos:

Die Hörspiel

Der Hühnerposten

 


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Erstellt: 25.05.2008, zuletzt aktualisiert: 03.09.2015 19:58