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Die Klassiker der Comicliteratur - ein FAZit

Redakteur: Christian Endres

 

Montag, der 5. September 2005. Herbstlicher Dunst kriecht durch die Gassen und Straßen, während sich eine einsame, in einen grauen Trenchcoat gehüllte Gestalt an einen von wildem Wein überwucherten Kiosk heran schleicht, der dort in der Stille des Morgens auf feucht schimmerndem Kopfsteinpflaster steht und gespannt auf die Dinge wartet, die ihm dieser Tag bringen wird. Nur noch eine Straßenlaterne liegt zwischen der Gestalt, die sich immer wieder nervös in alle Richtungen umblickt, und dem Kiosk, in dem eine schwache Lampe ungefähr so viel Licht spendet wie das lediglich glimmende Leuchtfeuer eines schüchternen Leuchtturms, der auf ein Schmugglerboot wartet. Die Gestalt überwindet die restliche Distanz zwischen der aus dem wabernden Nebel ragenden Straßenlaterne und dem Zeitungshäuschen, nähert sich mit wenigen weitausgreifenden Schritten dem Kiosk und drückt sich wie eine Motte an die Frontseite des kleinen Häuschens.

„Haben Sie es?“, dringt die nervöse Stimme der Gestalt zwischen hochgeschlagenem Mantelkragen und tief ins Gesicht gezogenem Hut hervor.

Ein Nicken. Ein zaghaftes Lächeln.

Ein nervöser Blick über die Schulter. War dort etwas? Im Nebel, zwischen dem noch geschlossenen Stand des Blumenverkäufers und der dunklen Eisdiele? Ein Kopfschütteln.

Schließlich wechselt ein in zerknittertes Zeitungspapier geschlagenes Päckchen gegen eine bereitgehaltene Summe Geld den Besitzer, verschwindet in einer Innentasche des Mantels und begibt sich gemeinsam mit dem Träger des Langmantels auf den Rückweg, der abermals ein einziges nervöses Gehusche und Geschleiche durch den Nebel dieses Montagmorgens ist ...

 

Ich hoffe, dass besagter Montagmorgen im September des vergangenen Jahres für niemanden so ausgesehen hat: Aus dem Haus schleichen, ohne dass Frau, Kinder und Nachbarn es mitkriegen, den ein oder anderen GAG (Gegenaufklärungsgang – frei nach Barry Eisler) durchführen, um sich auch wirklich sicher zu sein, nicht verfolgt zu werden, und dann beim Kiosk den ersten Band der Klassiker der Comicliteratur erstehen, ihn mit doppelter Vorsicht und doppeltem Argwohn – und wahrscheinlich auch doppelter Paranoia – nach Hause bringen, sich im Keller einschließen und die Lektüre genießen. Andererseits: Ein bisschen Verstohlenheit und eine Prise Heimlichkeit mag bei dem ein oder anderen Käufer vielleicht doch dabei gewesen sein, was womöglich sogar im Sinne der Herausgeber gewesen sein könnte: Immerhin definiert sich die Zielgruppe durch einen Aspekt der Neugierde und der Nostalgie seites der Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich gemeinsam mit Panini für die Herausgabe der Reihe verantwortlich zeigt.

 

Dieses Spiel mit dem »gesellschaftlich verruchten« hat schon etwas, und jeder, der schon einmal einen so genannten »Schundroman« gelesen hat, der weiß, von welchem Gefühl ich spreche. Ich werde mich hüten, Comics auf eine Stufe mit diesen Schundromanen zu setzen, aber für den »gemeinen FAZ-Leser« dürfte es auf´s gleiche hinauslaufen, wenn er, der er frühs sonst als erstes die Wirt-schaftsnachrichten, den Kulturteil mitsamt Reich-Ranicki oder die aktuellen Börsenkurse aufschlägt, plötzlich ein Comic in den Händen hält. Und dennoch wird, kaum dass er die Schutzfolie entfernt und den ersten Atemzug Comicluft durch die Nasenlöcher eingezogen hat, ein Lächeln sein Gesicht kräuseln, das stark an das frohe Lächeln und die strahlenden Augen des Kindes erinnert, das Gruselhefte unter der Bettdecke gelesen hat, ohne sich um die Meinung anderer zu kümmern und darin ein Stück Freiheit sah ...

 

Die Zielgruppe ...

 

... haben wir damit eigentlich fast schon geklärt. Aber sie ist auch noch ein paar Sätze mehr wert, schließlich definiert sie ja das Projekt und dessen sekundäres Ziel (neben dem wirtschaftlich-primären, Geld zu verdienen, versteht sich). Ich möchte hier nicht noch weiter mit Klischees um mich werfen, aber einen Leser der FAZ unterscheide ich von der Mentalität her doch ein wenig vom Leser der Bildzeitung, und auch die kulturellen Interessen dürften vom Schwerpunkt her anders liegen, als es beim Konsumenten der Bravo der Fall ist. Fakt ist dabei aber auf jeden Fall, dass die Haupt-Zielgruppe der FAZ nicht unbedingt in einem Atemzug mit Comiclesern genannt wird, und ich glaube, dass das den Lesern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch ganz Recht ist.

 

Comics nämlich sind etwas für Kinder. Jawohl! Und Comics sind ... Kinderkram. Und haben wir schon festgehalten, dass Comics Kinderkram sind? Nein? Dann möchte ich das hiermit tun. Außerdem haben Comics überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Sie sind nur bunt bedrucktes Holz, das wir lieber im Regenwald gelassen hätten. Dann hätten die Affen wenigstens was davon gehabt ...

 

Nun wiederum beschleicht mich das Gefühl, es mit der Dramatisierung dramatisch übertrieben zu haben. Aber das ist ja Gottseidank kein Drama, sondern zeigt lediglich auf, gegen welche Vorurteile Comics hierzulande nicht selten zu kämpfen haben. Wieso das so ist, will ich an dieser Stelle nicht unbedingt erläutern, aber um die Sache auf den Punkt zu bringen: Wenn ich etwas nicht verstehe, dann ist es schlecht. Wenn ich eine Begeisterung nicht teile, dann ist sie lächerlich. Und wenn ich keine Comics lese, dann sollte sie am besten niemand lesen – außer Kindern, versteht sich.

 

Die Klassiker der Comicliteratur sollen, wenn es nach ihren Redakteuren geht (die selbst mit Leib und Seele als Liebhaber dem Comic verschrieben sind), Vorurteile aus der Welt räumen, Begeisterung wecken und Verständnis für eine Kunst herbeiführen, die es fast so schwer hat wie der Expressionismus zu Zeiten, da irgendwelche Spießgesellen auch noch Bücher und andere Kunst- und Kulturgegenstände in ihrem Wahn verbrannt haben. Mit etwas Glück reitet der ein oder andere Band dabei auf einer durch eine Comicverfilmung der letzten fünf Jahre los getretenen Welle, und womöglich ist genau diese Welle der berühmte Funke, der die Neugierde und das Interesse eines Normalbürgers an den Comics entfacht, wenn er eine Anzeige der FAZ-Klassiker-Bibliothek sieht ...

 

Was der Leser dabei inhaltlich, aber auch äußerlich von dieser Reihe zu erwarten hat, soll im Folgenden geklärt werden. Eine kurze, auf einen Blick ersichtliche Zusammenfassung aller Bände sowie die Links zu den ausführlichen Besprechungen aller zwanzig Bände findet sich in der Navigation Rechts, während wir uns hier weiter mit dem Format, der Aufmachung und letztlich einem FAZit der etwas anderen Art auseinandersetzen werden.

 

Die Zusammenstellung

 

Die Klassiker der Comicliteratur haben neben einer vorzüglichen redaktionellen Betreuung (hierzu gleich mehr) und einem schmucken Design, das die teils nicht ganz so gute Papierqualität in der Regel kompensierte, vor allem durch ein Merkmal auf sich aufmerksam gemacht: Die Zusammenstellung. Hiermit ist jedoch nicht nur die Zusammenstellung innerhalb eines jeden einzelnen Bandes gemeint, sondern auch die Zusammenstellung, sozusagen die Komposition der gesamten Reihe an sich, wie Titel auf Titel folgt.

 

Diese Folge nämlich ist ein hervorragend gewähltes - oder sollte man vielleicht sagen, konstruiertes? - Beispiel dafür, wie vielseitig die neunte Kunst wirklich ist. Da jagt Superman einen der besten Zeitungscomicstrips aller Zeiten, und Tarzan folgt auf Batman, bevor es in den Wilden Wesen zu Mike Blueberry geht. Ehe wir uns versehen, landen wir aber auch schon in schneller Abfolge in New York, Schlumpfhausen und Wien, und auch ein Besuch von Entenhausen stand schon auf dem Plan. Und als wäre dies nicht genug, kommen am Ende nochmal Internetcomicstrips, Independentcomics und abermals ein Westerncomic, diesmal jedoch einer von der lustigen, spritzigen Sorte.

 

Die Komposition der Reihe hat es in sich und dürfte auch einem Comic-Neuling klar machen, dass er es hier mit einem Medium zu tun hat, das sich vor allem durch Vielseitigkeit auszeichnet, aber auch, dass er hier nur einen Teil des Eisberges - etwas mehr als die Spitze - gesehen hat ...

 

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollten die netten Gimmicks, auf die man während der Zusammenstellung obendrein noch geachtet hat: So landeten die Fantastischen Vier beispielsweise im vierten Band der Reihe, und Spider-Man, der seinen ersten Auftritt Anfang der 70er in Amazing Fantasy #15 hatte, durfte sich im 15. FAZ-Band durch die Häuserschluchten New Yorks schwingen.

 

Im Einzelnen glänzten die Bände vor allem durch eine gute Chronologie, an die man sich glücklicherweise bis auf zwei oder drei Ausnahmen durchwegs gehalten hat. So bot sich dem geneigten Leser eine charmante Zeitreise in die Welt der Comic-Unterhaltung, die dadurch auf sich aufmerksam machte, dass man den künstlerischen Werdegang, ja die Entwicklung einer Figur, einer Serie und nicht selten auch eines Zeichners verfolgen konnte. Comics werden von Menschen gemacht, und Menschen entwickeln sich – wieso also nicht diese Entwicklung einmal betonten, indem man in den Batman-Band auch eher mickrige Geschichten aus den Anfangstagen der Fledermaus nimmt? Soviel Mut muss belohnt werden, und deshalb gibt es für diesen - goldrichtigen - Schritt einen Daumen, der nach oben zeigt.

 

Mit Fug und Recht kann daher an dieser Stelle behauptet werden, dass die Zusammenstellung der Reihe, aber auch der in den einzelnen Bänden enthaltenen Geschichten nicht besser hätte sein können, und so verzeiht man der Redaktion auch einen Strizz, der mich wenigstens gut unterhalten hat.

 

Famoses Format?

 

Ich habe es seinerzeit in der Rezension zum ersten Band der Reihe, dem Superman-Band, geschrieben, und ich fürchte, dass ich es auch anderorts im Laufe der begleitenden Rezensions-Serie mancherorts erwähnt habe: Die Taschenbücher im A5-Format waren lediglich eine suboptimale Lösung.

 

Alle hatten wir darauf gehofft (und eigentlich auch damit gerechnet), dass man sich für relativ große Softcover (ungefähr A4 Format, also 297x210 mm) entscheiden würde, die in etwa Standard-Tradepaperback-Format haben oder von der Größe her wenigstens in Richtung der Werbebroschüre gehen würden, die man vor dem Start der Reihe in Comicshops ausgeteilt hat. Entsprechend groß war Anfang September dann auch die Enttäuschung, als der Schutzkarton aufgerissen wurde und ein kleinformatiges Etwas meinen neugierigen Blick erwiderte. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Mir ging im ersten Moment nur ein einziger Gedanke durch den Kopf – What the damn blue hell? A5?!

 

Ja, A5. Also ein technisch lupenreines 210x148,5 mm, oftmals auf 148,0 mm in der Breite gerundet. Ein schönes Format für Bücher, mag manch einer nun sagen, und hat damit auch durchaus Recht – trifft damit aber auch gleich den Kern der ganzen Angelegenheit: Bücher, vornehmlich gefüllt mit schwarzem Text und nur in Ausnahmefällen mit Illustrationen behaftet. Wenn man nun aber berücksichtigt, dass es in dieser Reihe (die ja nicht umsonst Klassiker der Comicliteratur heißt) in erster Linie um Comics geht und man sich ferner noch die Originalformate der Publikationen ins Gedächtnis ruft (um eine kleine Orientierungshilfe zu schaffen: Viele Comics haben ein Format, das sich in etwa um den Wert eines klassischen DinA4-Blattes einpendelt, wie es die meisten Menschen zu Hause im Papierfach ihres Tintenstrahldruckers liegen haben; einige Comicalben sind auch noch einen ganzen Deut größer), dann wird man schnell dahinter kommen: Das Taschenbuch scheint ein wenig klein und wird möglicherweise nicht überall brillieren können. Eine unangenehme Vorahnung bahnte sich ihren Weg hinauf aus der Magengegend ...

 

Und so kam es, wie es kommen musste: Was sich bei Superhelden wie Superman, Spider-Man und den Fantastischen Vier (wir alle erinnern uns ja sicher noch mit nostalgischen Gefühlen und einem Lächeln an die Condor-Ära der Marvel-Superheldencomics und sind in der Hinsicht Schlimmeres gewohnt und gewissermaßen abgehärtet) oder Comics mit und über Donald Duck, die man auch sonst aus dem Taschenbuch kennt (Lustiges Taschenbuch, z. B.), im Grunde noch im Rahmen bewegt, das endet bei großformatigen Zeitungscomics á la Prinz Eisenherz oder Alben mit detailreichen Zeichnungen und einem feinem Strich á la Blueberry im Fiasko.

 

Hier mangelte es in meinen Augen einfach an gestalterischer Vorüberlegung unter Berücksichtung der notwenigen Verkleinerung und den dadurch entstehenden Abweichungen vom Format, wenn man sich für das kleinformatige Taschenbuch entscheidet. Comics leben immerhin ein gutes Stück weit von ihrer optischen Aussagekraft und ihrer Bildsprache. Was passiert, wenn man diese nun beschneidet oder gnadenlos an ein Format anpasst und dabei 25% oder mehr der Bilder in sich komprimiert, kann einfach kein optimales Ergebnis heraus kommen.

 

Und selbst wenn mann sich dann am Ende – aus welchen Gründen auch immer – für das Taschenbuchformat entscheidet, ist das allein ja noch kein Beinbruch. Wie gesagt: Die Superhelden sind zwar manchmal hart an der Grenze, kommen aber mit der Verkleinerung ganz gut zu Recht, und auch die weniger »fein« gezeichneten frankobelgischen Heroen wie Lucky Luke, Gaston oder die Schlümpfe bleiben im kleinformatigen Taschenbuch lesbar, auch wenn die Schrift hier schon wieder einen Tick kleiner ist als bei den Superhelden. Bei den meisten aller Comicstrips im Stile der Peanuts oder Hägars ist die Verkleinerung sogar überhaupt kein Problem. Wieso man dann aber "Große Geschütze" wie Prinz Eisenherz und Blueberry in diese Reihe mit aufnimmt und ins Taschenbuch quetscht, ist mir nicht ganz verständlich. Spätestens hier müssen doch alle Alarmglocken schrillen, alle roten Lämpchen blinken und alle Sirenen ein schrilles Konzert anstimmen, das aus Fehlermeldungen, Warnhinweisen und manch anderer Ausgeburt des technischen Errors besteht.

 

Keine Frage, gerade Prinz Eisenherz und Blueberry, die ich, bedingt durch das Format, in dieser Ausgabe als Totalausfall abgestempelt habe, haben einen über alle Zweifel erhabenen Anspruch auf Erscheinen in einer Klassiker-Reihe wie dieser und sind immens wichtig für die Entwicklung dieses Mediums. Das wären aber auch einige andere Comics gewesen, die man eben aus gänzlich anderen Gründen nicht in die Reihe hat nehmen können, sei es nun wegen einer Rechtegeschichte oder einfach deshalb, weil man keinen Platz mehr gehabt hat. Hier hätte man dann konsequenterweise und aus Respekt vor Künstlern wie Hal Foster – zwar schweren Herzens, aber trotzdem – auf deren Klassiker verzichten und sich eine Alternative suchen müssen.

 

Ein weiterer Mangel, der mit der Aufmachung zusammenhängt, ist definitiv das verwendete Papier. Damit spiele ich natürlich vor allem auf die Wellen an, welche das Papier schlug, das eine unerfreulich mäßige Qualität hatte und schlecht verarbeitet war. Natürlich müssen bei einem so günstigen Verkaufspreis Kosten gespart werden, und das geht am einfachsten in der Produktion, aber am Ende bleibt, wenn man sich die krummen, wellenschlagenden Bände ansieht, dann doch die Frage, ob da am richtigen Ende gespart worden ist. Falls überhaupt mit Absicht gespart wurde – denn ein unsauberer Beschnitt und eine streckenweise mangelnde Leimung würden unter Umständen ja sogar darauf schließen lassen können, dass hier einfach nur nicht sorgfältig genug gearbeitet worden ist. Dagegen spricht wiederum, dass man von Panini in Sachen Qualität in den letzten Jahren sehr verwöhnt worden ist und sonst konstant gute Produkte geboten bekommt. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden.

 

Das alles klang nun stark negativ, weshalb ich mich beeilen möchte, die positiven Aspekte von Format und Aufmachung anzuführen, damit mir hier kein falscher Gesamteindruck entsteht.

 

Nach wie vor drehe ich mich beispielsweise gerne auf meinem Stuhl zur Seite, um die Reihe im Regal anzuschauen, und ich ertappe mich ab und dann sogar dabei, willkürlich ein paar Bände aus dem Regal zu ziehen und sie von allen Seiten zu betrachten. Denn optisch machen die Klassiker der Comicliteratur einiges her und sind ein schön designter Leckerbissen für das Auge ...

 

Die gesamte Reihe erfreut sich eines einheitlich schlichten, ja nahezu edel anmutenden Designs, das auf Vorderseite und Rücken sparsam mit Grafiken und viel Weißraum, auf der Rückseite dann aber mit farblichen Kontrasten arbeitet, die auch in einem Reiter auf der Rückseite noch einmal aufgegriffen werden und meistens ein Gegensatz zum Hauptfarbton des Covermotivs sind, das wiederum oft identisch mit dem Titelhelden des entsprechenden Bandes ist und einiges an Bewegung oder Dynamik bereit hält. Besonders erfreulich bei der Gestaltung der Umschlagsseiten ist außerdem das in Graustufen gehaltene Motiv der Umschlagsinnenseiten sowie das kleine, aber sehr feine Detail, dass man auf der "Gesamtdarstellung" aller Bände auf der Rückseite jedes Taschenbuchs sogar immer das Coverbild des jeweiligen Bandes beim vordersten Buch in besagter Reihe verwendet und sogar auf die korrekte Farbe des Reiters auf dem Buchrücken (!) geachtet hat.

 

Auch die Vorworte waren zumeist reichlich illustriert, und bis auf einige gravierende Spartionierungen (Veränderungen der Laufweite einer Schrift; äußert sich meistens in einem besonders "luftigen" oder "gequetschten" Schriftbild) bei einem Formsatz ist man hier ordentlich zu Werke gegangen und hat einen halbwegs sauberen Kompromiss zwischen Optik und Funktionalität gefunden.

 

Re(d)aktionelles

 

Wenngleich der Einstieg in die allesumfassende Kritik der Reihe auch einen leider ziemlich negativen Charakter hat, so geht es nun direkt mit der verdienten Lobhudelei weiter. Selten hatten Comics, insofern sie nicht als Werkausgabe im Kleinverlag erschienen, so umfangreiche Vorworte und eine so gute redaktionelle Betreuung. Zwar waren nicht alle einleitenden Texte von gleicher Qualität, aber gut zwei Drittel wussten doch zu begeistern – stilistisch, inhaltlich und vor allem aufgrund der Fülle an Informationen, die sie für den interessierten Leser bereit hielten. Sie waren die perfekte Einstimmung auf den jeweiligen Band, und wenn wir uns einmal mehr die Zielgruppe ins Gedächtnis rufen, dann wird man sich erst des wahren Werts dieser Leistung bewusst, die man da Seitens der Redaktion des FAZ-Feuilletons gebracht hat.

 

So erfuhr man vieles über die jeweilige Figuren, um die es ging, aber auch um die kreativen Köpfe dahinter. Wissenswertes, Kurioses und Interessantes lockerte diese Informationsbonbons auf, und nach den meistens um die zehn Seiten umfassenden Vorworten war man mehr als nur bereit und bestens gerüstet, um es mit gut 200 Seiten Comicunterhaltung aufzunehmen – und nicht selten sah man diese auch in einem etwas anderen Licht als vor Lektüre des Vorworts.

 

Doch damit nicht genug. Neben den in den Bänden abgedruckten Vorworten gab es am Erstverkaufstag auf der Homepage der FAZ stets auch weitere Informationen zu den Comics und deren Schöpern zu bestaunen. Das schöne an diesen Online-Beiträgen: Sie unterschieden sich in mancher Hinsicht von den gedruckten Varianten und waren damit mehr als Werbung für die Reihe. Auch für Leser der Bände hat sich damit also ein Blick ins Internet gelohnt.

 

Dieser Rundumschlag in Sachen redaktioneller Betreuung ist neben der guten Auswahl der Geschichten und bis auf ein oder zwei Ausnahmen das kräftig schlagende Herz dieser Reihe, die es sich ja auf die Fahne geschrieben hat, unbedarften Lesern die Faszination hinter Comics näher zu bringen. Meine Herren, das war ganz großes Kino!

 

The Final FAZit

 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist meines Wissens nicht gerade dafür bekannt, sich an ein »comic-interessiertes« Publikum zu wenden, und hier bedienen wir dann wohl auch schon wieder ein garstiges Klischee. Doch das sei, wie es will: Was zählt, das ist die Tatsache, dass man sich trotzdem an dieser Klassiker-Reihe versucht hat, und neben kommerziellen Aspekten dürften es gerade bei der Hand voll Redakteuren um Andreas Platthaus doch so gewesen sein, dass es ihnen vor allem um eine missionarische Aufgabe zum beliebten Diskussions-Dreieck Comics, Verständnis und Deutschland ging. In dieser Angelegenheit hat man hierzulande sicherlich noch einiges an Aufholbedarf gegenüber anderen Ländern, die Comics bereits als festen Bestandteil der Kutlur akzeptiert haben. Da freut es nicht nur, dass manch ein Hersteller von kleinen Einwegzahbürsten für Unterwegs in Eisner'scher Manier auf Anleitungen im Comicformat setzt, sondern natürlich auch, dass eine der größten und meistgelesenen Tageszeitungen Deutschlands gemeinsam mit einem der größten Lizenzinhaber von amerikanischen Comicserien – Panini – eine Reihe startete, die sich intensiv in Wort (gelungen Vorworten, um genau zu sein) und Bild (hervorragenden Auswahlen entsprechenden Comicmaterials) mit dem Medium Comics auseinandergesetzt und die Welt des grafischen Erzählens manch einem ihrer Leser näher gebracht hat.

 

Und hier setzte die Klassiker-Bibliothek dann meines Erachtens auch ihren Schwerpunkt: Denn dass die neunte Kunst, als die man Comics zweifellos zählen muss, eine ernstzunehmende und nicht weniger vielseitige Spielerei der Kunst ist, als die Malerei (»lediglich« eine andere Form der Bildsprache) oder der Film (»lediglich« eine Aneinanderreihung von Bildern und Sequenzen), das dürften die zwanzig Bände der Klassiker der Comicliteratur ohne Frage bewiesen haben. Amerikanische Superheldencomics, Abenteuercomics, Frankobelgische Comics, Independent Comics, Internetcomics, Zeitungscomicstrips, Graphic Novels – bis auf den japanischen Manga und das ein oder andere Subgenre ist eigentlich jede Form der neunten Kunst mit einem oder mehreren Bänden als exemplarisches Beispiel vertreten. Sicher gibt es auch innerhalb der von mir hier angeführten Einordnung Facetten und Nuancen, doch sind diese uninteressant, wenn wir unser Zielpublikum wirklich als Einsteiger definieren, die bisher nur selten mit Comics in Berührung gekommen sind. Für eben solche »genüngt« es wohl, einen Hägar neben einem Spider-Man oder einem Will Eisner in Höchstform zu sehen, um sich erstmals mit dem Gedanken anfreunden zu können, dass Comics wirklich eine vielseitige, ernstzunehmende Kunst sind und mit einigen Überraschungen aufwarten können. Diese Vielseitigkeit ist dann auch der große Pluspunkt der Reihe und rechtfertigt mitunter auch einen Dilbert oder die Simpsons.

 

Die Redakteure des FAZ-Feuilletons haben eine ambitioniert-anspruchsvolle Reihe zusammen gestellt, deren echte Perlen vom Kaliber Eisner, Pratt oder Franquin die zwei, drei weniger gelungen Bände und die beiden formatbedingten Totalsaufälle mit spielender Leichtigkeit kompensieren können und bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht weiter ins Gewicht fallen. Außerdem war für jeden Geschmack etwas dabei, und selbst wer nicht jeden Band kaufte, der hat genügend gute Auswahlmöglichkeiten gehabt oder bei fünf Euro auch einmal experimentieren können.

 

Um ein schönes, aber dennoch verdientes Schlusswort bemüht, bleibt mir damit eigentlich nur noch eines zu sagen, denn auch wenn ich in Folge meiner Rezensionen zu den zwanzig Bänden manchmal recht kritisch mit den Verantwortlichen umgegangen bin und auch zu Beginn dieses Artikels einige Kritikpunkte gefunden habe, so muss ich ihnen letztlich doch ein gewaltiges Lob aussprechen, das sie sich redlich verdient haben. Mit einigen Abstrichen bei Format und Verarbeitung sowie dem Inhalt des ein oder anderen Bandes kann man Platthaus und Co. nämlich wirklich guten Gewissens gratulieren: Projekt gelungen, Mission erfolgreich. Und ich bedanke mich für sechs schöne Monate, in denen ich wöchentlich den ein oder anderen Klassiker für mich (wieder-)entdecken durfte.

 

'nuff said.

 

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Erstellt: 23.01.2006, zuletzt aktualisiert: 12.02.2015 10:36