Selbst, wer sich nicht zu den Comic-Nerds zählt, dürfte wissen, dass hinter der Batman-Maske der Milliardär Bruce Wayne steckt. Das ist aber nicht immer und überall der Fall – etwa in der alternativen Realität des DC-Events Flashpoint. An das knüpft der Band Batman: Flashpoint Beyond an. Hier sind nicht Thomas und Martha Wayne, sondern ihr Sohn Bruce in der Crime Alley einem Raubüberfall zum Opfer gefallen. Deswegen trägt auch Thomas Wayne die Batman-Maske. Eigentlich sollte diese Welt nicht (mehr) existieren. Also muss Wayne Senior ermitteln, warum das doch der Fall ist und nebenbei die Identität des mysteriösen Uhrwerk-Killers lüften.
Das Trio Geoff Johns (Batman: Erde Eins), Jeremy Adams (Zurück auf der Erde) und Tim Sheridan bringt Abwechslung in die Welt von Batman. Denn die Autoren kreieren hier keinen bloßen Abklatsch des Mitternachtsdetektivs. Dieser Dark Knight ist düsterer und hat mit dem Batman, den wir kennen, fast nur die Maske gemein. Mit seinen analytischen Fähigkeiten kann er seinem Filius nicht den Batarang reichen, agiert allerdings deutlich kompromissloser. Für Batman-Kennerinnen und -Kenner dürfte es ein großer Spaß sein, die Variationen des vertrauten Settings zu verfolgen. Wer hätte etwa gedacht, dass Oswald Copplebot einmal die Rolle des Butlers Alfred einnehmen könnte? Das alternative Setting zeichnet sich insgesamt durch eine stimmige Düsternis aus.
Bei allem Reiz hat der Ansatz aber auch einige Schwächen. Wer das Event »Flashpoint« kennt, sollte einerseits von der Identität des Uhrwerk-Killers nicht sonderlich überrascht sein. Ohne diese Kenntnisse dürften andererseits einige Aspekte der Handlung für Verwirrung sorgen. Die Story verliert sich in Teilen unnötig in der (Pseudo-)Physik, wenn es im Kontext des »Divinatorischen Kontinuums« einerseits um Omniversum, Multiversum, Metaversum, dunkles Multiversum und die Sphäre der Götter sowie anderseits um Hypertime, Limbus und den Vanishing Point geht. Kleine Kostprobe gefällig?
»Grundsätzlich sind das Omniversum und dessen Multiversen in ihrem Wesen konzeptuell, die Hypertime aber ist emotional.«
Außerdem befolgen Johns, Adams und Sheridan an mehreren Stellen die goldene Regel »Show don’t tell« nicht. So gibt es viel von epischen Kämpfen zwischen Amazonen und Atlantern sowie anderen spannenden Ereignissen zu lesen, aber leider nur sehr wenig zu sehen. Daneben gibt es einige logische Lücken, die auch den neuen Sidekick von Batman betreffen – auch wenn die zu Grunde liegende Idee durchaus Charme hat. Zudem ist die Geschichte nicht wirklich abgeschlossen, obwohl auf der Rückseite des Bandes mit »Komplette Story!« geworben wird. So fällt der Schluss letztlich etwas unbefriedigend aus.
Für die visuelle Umsetzung sind vor allem Xermanico (Clayface), Mikel Jannín, Eduardo Risso (Batman: Kaputte Stadt) und Romulo Fajardo jr. (DC Celebration: Wonder Woman) verantwortlich. Die Künstler liefern überwiegend eine sehr starke Leistung ab. So kommt die brutale Alternativ-Welt vor allem in ihren seitenfüllenden Zeichnungen herrlich düster zur Geltung. Das ist etwa in einem symmetrisch aufgebauten Panel der Fall, in der Thomas Wayne als Batman zwei Altanter so völlig anders besiegt, als es sein Sohn getan hätte. Gelungen ist auch die Paneldistribution. Sehenswert ist hier beispielsweise eine Doppelseite, die Leserinnen und Leser – verteilt auf Spiegelscherben – in die Vergangenheit des »Batversums« führt. Zur dichten Atmosphäre trägt das wiederholte Spiel mit Licht und Schatten bei. Allerdings hätten die Kostüme von Bruce-»Batman« und Thomas-»Batman« gerne noch etwas unterschiedlicher ausfallen dürfen.
Als Bonus gibt es am Ende des Bandes übrigens eine Fülle von sehenswerten Variant-Covern sowie interessanten Konzeptzeichnungen zu sehen.