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Atlantia von Ally Condie

Rezension von Christel Scheja

 

Durch ihre „Cassia & Ky“-Reihe lernten deutsche Leser die amerikanische Autorin Allie Conde kennen. Nun bietet sie mit „Atlantia“ eine weitere Geschichte aus der Zukunft, wenn auch mit anderen Vorzeichen und einer überraschenden Gewichtung.

 

Vor langer Zeit stand die Welt vor einem Abgrund, die Oberfläche wurde immer mehr von Umweltgiften verseucht und die Bodenschätze an Land waren so gut wie ausgeschöpft. Aus diesem Grunde erbaute man die Unterwasserstadt „Atlantia“. Dort sollten kommende Generationen eine Zukunft finden, fern von Krieg und Umweltzerstörung – in einer idealen neuen Gesellschaft.

Nun ist diese Vergangenheit nur noch wenigen bekannt, die Gesellschaft in der Unterwasserstadt lebt, gefangen in Riten und Aberglauben, in Rollen gepresst, die ihnen vorgegeben werden. Zwar ist das Regime nicht erdrückend, aber gewagte Ideen werden dennoch nicht gerne gesehen, vor allem wenn sie die Gesellschaft erschüttern könnten.

Rio und ihre Schwester Bay sind die Töchter der Hohepriesterin Ozeana, die erst vor kurzem ihr Leben verloren hat. Deshalb haben sie sich geschworen, für immer zusammen zu bleiben. Aber es soll anders kommen, denn Bay entscheidet sich überraschend für das Leben an der Wasseroberfläche. Damit wird Rios Leben völlig auf den Kopf gestellt – und sie beginnt an der Welt, in der sie lebt zu zweifeln. Auf der Suche nach den Gründen, die ihren Zwilling nach oben getrieben haben, erwartet die junge Frau manch ein düstereres Geheimnis und erschreckende Wahrheiten, die sie schließlich zum Handeln zwingen, koste es, was es wollte.

 

Wieder ist die Gesellschaft, die Allie Conde schildert nicht gerade nett zu den jungen Leuten, wieder beginnt ein Mädchen gegen das Schicksal, das ihr aufgezwungen werden soll, zu rebellieren. Und erneut setzt sie damit etwas in Gang, was natürlich ihre ganze Welt erschüttern wird.

Immerhin verzichtet Allie Conde diesmal auf eines – Antriebsfeder ist nicht die Liebe zu einem Jungen, sondern zu der eigenen Zwillingsschwester. Auch wenn eine zarte Romanze angedeutet wird, so handelt es sich doch mehr um einen Entwicklungsroman, in dem die zuerst recht naive und unbescholtene Rio durch den Weggang von Bay lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen.

Auch wenn die Geschichte durch den ganzen Mystizismus und einige Geisteskräfte mehr der Fantasy zugeneigt ist, merkt man doch oft genug, dass der Roman in einer nicht näher bezeichneten Zukunft spielt. Der Hintergrund wird allerdings nur so weit ausgearbeitet, wie er für das Verständnis der Handlung notwendig ist, daher kann man sich Rios Welt nur bedingt vorstellen. Ähnliches gilt für die meisten Nebenfiguren, die mehr oder weniger Stichwortgeber bleiben.

Dennoch – oder gerade deswegen ist der Roman recht flüssig zu lesen und weist keine Längen auf. Das Thema selbst wird angemessen umgesetzt, hinterlässt aber dennoch einen schwachen Eindruck, da Konflikte gerade gegen Ende einfach und schmerzlos gelöst werden und die Heldin nur wenig Anteil daran hat.

 

Letztendlich ist „Atlantia“ eine der vielen – im Moment so modernen – Endzeitgeschichten, in denen sich eine junge Frau gegen eine tyrannische Welt auflehnen muss und dabei erwachsen wird. Auch wenn sie aktiv und selbstbewusst scheint, so schimmern doch auch immer wieder altgediente Rollenklischees durch, gerade wenn es um den Umgang mit dem männlichen Teil der Bevölkerung geht. Der Roman ist zwar für den Moment ein unterhaltsames Lesenvergnügen, hinterlässt aber nicht wirklich Eindruck.

 

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Eure Meinung:

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Jugendroman:

Atlantia

Autorin : Allie Conde

Übersetzung: Stefanie Schäfer

gebunden, 396 Seiten

Fischer FJB, Februar 2015

ISBN-10: 3841421695

ISBN-13: 978-3841421692

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN: B00OVFVSSI

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.01.2016, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59