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Beautiful (BR; Thriller; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Beautiful. Hmm. Spontan klingt das nach lauer Hausfrauen-Romantik. Eventuell auch nach einem zartbitteren Coming of Age-Drama. Das attraktive blonde Fräulein auf dem Cover könnte da schon ein direkter Hinweis sein. Wäre da nicht der blutrote FSK-Flatschen, der zu der verträumten Vorgarten-Szenerie einfach nicht passen möchte. Ein klassischer Fall von Irreführung? Es sieht ganz danach aus. Allerspätestens, wenn von Abgründen die Rede ist. Oder solch entlarvenden Klassikern wie David Lynchs Blue Velvet (1986) oder dem Oscarabräumer American Beauty (1999). Das lässt aufhorchen, macht unruhig – und setzt die Messlatte ziemlich hoch. Das Regisseur Dean O’ Flaherty Australier ist, steigert die Erwartungen sogar noch. Weshalb? Ganz einfach: Weil die Szene der Autoren und Filmmacher in den letzten Jahren so manches Juwel hervorgebracht hat, und oftmals mutiger und roher daherkam als die meisten ähnlich gearteten Produktionen aus den USA und zum Teil auch Europa.

Also: Eine schonungslose Demontage des scheinbar perfekten Spießbürgertums – und dass aus den Händen eines hungrigen Nachwuchsregisseurs? Na, immer her damit!

 

»Beautiful« spielt im Mikrokosmos der heilen Vorstadt-Gesellschaft des fiktiven Städtchens Sunshine Hills. Hier ist die Welt in Ordnung; zeigt der erste genauere Blick makellose Hausfassaden und sauber getrimmte Rasen als Bestandteile einer perfekten Idylle. Ein genaueres Hinsehen offenbart jedoch die dunklen Seiten hinter den strahlenden Gardinen und frisch geputzten Fensterscheiben. Dies ist ein Ort für sexuelle Andersartigkeiten. Ein Platz, an dem die ausgeuferte Liebe eines Vaters zu seinem Kinde ausgelebt werden kann. Hier verschwanden auch mehrere junge Mädchen – spurlos. Es ist ein Wechselbad aus Friedlichkeit und dem absoluten Grauen, in dem der 14jährige Daniel aufwächst. Und auch sein, nur scheinbar normal verlaufende Weg ins Erwachsenwerden weißt bei genauerer Betrachtung Risse auf. Denn Danny ist ein Außenseiter. Ein stiller, in sich gekehrter Junge, der sich weniger für Sport und Autos interessiert denn für Horrorromane und die Fotografie. Kein Wunder also, dass er von seinen Klassenkameraden gemieden wird. Aber nicht nur von denen. Ausgerechnet sein eigener Vater hält ihn für einen Versager – und lässt keine Gelegenheit aus, dies seinem Sprössling unter die Nase zu reiben. Da spielt auch die eher sporadische Unterstützung von Daddys Freundin Sherrie (Peta Wilson) keine allzu große Rolle mehr.

Dennoch gibt es eine Sache, an der Daniel mindestens genauso interessiert ist, wie seine gleichaltrigen Mitschüler: Mädchen. Besonders angetan hat es ihm die wunderhübsche Suzy (Tahyna Tozzi), die in einem der Nachbarhäuser lebt und sich so gar nicht den Gepflogenheiten ihrer reichlich versnobten Eltern angepasst hat. Die junge Frau mag laute Musik, flucht und räkelt sich zudem gerne und im knappen roten Einteiler auf der Liege des heimischen Vorgartens herum. Ein mehr als perfektes Motiv für Daniel, der der jungen Frau heimlich nachstellt und auf Film bannt. Das ihm Suzy jedoch längst auf die Schliche gekommen ist, ahnt er nicht.

Doch zwangsläufig treffen die beiden schließlich aufeinander. Sofort erkennt Suzy Davids extrovertiertes Wesen und beginnt, es für ihren Vorteil auszunutzen. Ihre schlagkräftigste Waffe wird dabei ihr makelloser Körper. Langsam, aber zusehends verfällt David ihren Reizen und verwandelt sich immer mehr vom schüchternen Teenager in einen Prügelknaben. Ein williges Opferlamm, das Suzy gleichgültig gen Schlachtbank schicken will – oder besser gesagt hin zu jenem Haus, das die vermeintlichen Mädchen-Kidnapper enthält. Alles, um die eigene Neugier zu befriedigen. Ohne Rücksicht auf Verluste …

 

Theoretisch überwiegt der positive Anteil in »Beautiful«: es gibt wunderschön eingefangene Aufnahmen (die besonders auf Blu Ray Eindruck schinden), eine ordentliche Ansammlung gut agierender Schauspieler, eine Prise jugendliche Unschuld vermischt mit den Reizen der verbotenen Früchte – und dennoch kann der Film nicht überzeugen. Woran liegt’s?

 

Es hat was von dem ersten Blick auf das verträumt-malerische Sunshine Hills. Oberflächlich scheint alles stimmig zu sein; sind die Voraussetzungen für eine bitterböse Abrechnung mit dem vorstädtischen Spießertum mehr als gegeben – bis der zweite Blick klaffende Wunden offenbart. Im Falle von »Beautiful« hört jener fatale Makel auf das Wort »Drehbuch«. Ein bisschen mehr Einfallsreichtum hätte da sicherlich nicht geschadet. Etwa bei den Dialogen, die leider oft – zu oft – klingen wie Stückwerk aus dem Klischee-Baukasten. Bestes Beispiel sind da etwa viele der Predigten, die Dannys Vater an seinen Sohn richtet. Bei aller Liebe, aber irgendwann ist diese stumpfe Form der Abgedroschenheit einfach nur noch nervtötend. Leider beschränken sich diese Passagen allerdings nicht auf den Konflikt zwischen Vater und Sohn, sondern ziehen sich auch durch Dannys Begegnungen mit Suzy und selbst mit den vermeintlichen Entführern und Mördern am Ende der Straße. Im Gegenzug nimmt sich O’ Flaherty Zeit. Verdammt viel Zeit. Und beraubt »Beautiful« um das Element der Spannung. Nicht selten wirken viele der verträumten Passagen sinnfrei und erwecken dadurch den Eindruck, dass ihre einzige Aufgabe darin besteht, den Film auf eine akzeptable Länge aufzuplustern. Doch statt langsamer Kamerafahrten und Aufnahmen hätte sich O’ Flaherty lieber mal auf seine Pro- und Antagonisten fokussieren sollen. Denn die bleiben größtenteils einfach zu blass oder sind schlichtweg mit zu vielen und zu bekannten Schablonenhaftigkeiten behaftet, um als glaubwürdig durchzugehen. Die einzige Ausnahme stellt Tahyna Tozzi dar, der man die junge Femme Fatale ebenso abkauft wie deren Motivation (Stichwort Elternhaus). Aber der Rest? Da wird ein geradezu gewaltiges Potenzial verschenkt – nicht nur in Bezug auf Danny und seinen Vater. Und das ist umso ärgerlicher, da die wirklich gut gemeinten Intentionen gelegentlich aufblitzen und andeuten, welches Potenzial hier so leichtsinnig verschleudert wurde. Gerade der Ansatz beziehungsweise die Ursachen von vorstädtischer Paranoia und moralischer Zerrüttung hätten »Beautiful« auf ein gänzlich anderes Level hieven können. So aber bleibt die Enttäuschung. Leider.

 

Fazit:

»Beautiful« darf durchaus als Huldigung vor Meisterregisseuren wie David Lynch, Richard Kelly oder Sam Mendes verstanden werden. Mehr aber auch nicht. Regisseur Dean O’ Flaherty besitzt zwar unzweifelhaft Talent, leider aber (noch) nicht deren Klasse. Sein Manko: Er konzentriert er sich auf viel zu lange und oftmals sinnlose Aufnahmen, die zwar dank des großartigen Bildes der Blu Ray beeindrucken, schlussendlich aber ein weiterer Mosaikbaustein der vorherrschenden Spannungslosigkeit darstellen. Chance vertan!

Eure Meinung:


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BR:

Beautiful

Originaltitel: Beautiful

Australien 2009

Regie: Dean O'Flaherty

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: 18

WVG , Splendid, 28. Januar 2011

Spiellänge: 97 Minuten

 

ASIN: B0048IDRC8

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Michelle Chin

Deborra-Lee Furness

Sebastian Gregory

Rebekah Rimington

Erik Thomson

Tahyna Tozzi

Peta Wilson


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Erstellt: 26.03.2011, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23