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Bartimäus- Die Pforte des Magiers von Jonathan Stroud

Reihe: Bartimäus Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

„Die Pforte des Magiers“ schließt die „Bartimäus“-Trilogie von Jonathan Stroud, die mit „Das Auge von Samarkand“ begann und in „Das Auge des Golem“ weiter geführt wurde. Dabei entführte er in eine parallele Welt, die der unseren zwar sehr ähnlich ist, aber Magie und Geister in ihren vielfältigen Formen existieren und die wahren Zauberer nicht nur verborgen unter den gewöhnlichen Menschen leben, sondern auch insgeheim Gesellschaft und Politik nach ihrem Gutdünken kontrollieren.

 

Wieder sind zwei, fast drei Jahre begangen. Trotz seiner Jugend ist Nathanael alias John Mandrake durch seine Leistungen in „Das Auge des Golem“ bereits zum Informations-, das heißt Geheimdienstminister, der Regierung aufgestiegen, einer Stellung, die ihm nur wenige Freunde, aber sehr viele Feinde macht. Denn er nimmt seine Aufgabe sehr ernst und maßregelt Zauberer, die doppelt oder dreimal so alt sind wie er, wenn sie nur ein wenig über die Stränge schlagen. Er ist kalt und arrogant, lässt niemanden mehr wirklich an sich heran, um nicht verletzbar zu wirken.

Längst ist Bartimäus nicht mehr sein Vertrauer, sondern nur einer von vielen Dschinnen, die beschworen und eingesetzt werden. So ist es kein Wunder, dass er langsam aber sicher Groll gegen seinen Herrn und Meister entwickelt und ihn verflucht. Den jeder Einsatz kostet ihn immer mehr von seiner Substanz. So hat er auch kein Interesse daran, den jungen Zauberer darüber zu informieren, dass etwas in der Geisterwelt vor sich geht, das nicht unbedingt positive Folgen für die Menschheit haben wird.

Statt dessen hängt er traurigen Erinnerungen nach. Warum kann Nathanael nicht so ein freundlicher und gewissenhafter Herr wie Ptolemäus sein, den er im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Alexandria kennengelernt hat und dem er gerne diente, weil er versucht hat, die Dschinnen und Geister als gleichwertig anzusehen? Er ahnt nicht, dass die Widerständlerin Kitty, das Mädchen, dessen Vermächtnis entdeckt hat und beginnt auf den Spuren des Ägypters zu wandeln.

Doch dann geschieht etwas, das alle drei zwingt, zusammen zu arbeiten, wenn sie nicht unbedingt wollen, das alles, was sie kennen, zerstört wird.

 

Auch „Die Pforte des Magiers, der dritte Roman der „Bartimäus“-Trilogie zeichnet sich über weite Strecken durch schräge Figuren, eine viktorianisch angehauchte Atmosphäre und einem bissigen, fast schon zynischen Humor aus. Aber anders als in den beiden Vorgängern sieht der alte und erfahrene Dschinn die Geschehnisse nicht mehr unbedingt aus einer heiteren und gelassenen Distanz. Er ist ähnlich verkrampft wie Nathanael geworden, der den Rest seiner Gefühle hinter einer Maske aus Härte und Arroganz verborgen hat. Damit treibt der junge Zauberer allerdings auch einen gewaltigen Keil zwischen sich und Bartimäus und wirkt so gut wie gar nicht mehr sympathisch. Er ist noch heimtückischer und skrupelloser geworden, weil er weiß, dass er nicht anders handeln kann.

Seine einzige Schwäche ist Kitty. Noch immer bringt die junge Widerständler Seiten von ihm an Licht, die man fast vergessen glaubte. Sie hat sich einen großen Teil ihrer idealistischen Gedanken bewahrt, auch wenn sie selbst härter geworden ist.

Und beide färben auf ihre Weise auf Bartimäus ab, der auch nicht mehr ganz so nett und humorvoll wirkt, wie am Anfang.

„Die Pforte des Magiers“ ist weitaus erwachsener und düsterer als „Das Amulett von Samarkand“ oder „Das Auge des Golems“. Nicht allein die Figuren sind unheimlicher und negativer geworden, auch die Handlung hat an Schärfe und stellenweise an Brutalität zugenommen, vor allem, als die Dschinnen den Aufstand wagen und mit ihren ehemaligen Herrn ganz und gar nicht glimpflich umgehen. Und auch am Ende bleibt er konsequent, was jüngere Leser unter Umständen schocken könnte.

Aber gerade das macht das Buch Erwachsene interessant, die nicht nur die bissigen Kommentare von Bartimäus schätzen werden, sondern auch die realistischeren Wendungen, die nicht zwingend auf ein Happy End zu arbeiten.

 

„Die Pforte des Magiers“ ist noch ein Stückchen weniger harmlos und lustig als seine Vorgänger und sollte nicht als Kinderbuch im Stil von „Krabat“ betrachtet werden. Ähnlich wie Harry Potter entwickelt die Geschichte immer mehr düstere Qualitäten.

Selbst wenn sich die Gewaltdarstellungen im Rahmen halten, so hat man nun deutlich das Gefühl, dass es keine klare Trennlinie zwischen Gut und Böse gibt und der Zweck im Prinzip die Mittel heiligt - nicht unbedingt Werte, mit denen man schon keine Kinder begeistern sollte. Die zynischen und bösen Anspielungen machen das Buch eher für Erwachsene lesbar, die bereits zwischen den Zeilen lesen können, weil sie aus Erfahrung wissen, was der Autor meint.

 

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Eure Meinung:

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FantasyFan01
Sonntag, 09. August 2009 21:11 Uhr
Am Anfang war ich schockiert über Nathanael. Schön und gut er war zu einem richtigen Magier geworden usw., aber ich hätte nie vermutet, dass er es mit Bartimäus so weit treibt, dass es schon fast zu seiner Auslöschung führt.
Das dramatische Ende hat mich total gebannt. Hierfür war die Entwicklung von Nathanael entscheidend, denn es wäre lange nicht so gut gewesen hätte er nicht davor noch seinen Egotrip durchlebt. Es war viel entscheidender, dass er zu sich selbst findet nachdem er sich verloren hatte, als wie wenn er die ganze zeit über der glamuröse, aufopferungsvolle 0-8-15 held gewesen wäre (manchmal frage ich mich ob meine sätze noch einen sinn ergeben *g*).
Nur Kitty stört mich. Ich mag sie generell in allen Teilen nicht so gerne, obwohl sie eine der tragenden Figuren in der Handlung darstellt, habe aber keine Ahnung warum.
Natürlich zeigt sich auch Bartimäus wieder von seiner besten Seite, die wir alle so lieben. Was wäre das buch auch ohne die gewohnten bemerkungen am ende der seite.


Fazit: Bis auf meine unbegründete Abneigung auf Kitty (Emoticon) liebe ich diese Bücher!

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Bartimäus- Die Pforte des Magiers

Reihe: Bartimäus, Bd. 3

Autor: Jonathan Stroud

Original: The Bartimaeus Trilogy - Ptolemy’s Gate, 2005

broschiert - 600 Seiten

Blanvalet, erschienen April 2008

ISBN 978-3-442-36801-3

Übersetzung aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung

Titelbild von David Wyatt

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.05.2008, zuletzt aktualisiert: 03.01.2020 12:37