Die ersten Wörter des Titels Albträume in Gotham dürften Fans des Dark Knight ziemlich bekannt vorkommen. Richtig: Es geht um den mysteriösen Antagonisten Insomnia, der Träume heimsucht, um einen besonderen Gegenstand zu finden. Doch anders als im Band Batman: Knight Terrors geht es hier nicht primär um die Ereignisse in der realen Welt, sondern vor allem um die Erlebnisse von heldenhaften Bewohnern Gothams in der Traumwelt. Die Anthologie befasst sich in verschiedenen Geschichten mit den Nachtmahren von Bruce Wayne, Damian Wayne, Dinah Drake Lance, Roy Harper, Jim Gordon, Tim Drake, Jason Todd sowie Dick Grayson.
Ein Highlight ist dabei Die guten Menschen von Gotham von Dan Watters (Loki: Der Lügner), bei der Jim Gordon im Fokus steht. Die Geschichte hat einen klaren Albtraumcharakter, indem sie Ängste der Gordons thematisiert, aber metaphorisch umdeutet. So entsteht eine phantastische Story um eine Beschwörung von außerweltlichen Wesen. Die und der Zerfall von Körpern sind vom Zeichnertrio Riccardo Federici, Mike Perkins und Stefano Reffaele ansprechend dargestellt. Da ist es zu verschmerzen, dass die in weiten Teilen hohe Qualität bei den letzten Panels etwas nachlässt.
Gelungen ist auch der Albtraumtrip von Bruce Wayne. Den hat der Hauptverantwortliche für das Event »Knight Terrors«, Joshua Williamson (Batman – One Bad Day: Clayface) persönlich erdacht. Fans dürften zwar erahnen, welches Ereignis den Dunklen Ritter in seinen Träumen verfolgt. Dennoch gibt es einige Überraschungen. Allerdings hätte sich der Autor am besten vollständig auf die Traumebene konzentriert. Denn so wird das Publikum teilweise etwas aus der Traumwelt herausgerissen. Dafür hat aber Guillem March die Vision von Joshua Williamson schön schaurig umgesetzt – inklusive einiger toller Panels im Großformat.
Ebenfalls lesenswert ist das Albtraum-Team-up von Tim Drake und Jason Todd. Denn Autor Kenny Porter (Batman – Urban Legends: Die Geister von Gotham) liefert mehr als »nur« einen beliebigen Nachtmahr. Er entwickelt die Figuren auf Basis ihrer Charaktere auch stimmig weiter, sodass der Albtraum in eine Lektion mündet. Zeichner Miguel Mendoca liefert dazu die passenden und meistens überzeugenden Panels, deren Qualität und Detailliertheit aber etwas schwankt.
Eher als Lückenfüller gehen leider die beiden Traumgeschichten über Damian Wayne, Dinah Drake Lance und Roy Harper durch, die auch von Joshua Williamson stammen. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie nur ziemlich kurz geraten sind. Besonders die Geschichte über Bruce Waynes leiblichen Sohn lässt Horrorelemente vermissen. Insbesondere der Manga-Stil von Zeichner David Lafuentes lässt – vor allem bei der Gestaltung von Damian – keine Gruselatmosphäre aufkommen. Da ist der gemeinsame Albtraum von Black Canary und Arsenal immerhin stimmungsvoller geraten. Das Ganze wirkt aber zu gehetzt und bietet keinen überzeugenden Höhepunkt. Beide Storys wirken fast so, als müsste zu den Figuren einfach noch etwas vage Albtraumhaftes den Weg ins Heft finden.
Daumen hoch für die Variant-Cover am Ende des Bandes. Hier finden sich gleich mehrere, schön schaurige alternative Titelbilder: gruselig gut.