Die Avengers sind spätestens seit den erfolgreichen MCU-Filmen wohl das bekannteste Superheldenteam. Allerdings haben sich Besetzung und Rolle immer wieder geändert. Das ist kein Wunder. Schließlich blicken »Die Rächer« auf eine mehr als 60-jährige Historie zurück. Das kann für Verwirrung sorgen. Orientierung verspricht das Sachbuch Avengers für dummies.
Gene Selassie leistet deutlich mehr, als nur einfach die Namen und Beschreibungen aller ehemaligen und aktuellen Avengers herunterzurasseln. Stattdessen liefert der Autor zu Beginn den passenden Kontext, indem er zunächst die Vorgeschichte von Marvel und den Anfang des Marvel-Zeitalters sowie schließlich die Gründung der Avengers skizziert. Anschließend widmet er verschiedenen Aspekten wie Mitgliedern, Helfern, Hauptquartieren und Feinden eigene Kapitel. Sogar zu Spin-offs – von A-Force bis Young-Avengers-Events, anderen Realitäten und Zeitlinien sowie den Beziehungen der Teammitglieder liefert Selaisse Informationen. Das alles ist umfangreich und deckt so viele Bereiche rund um die Avengers ab, dass praktisch keine Wünsche offenbleiben. Angesichts der Informationsfülle gibt es nicht nur für Neulinge, sondern auch für alte Hasen Neues zu erfahren.
Das Buch ist so strukturiert, dass sich die einzelnen Kapitel grundsätzlich unabhängig voneinander lesen lassen. Das ist praktisch, wenn gerade nur ein bestimmter Aspekt rund um die Superheldentruppe von Interesse ist. Als schneller Einstieg dient eine »Schummelliste« zu Beginn. Diese listet die Gründungsmitglieder des Teams sowie die wichtigsten Gegenspieler auf und liefert gleichzeitig kompakte Beschreibungen zu diesen. Hilfreich ist zudem das Stichwortverzeichnis am Ende des Bandes, das die Suche nach bestimmten Aspekten – von 3-D Man bis Zodiac – erleichtert. Positiv hervorzuheben sind auch die thematisch passenden Abbildungen – von Comic-Covern oder -Seiten – die immer wieder zwischen den Textpassagen eingestreut sind und die Ausführungen auflockern oder illustrieren.
Allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte. So sind die Abbildungen oft zu klein dimensioniert. Das gilt besonders für die Texte in komplett abgedruckten Comicseiten. Denn diese lassen sich oft kaum entziffern. Ein Nachteil am modularen Aufbau des Bandes ist die Tatsache, dass es bei einer kompletten Buchlektüre zu einigen Redundanzen kommt. Leider gerät der Stil in einigen Passagen – etwa mit zu vielen Passivkonstruktionen und vermeidbaren Wiederholungen – etwas holprig.
Fachlich lässt sich hingegen fast nichts kritisieren. Allerdings führt Gene Selaisse einerseits Rick Jones als Avenger auf, was auch grundsätzlich eine mögliche Interpretation ist. Später schreibt er aber: »In Ausgabe drei versuchen die verbleibenden Avengers und Rick Jones …« Durch die Formulierung wirkt es so, als wäre der junge Mann doch nicht Teil des Teams. Hier wäre mehr Konsistenz, bzw. eine Erläuterung des Konzeptes der ›Ehrenmitgliedschaft‹ wünschenswert gewesen.