Auch Jahrzehnte, nachdem Batman sein Debüt gefeiert hat, gibt es immer noch reichlich über den Dark Knight zu erzählen. Für Abwechslung sorgen dabei vor allem die sogenannten Elseworld-Storys, bei denen Setting bzw. Zeit variieren. Besonders populär im »Batversum« ist in diesem Zusammenhang Gotham by Gaslight. Auf dieser Tradition baut Das kryptonische Zeitalter auf.
Ende des 19. Jahrhunderts ist Gothams Elite von einem Mysterium fasziniert. Das Wissen der kryptonische Zivilisation soll ungeahnte Möglichkeiten bieten. Auch Bruce Wayne finanziert Expeditionen an die entlegensten Orte der Welt, um das Wissen der Kryptonier zu erlangen bzw. zu verhindern, dass es in die falschen Hände gerät. Doch Talia al Ghul hat ganz andere Pläne und auch Selina »Catwoman« Kyle ist in die Angelegenheit verwickelt. Doch da sind noch viel mehr Figuren, die Batmanfans bekannt vorkommen dürften.
Autor Andy Diggle ist vor allem für seine Arbeit an Green Arrow: Das erste Jahr bekannt, für die ihn die Macher der TV-Serie in ebendieser namentlich verewigt haben. Hier tut er mehr, als nur das klassische Batman-Settig in die 1890er-Jahre zu transponieren. Er greift auch Steampunk- und vor allem Horror-Elemente auf. So verweisen etwa einige Aspekte auf die Werke von H. P. Lovecraft. Gleichzeitig variiert er eine ganze Reihe von bekannten DC-Figuren, erkundet in unterschiedlichen, aber fast durchweg sehr unterhaltsamen Erzählsträngen spielerisch neue Möglichkeiten und beendet den ersten Band mit einem Ausrufezeichen. Allerdings ist es des breiten Ansatzes und der Vielzahl an behandelten DC-Charakteren geschuldet, dass Diggle nicht besonders in die Tiefe gehen kann. So ist hier letztlich Batman oft auch nur eine Figur von vielen, was einige Fans des Dark Knight etwas enttäuschen könnte.
Für Tusche und Illustrationen zeichnet Leandro Fernández (Operation: Crystal Ball) verantwortlich. Der Argentinier fängt in seinen Bildern die oft unheimlich-düstere Stimmung gut ein. Das gilt vor allem für Gotham im 19. Jahrhundert, das er weitgehend realistisch, aber mit einigen gotischen Akzenten, anlegt. Das Design der meisten Charaktere ist gelungen, wobei eigentlich nur seine Interpretation von John Constantine etwas enttäuschend geraten ist. Während der Künstler Sequenzen immer wieder schön dynamisch und oft filmisch – etwa mit Parallelmontagen oder Heranzoomen – gestaltet, wirken bei einigen Panels die Hintergründe leider etwas lieblos.