Ende des letzten Jahrtausends schufen Autor Jeph Loeb und Zeichner Tim Sale mit Batman – Das lange Halloween einen echten Klassiker. Wer die Geschichte um den Holiday-Serienmörder kennt, weiß, dass am Ende nicht unbedingt alles geklärt ist. Deswegen gibt es einige Storys, die daran anknüpfen. Eines der letzten Worte soll nun der Zweiteiler Batman – Das lange Halloween haben.
Wieder ist es Halloween in Gotham City und erneut kommt es zu rätselhaften Verbrechen. Zunächst wird das Kind von Commissioner Gordon entführt. Dann verschwindet Catwoman, nachdem jemand auf sie geschossen hat. Die Spuren deuten auf den Holiday-Killer hin. Doch das ist doch eigentlich gar nicht möglich. Oder vielleicht doch? Batman ermittelt mit Robin. Doch der will sich beweisen und sucht dabei immer wieder die Gefahr.
Wenn es jemanden gibt, der »Das lange Halloween« gekonnt weiterführen kann, ist es natürlich Jeph Loeb. Der erfahrene Autor knüpft präzise an den zuvor kreierten Meilenstein an und führt die Geschichte weiter, als ob seitdem nicht drei Jahrzehnte vergangen wären. Gleichzeitig bindet er Robin als draufgängerischen Sidekick von Batman ein, rückt dessen Love-Interest Catwoman geschickt in den Fokus und macht den Mitternachtsdetektiv zum Helfer in der Not für seinen Freund Jim Gordon. Dann mischen auch noch FBI-Agenten und schließlich fast alle, die als Schurken in Gotham Rang und Namen haben, mit. Dieser Druck, der von gefühlt allen Seiten auf dem Dark Knight lastet und unter dem er zu zerbrechen droht, sorgt für ein intensives Leseerlebnis und macht den besonderen Reiz bei der Lektüre aus. Ob am Ende wirklich die vielen Puzzleteile zusammenpassen, wird jedoch erst der zweite und letzte Band zeigen.
Als Zeichner wäre natürlich Tim Sale prädestiniert. Der US-Amerikaner verstarb jedoch bereits 2022. Statt einen einzigen Künstler als Nachfolger zu präsentieren, gebührt die Ehre nun einem Quintett. Die Namen können sich hören lassen: Eduardo Risso (Batman: Kaputte Stadt und weitere Geschichten), Klaus Janson (Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters), Mark Chiarello, Cliff Chiang und Bill Sienkiewicz.
Alle Zeichner leisten überwiegend starke Arbeit, bringen dabei jedoch ganz unterschiedliche Stile in das Projekt ein. So gestaltet Risso die düstere Halloween-Atmosphäre wohl am besten und liefert stimmungsvolle Doppelseiten mit Harvey und Gilda Dent sowie Catwoman und Robin ab. Dafür setzt Janson einen Angriff auf den Pinguin packend in Szene. Leider verfällt er aber immer wieder in die Unart, merkwürdig gepunktete Flächen zu präsentieren. Zwar wirkt bei Chiarello der Riddler wie eine Witzfigur. Dafür lässt er Batman aber einen starken Auftritt hinlegen. Bei Sinnkiewicz wirkt der Dunkle Ritter eher wie eine Naturgewalt als wie ein Mensch. Das alles sind oft reizvolle Interpretationen, wobei die Stilvariationen jedoch auch die Immersion erschweren.