Auferstehung von Brian Lumley

Reihe: Necroscope Band 1

 

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Es ist ein Vierteljahrhundert vergangen seit der englische Autor Brian Lumley mit dem ersten Band der Reihe Necroscope seinen schriftstellerischen Durchbruch geschafft und zudem einen Meilenstein der Horrorliteratur verfasst hat. Der auf dieses Genre spezialisierte Verlag Festa hat sich nun entschieden die Serie neu herausbringen. Der erste Band - der sich Festa-typisch stimmig in nachtschwarzem Einband und mit blutrotem Leseband präsentiert - enthält die Teile Das Erwachen und Vampirblut, welche zuvor im Deutschen als separate Romane erschienen waren.

 

Es verspricht kein guter Tag für den englischen Staatsdiener Alec Kyle zu werden. Sein Chef ist gerade verstorben und er muss nun an dessen Stelle in wenigen Stunden die schwierige Aufgabe meistern, den Wert seines Dezernats einer Kommission darzulegen. Seine Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, besondere Begabungen, die allgemein als übernatürlich gelten, nutzbar zu machen. Dummerweise gibt es nach fünf Jahren noch keine Ergebnisse. Doch Alec Kyles Tag wird merkwürdiger, als er sich das hat träumen lassen, was einiges bedeutet, da Kyle immerhin in der Lage ist, im Traum die Zukunft vorherzusehen. Eine seltsame Erscheinung versichert ihm, dass das Dezernat fortbestehen wird und erzählt zudem von zwei übernatürlich begabten Menschen: Boris Dragosani und Harry Keogh. Dragosani arbeitet als Nekromant für die sowjetische Variante des Dezernats. Er hat das Talent Toten ihre Geheimnisse gewaltsam zu entreißen. Wegen seines Talents wird er von seinem Vorgesetzten Gregor Borowitz, der davon träumt die Vormachtstellung seines Landes zu sichern und auszubauen, protegiert. Doch Dragosani hat ganz andere Pläne, in denen ein besonderes Wesen, das seit Jahrhunderten in der Erde seiner walachischen Heimat gefangen ist, eine zentrale Rolle spielt: Ein Vampir. Harry Keoghs Talent ist ähnlich wie das von Dragosani und gleichzeitig völlig anders. Er ist ein Necroscope, d.h. er kann mit Verstorbenen sprechen. Der Kampf zwischen dem Nekromanten und dem Necroscopen erscheint schnell unvermeidbar.

 

Brian Lumleys Serie wird häufig als Renaissance des zur Zeit seiner Entstehung weitgehend vernachlässigten Vampir-Genres gefeiert. Das ist sicherlich richtig und dem Autor gelingen fraglos einige interessante Modifikationen des bekannten Stoffes. Es ist aber nur ein Teil seiner Leistung. Bedeutender ist, dass es dem englischen Autor gelingt, eine neue, ähnlich interessante Figur in die Horrorliteratur einzuführen, nämlich die des Necroscopen. Der Schriftsteller lässt dabei den Leser erleben, wie sich Keoghs Talent immer weiter entwickelt und montiert dazu parallel die Fortschritte die sein Widerpart Dragosani macht. Glücklicherweise kommt dabei auch die Spannung nicht zu kurz.

 

Bei der Entstehung des Romans steht Lumley nicht mehr so sehr unter dem Einfluss des US-Horrorautors Howard Philips Lovecraft, wie bei seinen ersten Werken. Deswegen steht bei ihm - anders als in den Geschichten des Amerikaners - die Schaffung einer passenden Atmosphäre auch nicht über allem anderen. Das bedeutet nicht, dass er nicht in der Lage ist immer wieder eine dichte und stimmige Atmosphäre, etwa bei der Schilderung der sowjetischen Dezernatszentrale, aufzubauen. Aber Lumley erschafft etwas, was Lovecraft nicht immer gelungen ist: Interessante, glaubwürdige und vielschichtige Charaktere. Das gilt nicht nur für Protagonisten wie Boris Dragosani und Harry Keogh, sondern auch für Nebenrollen wie etwa den ´Kalten Krieger` Gregor Borowitz. Zudem können Lumleys Metaphern und Vergleiche gefallen. Sie sind nicht nur häufig treffend, sondern heben sich auch angenehm vom Althergebrachten ab.

 

Der Auftakt zur Necroscope-Serie enthält einige wenige schockierende Szenen, die besonders vor 25 Jahren auf einige Leser Eindruck gemacht haben dürften. Eine besondere Tour de Force stellt etwa Dragosanis Untersuchung eines Toten zu Beginn dar, die als Autopsie beginnt und als leichenschänderische Zerstückelung und teilweise Verspeisung des Verstorbenen endet. Lumley beschreibt diesen Vorgang ausführlich und präzise, was sicherlich nicht jedem Leser zusagt. Diese Szenen wirken aber nie aufgesetzt, sondern sind als Teil der Handlung absolut stimmig.

 

Nicht ganz gelungen ist Lumley die Struktur seines Romans. Die Handlung stellt weitgehend eine Binnenerzählung dar, welche die geheimnisvolle Erscheinung Alec Kyle in der Rahmengeschichte erzählt. Dies wirkt angesichts einiger der geschilderten Dinge, wie etwa Gedanken und Empfindungen von anderen Personen, nicht ganz schlüssig. Auch das Romanende kann nicht restlos überzeugen, da es recht konstruiert wirkt und zudem für den aufmerksamen Leser zumindest teilweise nicht überraschend ist.

 

Fazit:

„Die Auferstehung“ ist der Auftakt zu einer Horror-Saga, die sich kein Genrefreund entgehen lassen sollte. Brian Lumley gelingt damit nicht nur die Auferstehung des Vampir-Genres, sondern er führt in seinem spannenden und atmosphärisch dichten Roman mit dem Necroscopen zudem eine interessante Figur in die Horrorliteratur ein. Dafür verzeiht man dem Autor kleinere Schwächen, wie die nicht gänzlich überzeugende Rahmenkonstruktion oder den nicht vollständig gelungenen Schluss. Angesichts einiger weniger recht brutaler Szenen ist das Buch für Leser unter 16 Jahren sicherlich nicht geeignet.

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Buch:

Auferstehung

Übersetzuner: Andreas Diesel, Rainer Marquardt und Marcel Häußler

Festa, 25. Mai 2009

Hardcover, 464 Seiten

 

ISBN-10: 3865521010

ISBN-13: 978-3865521019

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51 | Users Online
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