Belladonna (Autorin: Anne Bishop; Die dunklen Welten Bd. 2)
 
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Belladonna von Anne Bishop

Reihe: Die dunklen Welten Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

Wie Tanith Lee vor mehr als zwanzig Jahren so wählt sich auch Anne Bishop ihre Helden aus den Reihen der Geschöpfe der Finsternis. In Deutschland bekannt geworden ist sie mit ihren Romanen aus der „Welt der Dunkelheit“. Auch ihre neue Saga um die „Dunklen Welten“ schlägt wieder in diese Kerbe, denn Ephemera ist ein Reich der sich wandelnden Welten, in denen sich Halbdämonen und Menschen, Incubi und Succubi neben Magiern und Weltenschöpferinnen tummeln.

 

Gloriana Belladonna ist die mächtige Gebieterin über das Land Ihre vordringlichste Aufgabe ist es, die Wandlung der Welten zu steuern und unkontrollierte Auswüchse einzudämmen. Dazu gehört es auch, sich mit Dämonen anzulegen, die immer wieder auftauchen, um Chaos zu verbreiten und Ephemera in den Untergang zu stürzen.

Dabei hat Belladonna den „Sündenpfuhl“ geschaffen. Das ist ein Ort, an dem sich die düsteren Leidenschaften der Menschen und anderen Wesen den dort lebenden Dämonen Nahrung und Heimat bieten.

Nun, nachdem sie Sebastian, dem Halbdämonen und Incubus zu seinem Glück verholfen hat und er an der Seite der schönen wie unschuldigen Lynnea in ihrem Haus leben darf, kümmert sich Belladonna endlich wieder um ihre eigenen Belange. Sie stellt sich dem „Weltenfresser“ entgegen, einer dämonischen Wesenheit, die schon vielen Lebewesen den Tod gebracht und Teile des Landes zerstört hat. Sie folgt dem Ruf von Brighid, eine ältere Weltenschöpferin, die sich aufs Land zurückgezogen hat, und die nun um das Leben ihrer Nichte Caitlyn fürchtet, die in den Bann des Weltenfressers geraten ist.

Dabei begegnet sie auch dem Vagabunden Michael, der nicht nur der Bruder des jungen Mädchens, sondern auch ein hoch begabter Magier ist. Gemeinsam stellen sich beide der Bedrohung, die gefährlicher ist, als ihnen bewusst war und spüren, dass es nur einen Weg gibt, ihren Feind zu besiegen.

 

Wie immer setzt Anne Bishop mehr auf Dialoge, zwischenmenschliche Beziehungen und einen Hauch Magie. Kämpfe und Schlachten sind eher Nebensache und dienen dazu, die eher ruhige Handlung etwas aufzupeppen. Tatsächlich erinnert auch „Beladonna“ eher an leidenschaftliche Liebesromane als ein Fantasy-Abenteuer. Sie nimmt sich sehr viel Zeit, die Beziehungen zwischen den Figuren zu beschreiben und die Persönlichkeiten in Bezug auf die Liebe zu entwickeln.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Helden an Tiefe gewinnen, eher das Gegenteil ist der Fall. Sie bleiben Archetypen. Belladonna besitzt keine unverzeihbaren Schwächen, sie ist vor allem schön, klug und mächtig. Ähnliches kann man von Michael, ihrem männlichen Gegenpart sagen. Der Weltenfresser wird anfangs zwar interessant geschildert, dient nachher aber nur dazu um gewisse Personen zusammen zu bringen. Ephemera ist eben eine Welt der Superlativen - Durchschnittstypen spielen hier allenfalls eine Statistenrolle.

Die komplizierten, von vielen Leidenschaften regierten Abenteuer der Helden, wie auch den Irrungen und Wirrungen ihrer Liebe beherrschen den Roman, und sind hin und wieder mit kleinen erotischen Gags gespickt, wie die „phallischen Köstlichkeiten“, aber wirkliche Sex-Szenen gibt es nicht.

Wie auch schon „Sebastian“ so krankt auch „Belladonna“ an den übertrieben ausgewalzten Beziehungen. Die exotische Welt von Ephemera hat ihre interessanten und spannenden Seiten - diese liebevoll gestalteten Ideen gehen aber in den romantischen Amouren der Figuren völlig unter. Daher bleibt es nicht aus, dass der Roman gerade im Anfangs- und Mittelteil ziemliche Längen hat und nur langsam in Gang kommt.

 

„Belladonna“ dürfte vor allem den Leserinnen gefallen, die ein Faible für starke Frauen, dämonische Wesen und erotisch eingefärbte Beziehungen vor einem düsteren und romantischen Hintergrund haben. Wer allerdings mehr erwartet sollte die Finger von dem Buch lassen, da es aufgrund der Gewichtung viele durch den Hintergrund geschaffene Möglichkeiten verschenkt.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240714045436d35afbc8
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Belladonna

Reihe: Die dunklen Welten, Bd. 2

Autorin: Anne Bishop

broschiert, 526 Seiten

Heyne, erschienen März 2008

ISBN 978-3-453-52384-5

Übersetzung von Kristina Euler

Titelbild von Dirk Schulz

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 06.03.2008, zuletzt aktualisiert: 03.06.2024 18:37, 5970