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Beowulf - Das Spiel zum Film

Rezension von Björn Backes

 

Eine Legende auf dem Brett:

Die Bowulf-Sage wurde bereits vor knapp drei Jahren vom Kosmos-Verlag für eine Brettspiel-Variante adaptiert, wurde jedoch aufgrund des recht anspruchslosen Spielmechanismus’ von Kritikern wie Strategiespiel-Liebhabern gleichermaßen verschmäht. Seitdem kursiert der Name der Sagengestalt jedoch ständig in den Reihen des Geselschaftsspiel-Gemeinde herum, jüngst forciert durch das Filmprojekt um den mutigen Helden und seinen Widersacher Grendel. Fantasy Fight Games respektive der Heidelberger Spieleverlag haben diesen Streifen nun als Anlass zu einem weiteren Brettspiel um die Legende genutzt, sich dabei jedoch nicht von den üblichen, verlagseigenen Fantasy-Epen leiten lassen. „Beowulf: Das Spiel zum Film“ ist weitaus weniger komplex, als man dies vorab erwarten durfte, gleichermaßen aber auch leicht überschaubar. Qualitätsprädikat oder die typische Spiel-zum-Film-Misere? Schwer zu sagen…

 

 

Spielidee:

 

In „Beowulf: Das Spiel zum Film“ schlüpfen bis zu vier Spieler in die Rolle eines Skalden, der versucht, die Legende von Beowulf auf seine eigene Art und Weise zu erzählen. Jeder übernimmt die Kontrolle über Beowulf und seine Gefährten, führt sie über drei Kapitel der Legende durch die waghalsigsten Abenteuer und sammelt dabei möglichst viele Sagenpunkte, um schließlich den größten Einfluss auf den Verlauf der Sage zu übernehmen.

 

Das Spiel gliedert sich dabei in drei Episoden, die jeweils den Kontrahenten des Titelhelden gewidmet sind. So kämpfen die Gefährten zunächst gegen den gemeinen Grendel, schlagen sich anschließend mit seiner heimtückischen Mutter herum und müssen sich als Letztes dem grausamen Goldenen Drachen stellen. All dies geschieht jeweils in einem rechteckigen Raster, in welches man Plättchen und Figuren platziert. Je nachdem, in welche Reihe man nun seine Figuren setzt bzw. welche Plättchen dort ausliegen, erhalten die Spieler schließlich Sagenpunkte, die am Ende des Spiels zusammengezählt und zur Ermittlung des Siegeres herangezogen werden.

 

Je weiter das Spiel nun voranschreitet, desto schwieriger werden die Anforderungen an die Spieler, während sich jedoch gleichzeitig die Möglichkeiten verbessern, an eine größere Anzahl Sagenpunkte zu kommen. Nach Beendigung des Spiels werden schließlich die Sagenpunkte addiert und der Sieger ermittelt.

 

 

Spielvorbereitung:

 

Vor dem Spiel werden die Figuren farblich sortiert und ein Satz an jeden Spieler verteilt. Die Segnungs- und Gefahrenplättchen werden nach Episoden sortiert und dann zusammengemischt. Auch die zugehörigen Spezialplättchen werden unter die jeweiligen Plättchen der Episoden gemischt. Als Letztes erhält jeder Spieler eine Übersicht und 50 Sagenpunkte als Startkapital. Dies ist erforderlich, da es durchaus möglich ist, negativ zu punkten.

 

Sind die Vorbereitungen getroffen, wird das Spielfeld mit dem ersten Kapitel aufgedeckt und der entsprechende Plättchenstapel bemüht. Hiervon zieht jeder Spieler zwei Plättchen. Nun beginnt das Spiel mit dem Startspieler.

 

 

Spielaufbau:

 

In jedem Kapitel stehen den Spielern genau zwei Zugoptionen zur Verfügung. Entweder legt er ein Plättchen auf eines der Spielfelder, nachdem er zuvor ein weiteres zur Auswahl gezogen hat, oder aber zieht man eine seiner vier unterschiedlichen Figuren auf das Spielfeld. Zu den Figuren ist zu sagen, dass sie für die spätere Wertung als Multiplikator dienen. Beowulf ist natürlich der wertvollste Charakter, gefolgt von den Lehnsmännern, der Burg Herot und den Langschiffen. Allerdings sind außer den Langschiffen alle Figuren vergänglich, das heißt sind sie einmal eingesetzt, dürfen sie in späteren Kapiteln nicht mehr teilnehmen. Hier verbirgt sich also eine gewichtige strategische Komponente, die für den Spielverlauf und die Taktik von immenser Bedeutung ist.

 

Beim Zug sollte man nun auch immer den Fokus auf die Kapitelwertung haben. Jede Figur erhält als Multiplikator die Summe aller Punkte auf den Plättchen in ihrer waagerechten und senkrechten Reihe. Dabei können aber auch Punkte im negativen Bereich auf den Plättchen abgebildet sein, sogenannte Gefahrenplättchen, die einen sicher geglaubten Bonus alsbald wieder zerstören können. Allerdings darf man nun auch nicht zu lange warten, bis man seine Figuren aufstellt, denn dann sind schon alle guten Positionen besetzt.

 

Den wertvollsten Part übernehmen dann die Sonderplättchen. Sie gewähren Spezialaktionen, Intrigen und individuelle Vorteile und können den Spielverlauf mit einem Mal auf den Kopf stellen. Dementsprechend ist ihr richtiger Einsatz auch der Schlüssel zum Erfolg.

 

Am Ende jedes Kapitels findet schließlich besagte Wertung statt. Jede Figur wertet die Plättchen in ihren Reihen, berücksichtigt dabei Spezialeigenschaften dieser Plättchen und kassiert schließlich entsprechend viele Sagenpunkte.

 

 

Spielende:

 

Nach drei abgeschlossenen Kapiteln findet die Legende ein jähes Ende. Ein letztes Mal werden Sagenpunkte für die wohl schwerste Quest von Beowulf und seinen Gefährten verteilt, anschließend findet die Schlusswertung statt. Die Sagenpunkte aller Spieler werden miteinander verglichen, und derjenige mit der besten Ausbeute gewinnt das Spiel.

 

 

Rezension:

 

Man muss seine Erwartungen an dieses Spiel sicherlich um einiges zurückschrauben, erhofft man sich ein komplexes Fantasy-Spiel, wie man es im Katalog des Verlags zuhauf und immer wieder überzeugender Qualität vorfindet. „Beowulf“ ist wesentlich simpler gestrickt, nicht ganz so strategisch, allerdings gleichermaßen ein Titel, in dem sich Glück und Taktik die Waage halten.

 

Der Spielmechanismus ist indes auf den ersten Blick recht unspektakulär, die Handlungsmöglichkeiten in der Tat recht eingeschränkt. Dies bedingt zudem, dass die Atmosphäre der Saga zwar grafisch aufgenommen wurde, sich jedoch über das Spiel selber nicht so recht entfalten möchte. Diese Einschränkung ist schließlich auch der wesentlichste Kritikpunkt, der sich am Spiel zum Film festmachen lässt. Das Thema wurde lediglich als Aufhänger verwendet, die Sage aber eher mäßig bis unterdurchschnittlich aufgearbeitet.

 

All dies soll aber keinesfalls bedeuten, dass das Spiel automatisch zum Langeweiler avanciert. Ganz im Gegenteil, das teils recht vertrackte Gerangel auf den kleinen Spielfeldern übt mit wachsender Spieldauer einen stets intensiveren Reiz aus, der zwar ein wenig Glück als Siegbedingung erfordert, aber hinsichtlich des Spaßfaktors einen letzten Endes unerwartet starken Eindruck erzielt. Voraussetzung ist lediglich, dass man sich von der Vorstellung löst, die Produkte des Heidelberger Spieleverlags, sofern sie sich mit Sagen und Fantasy-Themen beschäftigen, müssten zwangsläufig üppig und bombastisch konstituiert sein. „Beowulf: Das Spiel zum Film“ ist nämlich im Grunde genommen ein klassisches Familienspiel, welches sich zugegebenermaßen den Filmtitel als Zugkraft zunutze macht, sich aber abseits der Thematik zumindest auf das System bezogen nicht hinter solchen Schemen verstecken muss. Und damit ist es definitiv mehr, als man von der berüchtigten Rubrik „Spiel zum Film“ allgemein gewohnt ist!

 

Fazit:

 

„Beowulf: Das Spiel zum Film“ ist ein wirklich guter Mix aus Planungs-, Strategie- und Glücksspiel, welches zwar einerseits mit relativ wenigen aktiven Handlungsmöglichkeiten aufwartet, dafür aber dank der vielen Sonderplättchen einen individuell ganz anderen Spielverlauf in jeder einzelnen Runde gewährleistet. Diese Unberechenbarkeit kombiniert mit den sich erst später heraus entwickelnden taktischen Vorzügen macht „Beowulf: Das Spiel zum Film“ zu einem richtig anständigen, wenn auch nicht übermäßig anspruchsvollen Familienspiel, welches bei entsprechendem Preis-Leistungsverhältnis auch ohne Vorkenntnisse oder Vorlieben für den Fantasy-Bereich eine absolut lohnenswerte Alternative zum Mainstream-Markt darstellt.

 

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Brettspiel:

Beowulf - Das Spiel zum Film

Fantasy Flight Games / Heidelberger Spieleverlag, 2007

Autor: Reiner Knizia

Spielerzahl: 2 bis 4

Spieldauer: ca.60 Minuten

Mindestalter: ab 10 Jahre

ISBN-13: 978-1-589943-83-4

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 1 Spielregel
  • 1 Spielplan
  • 40 Miniaturen
  • 102 Wertungspunkten
  • 90 Plättchen
  • 4 Übersichtskarten

 


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Erstellt: 20.02.2008, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50