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Lektüretipps zu Tausendundeine Nacht

Von Oliver Kotowski

 

Welche der Übersetzungen erfüllt welche Ansprüche? Werfen wir einen kurzen Blick auf die Quellen! (Bei Amazon erhältliche Titel sind entsprechend verlinkt.)

 

Von Gustav Weil stammt die älteste und vielleicht auch bekannteste direkte Übersetzung ins Deutsche – auf sein Werk stützen sich die meisten bereinigten Kinderausgaben. Weil verwendete als Grundlage die erste Bulaker und die Breslauer Ausgabe und fügte noch einiges aus externen Quellen hinzu; vollständig ist seine Übersetzung also nicht.

Wer seinen Kindern keine Nacherzählung der Geschichten, sondern ein wenig Authentizität zumuten will, ist mit Weils Übersetzungen gut beraten.

Gustav Weil, Die Märchen aus 1001 Nacht

 

Max Hennings Übersetzung ist mittlerweile eher unbekannt. Er verwendete als Grundlage eine spätere Bulaker Ausgabe und weitere externe Quellen. Auch seine Übersetzung ist nicht vollständig. Er strich nicht nur die Verse heraus, er kürzte viele redundante Stellen und passte auch sonst die Geschichten den westlichen Lesegewohnheiten an. Wem es in erster Linie um die Lesbarkeit geht, wird mit einer Anthologie seiner Übersetzungen am besten fahren.

Max Henning, Tausendundeine Nacht

Für den Band Die sieben Reisen Sindbads aus der Beck'schen Reihe Die großen Geschichten der Menschheit wurde ebenfalls Hennings Übersetzung verwendet. Daneben gibt es ein längeres Nachwort von Ulrich Marzolph, in dem sich mit der Entstehungsgeschichte und dem literarischen Kontext auseinandergesetzt wird.

 

Die von Enno Littmann angefertigte Übersetzung ist vermutlich am anerkanntesten. Er stützte sich vor allem auf die zweite Calcuttaer Ausgabe, zog aber auch alle anderen bekannten Drucke und sogar Burtons Übersetzung heran, wenn kein schriftliches Original vorlag. Seine Übersetzung ist nicht nur die vollständigste (wenn auch ein paar Geschichten fehlen), sondern auch ein gelungener Kompromiss zwischen wissenschaftlicher Akkuratheit und Ästhetik.

Enno Littman, Die Erzählungen aus Tausendundein Nächten ist die komplette Übersetzung in sechs Bänden.

Außerdem gibt es eine Anthologie mit dem Titel: Die schönsten Geschichten aus Tausendundeine Nacht

 

Von Claudia Ott stammt die jüngste Übersetzung; sie wird derzeit für ihre Authentizität hoch gelobt. Da sie sich ausschließlich auf die Galland-Handschrift stützt, die nur etwa ein Viertel der Geschichten enthält, ist sie weit entfernt davon vollständig zu sein.

Claudia Ott, Tausendundeine Nacht

 

Von Antoine Galland stammt wie erwähnt die älteste Übersetzung ins Französische. Er hat selbstredend die Galland-Handschrift verwendet, aber er stützte sich auch auf zahlreiche weitere Handschriften und mündliche Überlieferungen. Seine Übersetzung ist überholt, da er die Geschichten massiv für den französischen Hof des 18. Jh. anpasste. Für Leser, die sich intensiver mit dem Thema befassen wollen, ist es natürlich dennoch interessant sich mit diesem Meilenstein der Literaturgeschichte befassen zu können.

Mit Tausendundeine Nacht ist eine kleine Auswahl der Übersetzung Gallands ins Deutsche übersetzt als 25. Band der von J. L. Borges herausgegebenen Bibliothek von Babel erschienen. Eine der darin enthalten Geschichten ist Aladin und die Wunderlampe, über die spekuliert wurde, ob sie nicht zur Gänze von Galland erfunden wurden.

 

Richard F. Burton hat die im Englischen verbreitetste Übersetzung verfasst. Wie Littmann hatte er alle bekannten Drucke verwendet, daneben noch zahlreiche Handschriften und mündliche Überlieferungen. Über den Wert der Übersetzung wird gestritten: J. L. Borges wies ihr ob der massiven Überarbeitung eigene literarische Qualität zu, Robert Irwin dagegen findet den Stil unerträglich. Die Übersetzung ist dennoch ob ihrer Verbreitung ein Meilenstein.

Mit Tausendundeine Nacht ist eine kleine Auswahl der Übersetzung Burtons ins Deutsche übersetzt als 26. Band der von J. L. Borges herausgegebenen Bibliothek von Babel erschienen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, aber dennoch den Stil Burtons kennen lernen will oder sich die komplette Übersetzung Littmanns nicht anschaffen, wohl aber die wunderbare Erzählung der Schlangenkönigin lesen will, für den ist dieser Band eine echte Alternative.

 

Felix Tauers Übersetzung ist als Supplement zu Enno Littmanns Übersetzung zu werten – er hat die sonst fehlenden Geschichten der Wortley Montagu-Handschrift der Oxforder Bodleian Library bestellt. Ein Werk für Komplettisten.

Felix Tauer, Neue Erzählungen aus den Tausendundein Nächten

 

 

Wer sich nun noch weiter mit den Geschichten aus Tausendundeine Nacht beschäftigen will, dem seinen noch einige Hinweise auf Sekundärliteratur mitgegeben:

 

Robert Irwin hat Die Welt von Tausendundeiner Nacht verfasst, eine umfassende, wenn auch nicht erschöpfende Abhandlung zum literarischen und historischem Kontext.

 

Von Wiebke Walther stammt, Tausendundeine Nacht. Eine Einführung eine knappe Einführung in die literarischen Aspekte.

 

Schließlich sind noch zwei Aufsätze von J. L. Borges zum Thema zu nennen. In Die Übersetzer von Tausendundeine Nacht (in Niedertracht und Ewigkeit) wirft er einen Blick auf den literarischen Wert der jeweiligen Übersetzungen, das Leben der Übersetzer und spekuliert über die Zusammenhänge. In Tausendundeine Nacht (in Die letzte Reise des Odysseus) befasst er sich mit dem literarischen Wert der Geschichten an sich.

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Weitere Infos:

Tausendundeine Nacht - Eine kleine Einführung


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Erstellt: 29.05.2008, zuletzt aktualisiert: 30.01.2019 16:54