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Aurora von Kim Stanley Robinson

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Es ist das gewaltigste Unterfangen, dem sich die Menschheit seit Beginn der bemannten Raumfahrt je gegenübersah: die Besiedelung eines neuen Sonnensystems. Ein Raumschiff mit Kolonisten machte sich einst auf den Weg zum Tau-Ceti-System, um eine neue Heimat zu finden. Nun, Jahrzehnte später, sind sie beinahe angekommen. Doch welche Abenteuer und Gefahren werden die Menschen dort – 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt – erwarten? Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Menschheitsgeschichte …

 

Rezension:

Das Universum ist unendlich und unvorstellbar groß. Der Wunsch es zu bereisen, Kolonien zu gründen und fremde Lebensformen zu entdecken, beherrscht die Science-Fiction wohl von ihren ersten Geschichten an. Es wurden viele Ideen entwickelt, wie man die gewaltigen Entfernungen zu den nächsten Sternen Planeten überbrücken kann. Je nach wissenschaftlichen Erkenntnisstand und dramaturgischen Vorlieben kann man sich zwischen »magischen« Schnellverbindungen oder physikalisch vorstellbaren Wegen entscheiden. Zu letzteren gehören Generationsraumschiffe.

Kim Stanley Robinson untersucht in Aurora die Erfolgsaussichten eines dieser Projekte. 160 Jahre ist sein Schiff unterwegs. Generationen wechselten sich ab, brachten Veränderungen im Zusammenleben, fanden Lösungen für Probleme der einzelnen Habitate, Biome genannt. Eine eigene Kultur entwickelte sich.

Robinson nutzt den ersten Teil sehr intensiv um uns Anhand einer Beispielfamilie das Leben, aber vor allem auch die Probleme an Bord des Schiffes zu erläutern. Freya ist die sich etwas langsam entwickelnde Tochter von Devi und Badim. Dass wir von ihr erfahren, liegt an der großen Besonderheit des Erzählens. Denn Devi ist eine Art Chefingenieurin und hat eine ganz spezielle Beziehung zur Schiffs-KI aufgebaut. Sie fordert die KI auf, einen Bericht der Reise zu verfassen und im Folgenden sehen wir die Ereignisse aus der Sicht der Schiffsintelligenz. Dabei muss sie nicht nur stilistische Probleme lösen, sondern auch Relevanz und Fokussierung abschätzen lernen.

Da sich Freya durch ihre Persönlichkeit immer mehr zu einer ausgleichenden Figur entwickelt, folgt der Bericht in groben Zügen ihren Erlebnissen und sobald der Erzählschwerpunkt auf Freya liegt, gelingen Robinson sehr intensive Szenen.

Die Entscheidung Robinsons, den Roman aus der KI-Perspektive zu schreiben, ist jedoch ein gewagtes Experiment. Es erleichtert ihm an vielen Stellen, seinen Anspruch an Hard-SF zu erfüllen. So gibt es sehr viele technische, physikalische und soziologische Ausflüge, die mit der wissenschaftlichen Trockenheit der KI abgewickelt werden. Das liest sich wie Vorlesungsmitschriften und stellt eine Herausforderung für die Leserschaft dar.

Robinsons Kernthema ist dabei die Frage, ob eine menschliche Kolonie fernab der Erde überhaupt möglich ist. Ob sich der Aufwand für ein derart unsicheres Experiment lohnt und ob man die dafür nötigen Ressourcen nicht lieber zur Überwindung der realen Probleme der Erde nutzen sollte.

Die Romanhandlung liefert ihm die Möglichkeit, Risiken und Problemfelder näher zu beleuchten. Dabei gelingen ihm durchaus spannende Passagen, die sich jedoch nicht zu einem Ganzen verbinden. Der distanzierte Erzählstil macht es zu dem schwer, Empathie für die Figuren zu entwickeln. Das mag auch daran liegen, dass die Konflikte der Besatzung nicht nur erzählt, sondern auch gleich analysiert und bewertet werden.

Diese Mischform aus Roman und Essaysammlung ist eine Besonderheit Robinsons, auf die man sich einlassen muss, wenn man Spaß bei der Lektüre haben will.

 

Als Übersetzer konnte Heyne erneut Jakob Schmidt gewinnen, der hier wieder eine überzeugende Arbeit lieferte und sogar die Übersetzungen der Gedichte zusammentrug.

 

Fazit:

Aurora von Kim Stanley Robinson ist in erster Linie knochentrockene Hard-SF zu einem hochbrisanten Thema: Lohnt sich der Aufbruch zu den Sternen?

Der besondere Reiz des Romans liegt dabei in seiner Erzählweise aus Sicht der Schiffs-KI und seiner kritischen Behandlung klassischer SF-Themen.

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Aurora

Original: Aurora, 2015

Autor: Stanley Robinson

Übersetzer: Jakob Schmidt

Taschenbuch, 555 Seiten

Heyne, November 2016

 

ISBN-10: 3453317246

ISBN-13: 978-3453317246

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B01G1SX50Q

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 12.01.2017, zuletzt aktualisiert: 13.03.2017 18:53