Mit dem Batman-Comic Das erste Jahr haben Frank Miller und David Mazzucchelli einen echten Comic-Klassiker geschaffen, der sich mit den Anfängen des Dark Knight beschäftigt. Noch keine Rolle spielte dabei sein Sidekick Robin. Grund genug, dass sich Mark Waid und Chris Samnee jetzt der Anfangszeit des Dynamischen Duos mit Das erste Jahr Band 1 widmen.
Nach dem Tod seiner Eltern ist Dick Grayson erst einmal probeweise in die Obhut von Milliardär Bruce Wayne überstellt. Beide müssen nicht nur das Jugendamt überzeugen. Als Wunderknabe Robin geht der ehemalige Zirkusartist zudem bei Batman als maskierter Verbrechensbekämpfer in die Lehre. Dabei ist die Lage in Gotham ziemlich explosiv. Warum bekriegen sich die lokalen Verbrecherbanden plötzlich? Hat das etwas mit einem neuen Schurken namens General Grimaldi zu tun und welche Rolle spielt dabei Two-Face?
Chris Samnee ist hier nicht nur für Zeichnungen und Tusche verantwortlich, sondern hat auch den Plot mitgestaltet. Der Eisner Award-Gewinner führt mit seinen Panels die Leserschaft auch optisch in die Anfangszeit von Batman und Robin zurück. Dafür setzt der US-Amerikaner gezielt einen Retro-Stil ein, der nostalgisches Flair verströmt. Moderne Akzente und ein abwechslungsreiches Paneldesign hübschen die Bilder allerdings so auf, dass das Ergebnis nicht altbacken, sondern eher stimmig-charmant wirkt. Dabei erinnert vor allem die Gestik von Robin teilweise frappierend an ältere Comics sowie die klassische Batman-TV-Serie. Natürlich hätte Samnee die Mimik seiner Figuren noch etwas realistischer ausarbeiten und die Gesichter akzentuierter darstellen dürfen. Das hätte dann aber wohl nicht mehr so gut zur Retro-Optik gepasst. Etwas enttäuschend ist allerdings die visuelle Umsetzung einer Queransicht auf Gotham im Allgemeinen und die Bat-Höhle im Speziellen geraten.
Hauptverantwortlich für die Story ist Marc Waid. Der erfahrene Autor bietet seinem Publikum eine spannende (Gangster-)Geschichte mit einem neuen Antagonisten. Darüber hinaus beleuchtet er auch stärker die Psyche von Dick Grayson sowie die alles andere als konfliktfreien Beziehungen zu Bruce Wayne und Alfred Pennyworth. Solche Aspekte spielten bei den ersten Auftritten des Dynamischen Duos bekanntlich eher eine untergeordnete Rolle. Dadurch wirkt der Plot nicht nur facettenreicher, sondern auch realistischer. Für die Lösung des Rätsels um die plötzlich aufkeimenden Konflikte zwischen Gothams Verbrecherfamilien greift Waid ziemlich stimmig auf eine klassische Figur aus dem Batman-Kosmos zurück. Schade nur, dass ein Cover das bereits zu früh verrät.