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Berge des Wahnsinns

Reihe: H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens Teil 7

Hörbuch gelesen von David Nathan

Rezension von Christel Scheja

 

Rezension:

Neben Edgar Allan Poe gehört Howard Phillips Lovecraft zu den Autoren des phantastischen Genres, die auch der breiten Masse bekannt sind. Durch den „Cthulhu“-Mythos, der später auch vielen anderen Autoren und Filmemachern als Vorlage diente, wurde der 1890 geborene und 1937 verstorbene Schriftsteller unsterblich. Seine Romane und Erzählungen zeichnen sich vor allem durch eine stark durchschimmernde Depressivität und Melancholie aus.

 

Das ist auch „Berge des Wahnsinns“ anzumerken, dass 1936 erstmalig in den USA als Buch veröffentlicht wurde und erst in den 1980ger Jahren im Surkamp-Verlag im Rahmen seiner phantastischen Reihe erschien. Im Jahre 2007 wurde das Buch vom Festa-Verlag in der „H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ in einer neuen Übersetzung wieder aufgelegt.

Auf dieser aktuellen Version beruht auch das ungekürzte Hörbuch von LPL Records, das mit einer Laufzeit von ca. 346 auf 5 CDs erhältlich ist. Vorgetragen wird der Text von David Nathan, den viele vielleicht als Synchronsprecher von Johnny Depp und Christian Bale wieder erkennen werden. Die Lesung ist mit Musik von Andy Matern unterlegt.

 

Zusammen mit anderen Wissenschaftler bricht der Geologe William Dyer zum Jahreswechsel 1930/31 zu einer Expedition auf, die sich unauslöschlich in seinem Geist eingegraben hat. Erst in seinem nachträglich verfassten Tagebuch findet er den Mut zu berichten, was wirklich im antarktischen Sommer geschehen ist und allen außer ihm und dem wahnsinnig gewordenen Danforth das Leben gekostet hat

Das Team unter Leitung von Professor Lake schlägt sein erstes Lager im McMurdo Sund zu Füßen des Mount Erebus auf, um von dort aus den noch wenig erforschten sechsten Kontinent zu erkunden. Sie hoffen dabei mit Hilfe neuartiger Bohrer auf Spuren früherer Erdzeitalter zu treffen und damit neue Erkenntnisse über die Vergangenheit der Erde zu gewinnen. Mit der Hilfe von Flugzeugen errichten sie ein Lager weiter im Landesinneren und steuern mehrere Ziele in bekanntem Gebiet an.

Tatsächlich finden sie zunächst nur das, was sie insgeheim erwartet haben - einen Einblick in die ferne Vergangenheit der Erde, als gerade erst das erste Leben auf der Welt erwachte. Doch da sind auch seltsame dreieckige Spuren, die sie nicht recht zuordnen können. Müssen sie unter Umständen die Erdgeschichte umschreiben?

Die Weltöffentlichkeit verfolgt mit Spannung die Berichte der Forscher. Und vielleicht ist es auch deren Interesse, das Lake antreibt, in bisher von anderen Expeditionen noch nicht erforschtes Gebiet vorzustoßen. Dyer und Danforth bleiben als Mittelsleute erst einmal im Basislager zurück.

Die Beiden verfolgen mit Interesse und wachsendem Grauen, wie die anderen Wissenschaftler in einer bizarren Landschaft am Mount Nansen notlanden und dort ihr Lager aufschlagen müssen. Doch sie nutzen die Gelegenheit zu weiteren Bohrungen und Untersuchungen und machen dabei Funde, die zu einer Sensation werden könnten.

Doch gerade diese bereiten ihnen Bauchschmerzen, denn bei den Untersuchungen graben die anderen seltsame Wesen aus dem Eis aus, die sie an die Kreaturen des „Necronomicon“ erinnern, das sie beide in jugendlicher Unschuld einmal gelesen haben. Und als die Verbindung zur Expedition mit einem Schlag abbricht, ahnen Dyers als auch Danforth, das etwas passiert sein muss.

Mit dem letzten Flugzeug machen sie sich auf den Weg um ihre Kameraden zu suchen. Doch was sie finden ist ein verwüstetes Lager, grausam entstellte Leichen und nicht zuletzt Felsformationen, die an die Überreste einer bizarren Stadt erinnern. Von den Wesen selbst fehlt jede Spur. Und das ist nur der Anfang einer Erkundung, die im Grauen endet.

 

In der Geschichte findet sich all das wieder, was H. P. Lovecraft so berühmt gemacht hat: Eine scheinbar harmlose wissenschaftliche Expedition wird zu einer Reise in die düsteren Schrecken der Vorzeit. Männer der Logik und des Verstandes müssen vor einer Vorstellungskraft kapitulieren, die sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht mehr erfassen ist und unweigerlich in den Wahnsinn treibt.

Schon der Anfang der Geschichte, in dem eigentlich noch nicht viel passiert ist mit düsteren Andeutungen gespickt, so dass man wie der Ich-Erzähler das flaue Gefühl im Magen nicht los wird. Im Gegenteil. Dieses verstärkt sich auch noch, als Lake und die anderen alleine los ziehen und dabei eine Entdeckung machen, die sie nur schwer beschreiben können.

Ab da erfüllt eine depressive Resignation die Stimmung von William Dyer, der weiß, dass er sich offenen Auges in die Gefahr begibt. aber vielleicht hilft gerade dieser Fatalismus ihm dabei nicht wahnsinnig zu werden.

Vertraut sind auch die Schilderungen des Grauens. Lovecraft spart nicht mit vagen Andeutungen, die der Leser selbst mit seiner Phantasie ausfüllen darf. Denn selbst wenn die Schrecken unbeschreiblich sind - so macht man sich unwillkürlich doch sein eigenes Bild von der Sache.

Wie gewohnt kommt auch die Handlung nur langsam in Gang, Lovecraft stellt erst die Ausgangssituation und die Figuren ausgiebig vor, ehe er nach und nach subtil immer mehr Unheimliches einbringt - angefangen mit dem unbestimmten Gefühl und in der Erforschung der uralten Stadt gipfelnd, die zunächst nur als Luftspiegelung erscheint, dann aber zur grausigen Gewissheit wird.

Trotzdem eignet sich der Roman gut für ein Hörbuch, gerade wenn es einen so ausgezeichneten Sprecher hat wie David Nathan, der die bildreichen Beschreibungen Lovecrafts geradezu auf der Zunge zergehen lässt und nicht daran spart, auch der Angst und Furcht des Ich-Erzählers Ausdruck zu verleihen.

Man wird automatisch in den intensiven Vortrag gezogen und hat keine Probleme den komplizierten Satzkonstruktionen zu folgen. Es ist leicht sich vorzustellen, was der Held fühlt und erlebt. Man wird früher oder später in den Bann geschlagen und möchte einfach nur wissen, wie es weiter geht.

Die sparsam eingesetzte und subtil unterlegte Musik von Andy Matern tut ihr übriges dazu, um die Atmosphäre zu vertiefen.

 

Fazit:

„Berge des Wahnsinns“ bietet ein sehr intensives Hörerlebnis. Das macht das Hörbuch nicht nur für Lovecraft-Fans zu einem Genuss, sondern auch für Horror-Leser, die sich bisher nicht an die schwerfälligen Werke des Schriftstellers in Buchform gewagt haben. Hier wird es ihnen leicht gemacht, sich in seine düster-depressive Gedankenwelt einzufinden.

 

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Hörbuch:

Berge des Wahnsinns

ungekürzte Lesung nach dem gleichnamigen Roman aus dem Festa Verlag, 2007

Reihe: H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens, Band 7

Original: At the Mountains of Madness, USA 1936

Autor: Howard Phillips Lovecraft

Übersetzer: A. F. Fischer

Regie: Lars Peter Lueg

Sprecher: David Nathan

Musik: Andy Matern

Hörbuch auf 5 CDs, ca. 346 Minuten Laufzeit

LPL Records, erschienen März 2007

Grafische Gestaltung von der Grafeting GmbH

ISBN-10: 3785735227

ISBN-13: 978-3785735220

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.04.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 11:36