Klassiker-Quickreferences
 
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Klassiker-Quickreferences

 

Rezensionen sind, wenn richtig geschrieben und ohne nervigen Spoiler (also, Verraten der Handlung oder einem wichtigen Teil davon), oftmals eine feine Sache. Ich selbst nutze Fremdrezensionen von Szenekennern und Buchliebhabern gerne, um mich im Vorfeld einer Anschaffung über das Objekt meiner Begierde zu informieren und meinen Kaufentschluss zu festigen – oder vorerst doch einmal zurückzutreten und etwas abzuwarten. Für beides bedurft es in der Regel eine etwas ausführlicheren Besprechung, denn so ein Entschluss will wohl überlegt sein. Trotzdem haben auch kurze, knackige Beurteilungen ihren Reiz, gerade wenn es darum geht, einen Gesamteindruck von einer mehrbändigen Reihe zu bekommen. Nachfolgend deshalb also meine persönlichen Quickreferences der Klassiker der Comicliteratur. Wer sich für die ausführlichen Rezensionen zu einem entsprechenden Band interessiert, der wird in der Randspalte rechts fündig.

 

Superman

Der Auftakt der Klassiker-Bibliothek quälte sich vor allem mit ärgerlichen Kinderkrankheiten herum und brachte sich – verdientermaßen, wie man offen zugeben muss – durch eine fehlende, zu allem Übel auch noch sinnentstellende Seite in der letzten Story um den Mann aus Stahl bei den eingefleischten Supes-Fans in Misskredit, da hier alles, wofür Superman steht, auf den Kopf gestellt wurde. Auf der anderen Seite war der Band bereits wegweisend für die Qualität - sowohl in positiver, als auch in negativer Hinsicht – der folgenden Bände und bestach vor allem durch eine gelungene Auswahl, die ebenfalls exemplarischen Charakter für die Nachfolgebände haben sollte und u. a. mit John Byrne und George Pérez punktete.

 

Peanuts

Charles M. Schulz' legendäre Kinderbande um den ewigen Verlierer Charlie Brown wartete mit einem ziemlich gewöhnungsbedürftigen Vorwort, dafür aber auch mit einer extrem guten Auswahl an farbigen Strips auf und bot massig Peanuts für wenig … Peanuts. Ohne Frage ein Highlight der Klassiker-Bibliothek, das sich am besten in Etappen genießen lässt.

 

Prinz Eisenherz

Harold Fosters Epos über die Zeit von König Arthur war die erste Bruchlandung der Reihe, was vor allem an dem für diesen Klassiker unter den Abenteuercomics untauglichen Format lag, das mit Fosters detailreichen Zeichnungen schlichtweg überfordert war und zu allem Überfluss auch noch eine doppelte (und dadurch an anderer Stelle fehlende) Seite zu vermerken hatte (was jedoch in einer zweiten Auflage korrigiert worden ist).

 

Die Fantastischen Vier

Der vierte Band der Klassiker der Comicliteratur beschäftigte sich mit Marvels first family und präsentierte sich als eine großartige Zeitreise durch die Welt der amerikanischen Superheldencomics und zählt dadurch neben Marvel-Kollege Spider-Man zu den besten Superhelden-Bänden innerhalb der Reihe und kratzt definitiv am elitären Kreis der oberen Fünf, wenngleich das Vorwort auch wieder über´s Ziel hinaus geschossen ist.

 

Donald Duck

Eine Ente, ein Künstler, ein Name: Carl Barks. Durch ein Übermaß an Barks-Geschichten kann sich dieser Band relativ weit vorn innerhalb der Klassiker-Bibliothek einordnen und gewinnt das Disney-interne Duell gegen Micky deutlich nach Punkten – Erpel triumphiert dank Barks also über Maus, kommt aber trotzdem nicht ganz in die Top Five dieser Klassiker-Bibliothek und muss sich mit der Mittelstellung zwischen Spitzenplätzen und Verfolgergruppe zufrieden geben.

 

Strizz

Der Eigenbeitrag der FAZ zu dieser Reihe disqualifiziert sich leider selbst, was mir vor allem für Volker Reiche leid tut. Strizz ist an und für sich ein guter, intelligenter Comicstrip aus Deutschland, aber einfach (noch) kein Klassiker, der durch diesen zu Unrecht reklamierten Anspruch der Redaktion unnötigerweise herabgesetzt und zum Ausgestoßenen wird.

 

Batman

Frank Miller, Alan Moore, Neal Adams – das sind Namen, die im Comicgeschäft und insbesondere in Sachen Batman Gewicht haben und immer für eine Überraschung bzw. einen echten Klassiker gut sind. Trotzdem hinterlässt der siebte Band der Reihe einen etwas gespaltenen Gesamteindruck, da die Stories ein unangenehmes, stetiges Auf und Ab bieten. Auch das Format passte - gerade bei der letzten, ziemlich langen Miller-Story, die eigentlich ein echtes Highlight ist – nicht überall zum Inhalt oder dem Lettering und trübte das Lesevergnügen. Trotz guter Ansätze und einem Alan Moore in Höchstform einer der schwächeren Superhelden-Bände.

 

Tarzan

Zwei Altmeister des grafischen Erzählens interpretieren die Origin von Tarzan in Comicform und auf ihre ganz persönliche Art, und auch wenn das Format der FAZ-Taschenbücher mit Hogarths Strich im ersten Teil des Bandes stellenweise etwas überfordert war, ist Tarzan unterm Strich ein äußerst gelungener Klassiker-Band, der sich mühelos in Richtung Top Five schwingt.

 

Blueberry

Bruchlandung Nummer zwei, und diesmal war´s dann noch schmerzhafter als im Mittelalter. Wie schon bei Prinz Eisenherz ist das kleinformatige Taschenbuch mit dem Breitband-Western-Epos aus Frankreich völlig überfordert, zumal das Druckbild stellenweise schrecklich zugesuppt und zu einem schlammigen Farbbrei verkommen ist.

 

Hägar

Dik Browne schuf Wikinger-Chef Hägar und ist deshalb auch richtigerweise auf dem Rücken als Autor dieses Bandes angegeben – wieso dann aber ausschließlich Geschichten von Brownes Sohn Chris aufgenommen worden sind, das ist mir ein Rätsel. Bis auf diese Tatsache ist der Hägar-Band jedoch ein spaßiger, kurzweiliger Vertreter seiner Art über den größten aller Pantoffelhelden unter den Wikingern und neben den Peanuts der gelungenste Vertreter der Comicstrips innerhalb der Klassiker-Bibliothek.

 

Corto Maltese

Der Italiener Hugo Pratt definierte durch die Abenteuer des Seemanns Corto Maltese erstmals den Graphic Novel und darf damit als Pionier dieser wichtigen Form der neunten Kunst betrachtet werden. Trotz Neuaufbau der Seiten und zu Gunsten der Lesbarkeit in diesem Format teilweise mächtig beschnittenen Panels ist Pratts Südseeballade auch in vorliegender Form ein großartiges Comicerlebnis und rangiert auf Platz zwei der Reihe, wenngleich Puristen vielleicht lieber die Finger davon lassen sollten, da sie sich unter Umständen nicht mit der Neumontage anfreunden können.

 

The Simpsons

Die Simpsons sind definitiv ein Klassiker des Cartoons und nicht aus der Welt des anspruchsvoll-humorvollen Vorabendprogramms wegzudenken. Für die Comicwelt würde ich einen Klassiker-Anspruch von Homer, Bart und Co. dennoch nur unter Vorbehalt unterstützen, doch überzeugt der Band durch witzige Abenteuer der gelben Familie aus Springfield.

 

Will Eisner

Will Eisner ist Gott, sein Zum Herzen des Sturms ein autobiographischer Ausnahmecomic und mit Abstand das Highlight dieser Reihe. Will man nur einen Band dieser Klassiker-Reihe lesen, dann muss es Will Eisner sein, der ultimative Band und Spitzenreiter der Klassiker der Comicliteratur, der zudem noch einige Abenteuer des Spirits enthält, die aber nur schmückendes Beiwerk sind.

 

Die Schlümpfe

Kontrastprogramm: Nach Will Eisners zeitlosem Meisterwerk und vor einem der beliebtesten Superhelden aller Zeiten tummeln sich Peyos blaue Däumlinge aus Schlumpfhausen in einem wunderschönen Fantasy-Band aus Belgien, der alle Erwartungen erfüllt und sich nicht zuletzt wegen der Johann-und-Pfiffikus-Geschichte mit der Zauberflöte und dem ersten Auftritt der Schlümpfe auf schlumpfige Art und Weise in die Top Five dieser Reihe gemogelt hat.

 

Spider-Man

Bis auf eine etwas willkürlich gewählt erscheinende Geschichte aus den Amazing-Anfangstagen des Wandkrabblers ein großartiger Band über den sympathischen Netzschwinger aus der Nachbarschaft, der einige Meilensteine aus dem Leben von Peter Parker alias Spider-Man enthält und definitiv zu den besten Bänden der Reihe gehört.

 

Micky Maus

Wer die berühmteste Maus der Welt und ihre Comicabenteuer leiden kann, der wird mit den in diesem Band enthaltenen, klassischen Detektivgeschichten von Disney-Maskottchen Micky viel Spaß haben und sich auch über das Vorwort freuen, das einen schönen Einblick in den Werdegang der Maus gewährt. Leider ist die Druckqualität im letzten Teil des Bandes etwas mau(s) und wäre bei der Fülle an Micky-Geschichten eigentlich vermeidbar gewesen.

 

Dilbert

Die Erfolgsgeschichte eines nur mit minimalen Aufwand gezeichneten Büromenschen und dessen Schöpfer, der die Ideen zu seinen teilweise bitterbösen und satirischen Strips aus seiner Erfahrung mit dem Alltag amerikanischer Geschäftsräume schöpft. Wer mit Scott Adams' Humor zurecht kommt, der hat hier viel Dilbert für wenig Geld, alle anderen sollten erst einmal einen Blick in den Band werfen, der trotz allem Erfolges und allem Hypes um Adams' Dilbert einer der schwächeren Bände der Reihe bleibt.

 

Gaston

Der schusselige Bürobote Gaston lebt von gut zwei genialen Dritteln des Bandes mit großartigen Strips von André Franquin sowie einem mehr als nur überragenden Vorwort, das diesen auch für den Laien als bedeutungsvolle Ikone des europäischen Comics hervorhebt. Das genügt, um sich mindestens auf Augenhöhe mit Spider-Man, den Schlümpfen und Lucky Luke – und damit auf den Spitzenpositionen hinter Will Eisner und Hugo Pratts Corto Maltese – wiederzufinden.

 

Fritz the Cat

Die Reihen-interne Mogelpackung mit fragwürdigem Kultcharakter: Band neunzehn wäre mit dem Titel Robert Crumb deutlich besser gefahren, zumal Titelheld Fritz im Taschenbuchformat ein paar Probleme hat. So bleibt am Ende ein gewöhnungsbedürftiger Independent-Comic mit einigen guten, aber auch einigen ziemlich mäßigen Geschichten, deren häufig überzogen sexuelle Thematik sicherlich Geschmackssache ist.

 

Lucky Luke

Ein echter Klassiker der Frankobelgischen Comicwelt mit einer exzellenten Auswahl an Geschichten schließt diese ambitionierte Reihe würdig ab und präsentiert durchwegs gute Geschichten des Cowboys, der schneller als sein Schatten zieht – prächtig in Szene gesetzt von den beiden kongenialen Altmeistern Goscinny und Morris.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404170140565a606d80
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Erstellt: 23.01.2006, zuletzt aktualisiert: 14.02.2015 12:12, 1800