Barbarendämmerung (Autor: Tobias O. Meißner)
 
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Barbarendämmerung von Tobias O. Meißner

Rezension von Christel Scheja

 

Anders als viele deutsche Autoren ist Tobias O. Meißner immer für eine Überraschung gut. Er nutzt die Klischees des Fantasy-Genres, um sie auf den Kopf zu stellen und mit Jahrzehnte alten Mythen aufzuräumen. So waren die Helden aus „In Zeichnen des Mammuts“ in grüner Mission unterwegs, um die Natur vor der Zerstörung durch den Menschen zu bewahren, das Leben in einer Grenzfeste wurde in „Die Soldaten“ mit aller Schonungslosigkeit enthüllt und nicht glorifiziert. Nun nimmt er sich den Brüdern Conans in „Barbarendämmerung“ an.

 

Er ist stark, kampferfahren und wortkarg. Der junge Barbar, der in einer Stadt zur Hinrichtung geführt wird, scheint keine Moral zu besitzen, gleichzeitig aber auch ziemlich naiv zu sein. Wie gefährlich diese Mischung ist, zeigt sich, als er sich der Köpfung entzieht und eine blutige Spur hinterlässt.

Aber auch andere müssen feststellen, dass sie ihn nicht besonders kontrollieren können. Sei es dem Mann, der dem Barbaren Gold bietet, um etwas aus einer gut befestigten Villa zu stehlen, die Soldatentruppe, die ihn in ihren Dienst presst und erst viel später merkt, dass er eine ebensolche Gefahr ist, wie die Wilden auf der anderen Seite der Mauer, oder der dekadente Adlige auf seiner Barkasse, der miterleben muss, wie seine Geliebte der Muskelpracht des halbnackten Mannes erliegt. Für einige Zeit lässt er sich sogar das Leben als Rausschmeißer in einem Freudenhaus gefallen, aber nicht einmal das schönste und willigste Mädchen kann ihn lange beeindrucken.

Dann erinnert er sich schon lieber an die unbekannte Frau, die ihm an Muskelkraft und Wildheit gleich kommt, und der er die Flucht ermöglicht

Wer er ist erfährt niemand, denn der Barbar behält persönliche Dinge für sich und lässt sich von seinem Instinkt durch die Lande führen. Ein wirkliches Ziel hat er dabei nicht ... es sei denn man sieht den Wunsch einfach leben zu wollen als solches an. Selbst einen Gott lehrt er Demut ... nur binden lässt er sich von nichts und niemandem.

 

Zwar kehrt der Roman am Ende zum Ausgangspunkt zurück und schließt den Kreis, aber Tobias O. Meißner erzählt keine kompakte und sich geschlossene Geschichte. Die Handlung ist eher in verschiedene Episoden aufgeteilt, die nicht immer miteinander verknüpft sind, so dass es zu überraschenden Sprüngen kommt.

Kenner des „Sword & Sorcery“-Genres werden dabei nicht aus dem Grinsen kommen, macht der namenlose Barbar doch einen ähnlichen Werdegang wie Conan von Robert E. Howard durch, ist Abenteurer und Streuner, Dieb und sogar Soldat im Dienste einer Nation. Er legt sich mit Göttern und Zauberern an, lässt sich von den Armen schöner Frauen umschlingen und genießt das Leben wo er kann ... aber nichts ist so wie erwartet.

Der Autor nimmt die Aussagen von dem Naturburschen mit der schlichten Moral und dem einfachen Lebensmotto ernst. Aus diesem Grund kollidiert der Barbar auch immer wieder mit den Moralvorstellungen anderer Menschen – was ihn so faszinierend wie gefährlich macht, denn wenn man mit ihm zu tun hat, gibt es nicht immer die Chance auch ungeschoren oder gar lebend davon zu kommen. Action gibt es reichlich – allerdings ist sie vorhersehbar, da der Sieger der Kämpfe immer fest steht.

Alles in allem mag die Spannung dadurch geringer sein als man es von anderen Werken um Krieger und Barbaren gewohnt ist, die Atmosphäre macht aber einiges wett. Gerade wenn man bereits andere heroische Geschichten kennt, kommt man ins Grübeln und fragt sich immer wieder, ob „Barbarendämmerung“ nicht viel realistischer ist.

Allein von den Figuren sollte man nicht viel erwarten, ihre Charakterisierung bleibt sehr oberflächlich. Auch der Barbar bleibt ein Archetypus, wenngleich auch viele der typischen Verhaltensweisen anders dargestellt werden.

 

Alles in allem ist „Barbarendämmerung“ ein interessanter Beitrag zur „Sword & Sorcery“, gerade weil der Autor viele Klischees des Genres auf den Kopf stellt und damit gründlich hinterfragt. Erfahrene Leser werden jedenfalls so manchen Seitenhieb auf „Conan“ und Co. entdecken können.

 

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Buch:

Barbarendämmerung

Autor: Tobias O. Meißner

Taschenbuch, 384 Seiten

Piper, April 2012

Titelbild: Hrvoje Besilic

 

ISBN-10: 3492702317

ISBN-13: 978-3492702317

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0070WFVAA

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202407200622202637dda5
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Erstellt: 02.08.2012, zuletzt aktualisiert: 03.06.2024 18:37, 12654