Mit Ash geht die Saga um Aahna Ashina zu Ende. Die war früher eine der besten Blade Runnerinnen und deshalb darauf spezialisiert, mit ihrer Waffe Replikanten »in den Ruhestand zu schicken«. Doch das ist nicht nur längst Geschichte. Ash hat seitdem sogar die Seiten gewechselt. Aber es kann die Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem mächtigen Firmenboss Niander Wallace nicht gefällt. Der möchte das Geheimnis über die Fortpflanzungsmöglichkeiten der künstlichen Menschen lüften. Dummerweise glaubt es, dass hier Ashs Freundin der Schlüssel ist. Also schickt er seine Häscher aus – darunter eine Blade Runner-Replikantin und einen Klon von Ash. Beim finalen Aufeinandertreffen hat Aahna Ashina aber einen Trumpf im Ärmel. Doch Niander Wallace macht ihr ein verführerisches Angebot.
Autor des Bandes ist Mike Johnson, der nicht nur für die vorherigen Bände der Serie verantwortlich war, sondern auch darüber hinaus im Universum von Blade Runner über Erfahrungen verfügt. Hier bietet er dem Lesepublikum einige Überraschungen und lotet dabei das Verhältnis von Ash zu ihrem Klon neu aus. Allerdings erzählt er »Ash« deutlich linearer als die Vorgängerbände. Sprünge in die Vergangenheit, die Ereignisse in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen würden, gibt es dieses Mal leider nicht. Hier wäre wohl mehr möglich gewesen. Das Ende ist zwar stimmig und passt irgendwie zur Tradition von »Blade Runner«. Gleichzeitig fällt es allerdings auch etwas unspektakulär aus.
Auch am Zeichenpult herrscht mit Andres Guinaldo Kontinuität. Der Spanier lässt immer wieder seine Klasse aufblitzen. Das gilt nicht nur für dystopische Stadtansichten, in denen mal Smog die Lichter der fliegenden Autos (Spinner) verschwimmen lässt oder Regen die düstere Stimmung prägt. Auch das Aufeinandertreffen von Ash mit einem ehemaligen Kollegen ist ansprechend komponiert. Dabei lässt Guinaldo je nach Perspektive mal den einen, mal den anderen Charakter als Schatten erscheinen. Damit setzt er die Parallelen und Unterschiede, die zwischen den Figuren auf der erzählerischen Ebene existieren, visuell geschickt um. Zwischen derartigen Highlights erscheinen viele Panels allerdings vor allem zweckmäßig gestaltet. Wie im Vorgängerband bleibt Niander Wallacer auch optisch der düstere Antagonist. Wer sich hier für das Finale mehr erhofft hat, wird dementsprechend enttäuscht.
Gewohnt umfangreich ist das Bonusmaterial. Hier ist erneut der aufgezeigte Weg vom Skript über die Bleistiftzeichnung bis zum fertig getuschten Bild am spannendsten. Grundsätzlich löblich ist zwar die Idee, Thumbnails zu den einzelnen Heften anzuhängen. Angesichts von 22 Heftseiten, die auf eine einzelne Comicseite gepresst sind, ist das aber wohl nur für Käufer der digitalen Version interessant, bei der sich die Thumbnails vergrößern lassen.