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Tausendundeine Nacht

Eine kleine Einführung

 

Von Oliver Kotowski

 

Tausendundeine Nacht – wer kennt sie nicht? Nachdem König Schehrijar erfahren hatte, dass seine Frau ihm mit einem schwarzen Sklaven betrog, ließ er sie hinrichten. Damit er nicht erneut betrogen werde, heiratete er jeden Tag eine Jungfrau, die er am nächsten Tag wiederum hinrichten ließ. Als das Volk schon unruhig wurde, ließ sich Schehrezad, die Tochter des Wesirs, verheiraten. Sie nahm ihre jüngere Schwester Dinharazade mit ins Schlafgemach und nach dem Beischlaf Schehrezads mit dem König bat ihre Schwester sie um eine spannende Geschichte. Schehrezad begann zu erzählen, wurde aber bis zum Morgengrauen nicht fertig, verschob das Ende auf die nächste Nacht und die Hinrichtung auf den nächsten Morgen. Sie erzählte von Aladin und der Wunderlampe, die gerieben werden musste um den daran gebundenen Dschinn zu rufen, von Ali Baba der mit dem Zauberwort "Sesam öffne dich!" ins Versteck der vierzig Räuber gelangte, oder Sindbad dem Seefahrer, der einen gewaltigen Fische, den Vogel Rok, Menschen fressende Riesen und unzählige andere Wunder sah. Nach eintausend und einer Nacht präsentierte Schehrezad dem König seine drei Kinder – und er ließ ab vom Hinrichten.

Wer aber hat wirklich die Geschichten von Tausendundeine Nacht gelesen? Lohnt sich das überhaupt? Wer einmal nach einer Ausgabe geschaut hat, wird vielleicht von der Vielfalt der Übersetzungen verwirrt sein – warum gibt es denn da so viele und worin liegen die Unterschiede?

Um diesen Fragen nachzugehen wird zunächst die Entwicklungsgeschichte, dann Struktur und Inhalt, darauf die Übersetzungsprobleme und schließlich die Wirkung betrachtet werden.

 

Die Entstehungsgeschichte

Wo soll man bei einem so komplizierten Werk wie Tausendundeine Nacht anfangen? Mit der Galland-Übersetzung? Immerhin wirbt der dtv damit, dass mit ihr alles anfing. Das kann natürlich bestenfalls halbrichtig sein. Zwischen 1704 und 1717 veröffentlichte Antoine Galland eine Übersetzung des arabischen Alf laila wa-laila in zwölf Bänden. Die Geschichten sind inhaltlich und sprachlich für die französischen Salons massiv überarbeitet worden – eine Praxis, die zu jener Zeit gängig war. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass die Erzählungen zumindest in Teilen schon früher in Europa bekannt waren – so finden sich deutliche Anklänge an die Rahmenerzählung um König Schehrijar in Die Geschichte des Astolfo von Giovanni Sercambi, welche etwa 300 Jahre zuvor entstanden war – doch der Erfolg setzte erst mit der Galland-Übersetzung ein: Schon 1706 war der erste Band auf Englisch und auf Deutsch publiziert worden.

 

Interessanterweise hat Galland für seine ersten Bände die älteste heute erhaltene Handschrift verwendet; die Galland-Handschrift oder MS.arabe 3609-3611, wie die drei in der Pariser Bibliotheque Nationale bewahrten Bände offiziell heißen, ist vermutlich im späten 15. Jh. entstanden. Muhsin Mahdi, der hoch gerühmte Editor der Galland-Handschrift, geht zwar von einer Entstehung im 14. Jh. aus und meint sogar, dass Tausendundeine Nacht von nur einem Autoren stammt und die vorhandene Handschrift sehr nahe bei diesem Original liegt. Doch diese Thesen sind nicht sehr wahrscheinlich.

Zunächst einmal waren die Geschichten aus Tausendundeine Nacht nicht angesehen; sie galten als minderwertige Geschichten für das einfältige Volk. Kopisten mussten mit diesen Texten also nicht sorgsam umgehen wie etwa mit dem Koran. Sie konnten ergänzen, ändern oder streichen, wie es ihnen gefiel. So ist ohne weiteres verständlich, wie in der Erzählung vom jüdischen Arzt (z. B. in Bibliothek von Babel Bd. 26) mit einem "Aschrafi Dinar" bezahlt wird, der erst 1425 eingeführt wurde: Ein Kopist hat schlicht und einfach eine alte Münzeinheit durch eine aktuelle ersetzt. Schließlich weisen ägyptische und syrische Handschriften klare Unterschiede auf. Mahdi nimmt einen syrischen Ursprung an, aber zumindest in Teilen scheinen ägyptische Handschriften vollständiger zu sein.

Tatsächlich waren die Geschichten dort schon im 11. und 12. Jh. sehr bekannt, wie Funde der Genzia (eine Art jüdischer Deponie für Texte, die man nicht mehr brauchte, aber nicht wegwerfen wollte) und Bemerkungen in el-Malerizis Topographie von Kairo belegen.

 

Dann gibt es zwei Textstellen aus dem 10. Jh. Der Buchhändler Ibn en-Nadim stellt in seinem 987 verfassten Buchkatalog Kitab el-Fihrist fest, dass die Hezar Afsane (dt. "Tausend Geschichten" – der persische Titel) nur 200 Geschichten enthalten, obwohl der Titel doch 1000 verspricht. Claudia Ott nimmt Heinz Grotzfeld folgend an, dass es schon zu jener Zeit ein abgeschlossenes, sich über 1000 Nächte erstreckendes Werk gab und "1000" hier nicht wie vielfach angenommen für "unzählig viel" steht. En-Nadim bemerkt noch, dass das Werk sehr fade sei. Etwa ein halbes Jahrhundert früher erwähnt el-Mas'udi, dass die Geschichte um Schirazad und Dinazad aus dem Persischen ins Arabische übersetzt wurde, wo es den Titel Alf Chorafa (dt. "Tausend Fiktionen") erhalten habe.

 

Glücklicherweise wurde zusätzlich ein Fragment aus dem 9. Jh. gefunden, welches den Titel Kitab Hadith Alf Laila (dt. "Buch der Geschichte der Tausend Nächte") trägt und die ersten fünfzehn Zeilen der Rahmenerzählungen wiedergibt. Es scheint also, als wenn das Hezar Afsane im 8. oder frühen 9. Jh. aus dem Persischen ins Arabische übersetzt wurde. Wann wiederum das persische Werk entstand oder gar dessen Vorgänger bleibt im Dunkeln: Entstammt die Rahmenhandlung um den betrogenen König Schehrijar, der daraufhin jede Nacht eine Frau verschleißt, nun dem indischen Triptika oder doch der lateinischen Legende um Secundus dem Schweigenden? Feststeht, dass Motive von allen Nachbarn in Tausendundeine Nacht Eingang fanden: Neben 'echt' arabischen Motiven finden sich griechische, römische und altägyptische, es gibt viel Persisches, Indisches und Jüdisches – und sogar moderne westeuropäische Einflüsse.

 

Mit dem großen Erfolg arabischer Geschichten im Europa des 18. und 19. Jh. wuchs zunächst die Nachfrage nach immer neuen Geschichten. Die Europäer zahlten gutes Geld für derartige Handschriften und die Araber lieferten. Da es einen Wunsch nach Authentizität gab, manche Geschichten aber gar nicht schriftlich fixiert, sondern nur mündlich Überliefert worden waren, wurden einige französische und englische Übersetzungen zurück ins Arabische übersetzt und dann nach Europa verkauft. Mit diesen Rückübersetzungen kamen europäische Elemente in die Sammlung. Vermutlich sind erst in dieser Zeit viele der beliebtesten Geschichten wie Ali Baba und die vierzig Räuber oder Sindbad der Seefahrer hinzugefügt worden; für Prinz Ahmed und Fee Peri Banu wurde bis heute keine arabische Fassung gefunden, die älter als Gallands Übersetzung ist, und es wurde sogar spekuliert, ob Galland Aladin und die Wunderlampe (z. B. in: Die Bibliothek von Babel Bd. 25) zur Gänze erfunden hatte. Letztlich begannen sich auch arabische Gelehrte für die Texte zu interessieren, sie zu sammeln und schließlich auch zu drucken – was für eine gewisse Fixierung des Textkorpus sorgte.

 

Die wichtigsten Editionen sind die erste Calcuttaer Ausgabe (der älteste Druck: die zwei Bände sind 1814 und 1818 erschienen und enthalten nur die ersten 200 Nächte sowie die Geschichte von Sindbad dem Seefahrer), die erste Bulaker Ausgabe (von 1835), die zweite Calcuttaer Ausgabe (die vier Bände sind zwischen 1839 und 1842 erschienen) und die Breslauer Ausgabe (die Bände wurden zwischen 1825 und 1843 veröffentlicht). Die Ausgaben unterscheiden sich in Auswahl und Reihenfolge der Geschichten und verwenden auch unterschiedliche Variationen der Geschichten.

Die Suche nach dem Original ist also aussichtslos: Tausendundeine Nacht ist eine Textsammlung, die immer wieder verändert wurde: Es wurden Geschichten ausgetauscht und dem aktuellen Geschmack angepasst, sogar moderne westliche Einflüsse wurden gut aufgenommen. Man könnte sagen, dass Tausendundeine Nacht lebte – bis sie von westlichen Gelehrten auf der Suche nach Authentizität zur Strecke gebracht wurde.

 

Struktur und Inhalt

Claudia Ott nennt als wichtigste Spielregel: "Erzähle mir eine Geschichte, dann lasse ich dich leben!" Und wirklich findet sich dieses Motiv auf vielen Ebenen wieder und hat eine doppelte Funktion: Einerseits lässt diese Forderung vom Dschinn, der Dame mit den Schlagspuren, dem Kaiser von China et al. Schehrezad weitere Geschichten erzählen, die die Hinrichtung weiter hinausschieben, andererseits geben sie König Schehrijar eine Leitlinie, wie er sich zu verhalten hat – und da er sich am Ende daran hält, wird es auch zu einer Vorausdeutung.

 

Sehr deutlich wird dieses im Subzyklus Der Bucklige, der Freund des Kaisers von China. Darin werden Angehörige verschiedener Randgruppen angeklagt, einen buckligen Moslem getötet zu haben, aber gerade wenn der Angeklagte am Galgen hochgezogen werden soll, findet sich ein neuer Verdächtiger. Schließlich wird dieses pikareske Gaunerstück vor dem Kaiser von China aufgelöst, den diese Verwicklungen amüsieren. Er fordert die Versammelten auf ähnlich groteske Geschichten zu erzählen und der letzte der dann auftretenden Erzähler, der Schneider, berichtet vom hinkenden Mann und dem Barbier von Bagdad. In dieser Geschichte kommt wiederum der Barbier zu Wort und berichtet von seinen sechs Brüdern. Eine besonders gelungene, allerdings vom Schema abweichende Schilderung findet sich in der Erzählung der Schlangenkönigin (z. B. in: Die Bibliothek von Babel Bd. 26).

 

Die Forderung des Kaisers von China nach Geschichten enthält die zentralen Eigenschaften: ‘aĝīb und garīb – spannend und seltsam – müssen sie sein. Das dürften wohl auch die wichtigsten Anforderungen an die bei den großen Taschenbuchverlagen erscheinenden Fantasy-Geschichten sein. Aufgrund dieser Eigenheiten wurde Tausendundeine Nacht oft als Märchensammlung verstanden – missverstanden um genau zu sein, denn sie enthält noch viele andere Geschichten.

Viele der bekanntesten Geschichten sind jedoch Märchen. Dazu gehören z. B. die Rahmenerzählung selbst, Aladin und die Wunderlampe, Ali Baba und die vierzig Räuber und Prinz Achmed und Fee Peri Banu, wie auch die Geschichte vom Ebenholzpferd. Die Erzählung der Schlangenkönigin ist zwar ein Märchen, doch die in ihr enthaltene Erzählung von Bulukis ist eine Himmel- und Höllenfahrt; die wiederum darin eingefügte Erzählung von Janschah ist wieder ein Märchen mit vielen Elementen einer Seefahrergeschichte. Man sieht, oft genug sind eindeutige Zuordnungen nicht möglich.

 

Viel Raum nehmen auch die Romane und Novellen ein. Die Geschichte des Königs 'Omar ibn en-Nu'man und seiner Söhne ist nicht nur die längste Geschichte in Tausendundeine Nacht – bei Littmann ist sie 483 Seiten lang – der Ritterroman gehört auch literarisch zu den bedeutendsten Geschichten der Sammlung. Das Übernatürliche tritt hier allerdings weitgehend zurück. Ganz anders beim Volksroman Die Geschichte von 'Adschîb und Gharîb. Auch er erscheint zunächst wie ein Ritterroman, doch im Verlauf des Geschehens wird die Menschenwelt immer mehr mit einer düsteren Dämonenwelt vermengt – streckenweise ist er vom Erzählton her einem Märchen gleich. Die Geschichte von 'Abdallâh ibn Fâdil und seinen Brüdern ist schließlich nur noch als Märchenroman zu verstehen.

 

Zu den Romanen und Novellen gehören auch einige Liebesgeschichten, die von keuscher, entsagungsvoller Liebe zu derben Ehebruchsgeschichten reichen. Als Beispiele seien hier Die Geschichte vom Beduinen und seiner treuen Frau und Kamar ez-Zamân und seine Geliebte genannt. Weiterhin kommen noch die Schelmengeschichten, also pikareske Gaunerstücke, hinzu. Die Abenteuer der listigen Dalîla gehören wohl zu den beliebtesten Texten dieser Art. Auch die Seefahrergeschichten gehören hierhin, die ob ihrer Exotik eng mit dem Märchen verwand sind; die Geschichte von Sindbad dem Seefahrer ist klar die bekannteste.

Eine geringere Rolle vom Umfang her kommt den Sagen und Legenden zu; die Sage der Säulenstadt Iram oder die Sage der Messingstadt haben ihren Weg in die westliche Literatur gefunden – und wer kennt den Vogel Rok nicht? Auch bei ihnen ist die Nähe zum Märchen offenkundig.

Weiterhin gibt es eine stattliche Anzahl kleiner lehrhafter Geschichten wie Tierfabeln und Parabeln – schon in der Rahmenerzählung ist die Geschichte von Stier und Esel eingebettet. Berühmt-berüchtigt ist die Geschichte von der Tücke der Weiber; in ihr manifestiert sich die viele Geschichten aus Tausendundeine Nacht durchziehende Misogynie am schärfsten.

Schließlich gibt es noch ein paar Humoresken, die zumeist weniger bekannt sind – hier sei der oben erwähnte Subzyklus Der Bucklige, der Freund des Kaisers von China genannt – und eine Zahl schwer zu fassender Geschichten – Littmann nennt sie im weitesten Sinne Anekdoten – wie den Subzyklus Die drei Äpfel.

 

Man sieht, dass es zwar nahe liegend ist Tausendundeine Nacht als Märchensammlung zu titulieren, aber nicht immer zu treffend.

 

Übersetzungsprobleme

Es ist deutlich geworden, dass es schon große Unterschiede bei den Vorlagen gibt: Wählt man die erste Bulaker Ausgabe (oder eine spätere darauf basierende), die zweite Calcuttaer Ausgabe oder die Galland-Handschrift? Es werden nicht nur unterschiedliche Titel im Corpus enthalten sein, die Titel werden auch stilistische und inhaltliche Variationen aufweisen. Doch damit nicht genug: Auch das Arabische an sich ist nicht leicht zu übersetzen und bedarf einiger Interpretation. So fehlt in arabischen Texten bis zum Ersten Weltkrieg die Interpunktion. Da es keine Großbuchstaben gibt und viele Namen 'sprechende' Namen sind, ist häufig unklar, ob ein Eigenname oder eine Dingbezeichnung vorliegt. Oft ist unklar, worauf sich die Pronomina beziehen. Dazu kommt, dass die Sprache Züge einer Kurzschrift trägt: Kurze Vokale werden ausgelassen. Außerdem gibt es kein zufrieden stellendes Wörterbuch für das vormoderne Arabisch. Abschließend sei noch auf eine Merkwürdigkeit hingewiesen: Einzelnen Wörtern können thematisch sehr breit gefächerte Bedeutungen zu kommen. Robert Irwin demonstriert dieses am Wort "chal": Es hat neunzehn Bedeutungen, die von "gewaltiger Berg" über "Leichentuch" und "schwarzer Hengst" hin zu "Junggeselle", "Verdacht" und "unverdächtig" reichen. Auch wird z. B. stets "kala" (dt. "er sagte") verwendet, doch es kann je nach Kontext sehr Vieles meinen.

Große Schwierigkeiten bereiten auch die Verse. Die Lösungen gehen weit auseinander: Max Henning misst ihnen keine Bedeutung zu und lässt sie entsprechend weg, Claudia Ott dagegen vernimmt in ihnen den Herzschlag der Sammlung und widmet sich ihnen mit besonderer Sorgfalt.

 

Die Wirkung

Der Versuch eine vollständige Liste aller von den Erzählungen aus Tausendundeine Nacht zusammenzustellen wäre albern – allein im 18. Jh. wurden in Frankreich schätzungsweise 700 Abenteuer- und Liebesromane im orientalischen Stil veröffentlicht. Nun ist dieses die Hochphase für solche Geschichten gewesen, doch bis heute erfreuen sich deren Motive ungebrochener Beliebtheit. Es seien hier jedoch ein paar Titel genannt, die von herausgehobenem Interesse sein könnten.

Für Freunde der Phantastik dürften William Beckfords 1786 veröffentlichtes Werk Vathek und George Merediths 1855 erschienenes und auf Deutsch sehr schwer erhältliches Die Rasur Schagpats: Eine arabische Unterhaltung von doppeltem Reiz sein: Sie gehören nicht nur zu den älteren Orientalisierern, sie werden von Helmut W. Pesch in Fantasy. Theorie und Geschichte auch zu den frühesten Fantasy-Geschichten gezählt; zumindest sind es Meilensteine in der Entwicklung des Genres.

Die meisten Fantasy-Autoren nutzen die Motive für humorvolle Geschichten: Arthur Lee Goulds Skandal in Bagdad, Esther Friesners Wünschelzeit oder Craig Shaw Garnders Der andere Sindbad und dessen Folgebände seien hier als Beispiele genannt. Andere Verwendungen sind seltener; wesentlich finsterer sind Robert Irwins Der Arabische Nachtmahr und Robert Louis Stevensons Neue arabische Nächte sowie Der Flaschenteufel (in Die Insel der Stimmen).

 

In der Hochliteratur werden die Motive zwar auch schelmenhaft verwendet – etwa in Edgar Allan Poes Schehrezads tausendundzweite Geschichte oder Sakis Wachtelfutter (in Die Verschwiegenheit der Lady Anne) – doch wesentlich häufiger sind ernsthaftere Verwendungen wie Antonia S. Byatts Der verliebte Dschinn, den vielen Anspielungen auf Sindbads Reisen in James Joyces Ulysses oder den beinahe beständigen Auseinandersetzungen damit in den Werken von Jorge Luis Borges und Salman Rushdie.

Selbstverständlich blieben die Motive aus Tausendundeine Nacht nicht auf die Literatur beschränkt, sondern wurden auch von anderen Medien verwendet. So gibt es zahllose Hörbücher – wer mag kann sich kostenlos bei Vorleser.net eine Lesung von Ali Baba und die vierzig Räuber herunterladen – Verfilmungen wie die 1001 Nacht Collection, Computerspiele wie The Quest for Aladdin's Treasure und Comics wie die gelungene Fables-Adaption 1001 schneeweiße Nächte.

 

Fazit

Zurück zu den Eingangs gestellten Fragen: Lohnt es sich die Geschichten von Tausendundeine Nacht zu lesen? Nach all dem Gesagtem scheint mir die Antwort eindeutig: Wie nicht?! Es gibt einige gute Gründe, die für eine Lektüre sprechen: Sie sind Quelle vieler beliebter Motive der Fantasy: Wer wissen will, woher H. P. Lovecrafts Ghule oder Jonathan Strouds Dschinn Bartimäus , Terry Pratchetts eigenwillige Form organisierter Kriminalität Ankh Morpoks oder die Assassinen Robin Hobbs kommen, kann hier anfangen zu lesen. Sie sind auch eine wichtige Wurzel des Genres, ja der Literatur überhaupt. Darüber hinaus gehört das Wissen um die bekannteren Geschichten zur westlichen Allgemeinbildung. Wem das alles noch nicht reicht, der findet immer noch die Forderung des Königs Schehrijar in vielen der Geschichten erfüllt: Spannend und seltsam sollen sie sein!

Welche Übersetzung soll man nun aber wählen? Darauf gibt es keine leichte Antwort, da die unterschiedlichen Übersetzungen unterschiedlichen Ansprüchen genügen wollen – aber im Folgenden will ich ein paar Lektüretipps geben.

 

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Erstellt: 29.05.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 13:31