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Auf dem Zeitstrom von Philip José Farmer

Reihe: Flusswelt Band 2

Rezension von Carina Schöning

 

Rezension:

Auf dem Zeitstrom ist nach Die Flusswelt der Zeit der zweite Roman aus dem neu überarbeiteten Flusswelt-Zyklus des amerikanischen Autors Philip José Farmer.

 

Statt jedoch die Geschichte rund um den englischen Afrikaforscher und Übersetzer Sir Richard Burton weiter zu spinnen, steht diesmal eine neue Figur im Mittelpunkt. Wie auch der Rest der Menschen auf der Erde ist der amerikanische Autor Sam Clemens alias Mark Twain nach seinem Tod in der geheimnisvollen Flusswelt aufgewacht. Sein gebrechlicher Körper wurde durch eine jugendlichere Version ersetzt und er findet sich zwischen den verschiedensten Menschen aus Ländern und Zeiten wieder. Zusammen mit dem hinterhältigen englischen König John gründet er das Reich Parolando und arbeitet an der Verwirklichung seines Traumes. Schon zu seinen Lebzeiten wollte er wie seine fiktiven Romanfiguren Tom Sawyer und Huckleberry Finn mit einem Dampfschiff fahren. Hier hat er auch die Gerüchte rund um die geheimnisvollen Erbauer dieser komischen Welt gehört und möchte, wenn das Schiff fertig ist, flussaufwärts fahren und nach der Quelle des scheinbar unendlichen Flusses suchen.

Doch vor alledem muss er erstmal die passenden Materialien und Ingenieure finden. Zusammen mit dem lispelnden Titanen Joe Miller, dem französischen Poeten und Degenfechter Cyrano der Bergerac und dem deutschen Jagdflieger von Richthofen beginnt er neue Industrien und Technologien aufzubauen und zu erforschen. Doch die Konkurrenz schläft auch in der Flusswelt nicht und die umliegenden Reiche und Städte beginnen neidisch auf den wachsenden Reichtum von Parolando zu schauen.

 

Die Flusswelt im Wandel der Zeit. Ähnlich wie der Vorgänger ist auch „Auf dem Zeitstrom“ eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy mit zusätzlichen philosophischen, religiösen und gesellschaftskritischen Aspekte und Gedanken. Nach und nach hält jetzt jedoch der allgemeine Fortschritt Einzug in diese fast schon paradiesisch anmutende Welt ein. Während sich die Wiedererweckten früher mit einfachen Bambushütten und dem Essen und Trinken aus den „Gralen“ begnügten, wollen sie hier immer mehr. Städte und Reiche werden neu gegründet, politische und gesellschaftliche Ideologien diskutiert, Bauwesen und Handel blühen auf und die früheren Industriezweige werden wieder neu „entdeckt“. Erste Fabriken entstehen und auch das Problem der Umweltverschmutzung wird wieder akut. Überschattet wird dieser Reichtum und Fortschritt wieder einmal von dem allgemeinen Neid und Hass der Menschen. Kriege um Rohstoffe und Territorien brechen aus und auch der Rassismus spielt immer mehr eine größere Rolle in der Flusswelt.

Die Handlung ist diesmal wieder sehr vielschichtig und abwechslungsreich geworden. Etwas irreführend ist allerdings der deutsche Titel „Auf dem Zeitstrom“, denn der Hauptteil des Romans dreht sich nicht um das Geschehen auf dem Schiff, sondern beschreibt nur die Probleme und Konflikte beim Bau des Schiffes. Stellenweise kommt es bei den vielen Kämpfen auch zu Wiederholungen und der Roman liest sich so insgesamt etwas zäher als der Vorgänger. Hinzu kommt, dass die Figur des Sam Clemens einfach etwas weniger forsch und abenteuerlustiger ist als Burton. Sehr human und gewissenhaft ist er eher Diplomat als Abenteurer. Ansonsten sind die Figuren gut gezeichnet und auch Gwenafra und Göring aus dem ersten Teil haben hier einen Gastauftritt.

Negativ ist leider auch, dass der Autor nicht viel Neues über die Entstehung der sonderbaren Flusswelt verrät. Man erfährt nur wenig über den verräterischen Renegaten der „Ethiker“ und seinen Plan die Flusswelt zu manipulieren. Die Hintergründe und Motive dazu werden hoffentlich im nächsten Teil dargestellt.

Wie auch beim Vorgänger gilt, dass man zumindest etwas Vorwissen und Interesse für Geschichte und historische Figuren mitbringen sollte, ansonsten kann der Roman schnell langweilen.

 

Fazit:

Insgesamt ist „Auf dem Zeitstrom“ eine vielschichtige und anspruchsvolle Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Der Klassiker aus dem Jahr 1972 ist von Handlung und Personen her etwas schwächer als der Vorgänger, kann aber trotzdem noch faszinieren und den einen oder anderen Gedankenanstoß geben.

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Buch:

Auf dem Zeitstrom

Autor: Philip José Farmer

Der Flusswelt-Zyklus Band 2

Original: The fabulos Riverboat, 1972

Übersetzer: Ronald M. Hahn

Piper, 2008

Taschenbuch, 291 Seiten

 

ISBN-10: 3492266584

ISBN-13: 978-3492266581

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.04.2008, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22