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Berufung von John Grisham

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Jeanette Baker scheint nach langen Jahren der Trauer und Verzweiflung nun doch noch Gerechtigkeit zu widerfahren. Der Chemiekonzern Krane Chemical Inc. hat durch die illegale Entsorgung von Giftmüll die gesamte Trinkwassersituation in Bowmore/Mississippi ein tödliches Fiasko ausgelöst, dem auch Bakers Sohn sowie ihr Gatte zum Opfer gefallen sind. Mit Unterstützung von Wes und Mary Grace Payton zwingt die die große Firma vor Gericht in die Knie und erhält ganze 41 Mio. Dollar Schadenersatz.

Carl Trudeau, Geschäftsführer bei Krane, ist entsetzt von diesem vernichtenden Urteil, will sich aber nicht geschlagen geben. Mit Hilfe seiner Hintermänner leitet er bereits das Berufungsverfahren ein und manipuliert hierzu die hochrangigsten politischen Kreise. Seine Geheimwaffe hört dabei auf den Namen Ron Fisk und soll das entscheidende Zünglein an der Waage bei der Entscheidung am Supreme Court sein und Trudeau vor dem Exitus bewahren. Allerdings ist Fisk noch nicht einmal im Amt; also lässt Trudeau seine Millionen spielen, inszeniert inkognito und mit aller Macht einen schmutzigen Wahlkampf und kauft hinter vorgehaltener Hand bereits sämtliche Aktien seiner Organisation zurück. Selbst die Paytons, die nach glücklosen Jahren endlich das große Glück vor Augen sahen, verlieren bei diesen bedenklichen Entwicklungen langsam aber sicher ihren Optimismus.

 

 

Rezension:

Eines gilt sowohl für die ersten Thriller, als auch für das neue Werk John Grishams: Der verdiente Bestseller-Autor schafft es einfach immer wieder, das eigentlich so trockene Justizsystem der Vereinigten Staaten interessanter und lebhafter zu beschreiben, als es eigentlich ist, und somit auch das Interesse seiner Stammleserschaft seit seinem Debüt „Die Jury“ kontinuierlich auf höchstem Level zu halten. Allerdings haben sich auch in den letzten Ausgaben des Starautors einige kleine Abnutzungserscheinungen eingeschlichen, die auf Grishams zunehmende Distanzierung vom reinen Justiz-Thriller zurückzuführen sind. Mittlerweile schreibt der passionierte Anwalt vermehrt dramatische Romane – leider jedoch auf Kosten der Spannung seiner aktuellsten Geschichten.

 

Genau dieser langsam wachsende Makel bestimmt auch seinen neuesten Roman „Berufung“, der viel versprechend beginnt, sich einmal mehr auf einen Wust an interessanten Indizien stützt, im Aufbau aber erneut eklatante Schwächen zeigt. Oder um es schon einmal vorwegzunehmen: Grisham versteht es mittlerweile auch schon sehr gut, seine Leser auch mal kurzzeitig zu langweilen. Inzwischen versteift er sich darauf, erregte Emotionen auszulösen und mit einer Ansammlung von Ungerechtigkeiten zu provozieren. De facto muss dies keine schlechte Entwicklung sein; doch da sich nun auch „Berufung“ eher wie ein Bericht liest, dabei aber eben nicht diese Brisanz eines realistischen Plots wie „Der Gefangene“ einnimmt, geht die Lust an der Sache trotz aller guten Inhalte recht schnell verloren.

 

Die Geschichte ist dabei immerzu schlüssig und gradlinig. Grisham verzettelt sich weder in Ungereimtheiten, noch lässt er unlogische Fortschritte in seiner Handlung zu. Auch die Charakterzeichnungen sind sehr ausführlich ausgearbeitet und ergeben kaum Schwächen, selbst wenn die Anreihung der Zufälle nicht immer glaubwürdig erscheint. Aber zumindest hier zeigt der Autor beständiges Niveau. Dann jedoch holt er mal wieder weit, vielleicht sogar zu weit aus, und verkettet unzählige Gemeinheiten und brutale Gesetzesmanipulationen aneinander, wettert ironisch gegen die Welt der Reichen und schreibt mit einem Zynismus, der selbst für seine Verhältnisse außergewöhnlich ist, allerdings die deutlichen Defizite beim Spannungsaufbau nicht mehr ausgleichen können. Letzteres versucht er schließlich beim rasanten Umschwung im Finale, welches zwar mit einigen Überraschungen aufwartet, aber letzten Endes einfach zu bemüht wirkt. Hier erstickt Grisham dann leider auch den größten Funken Glaubwürdigkeit mit hektisch herbeigezogenen Entwicklungen, die zum Schluss auch nicht mehr transparent machen, worum es in „Berufung“ nun tatsächlich geht. Und eben jener Umstand führt dazu, dass „Berufung“ unter den jüngsten Grisham-Veröffentlichungen zweifellos zur schwächsten avanciert.

 

 

Fazit:

„Berufung“ wird von prestigereichen Blättern als einer der stärksten Romane Grishams in Jahren angekündigt, ist entgegen dessen aber eher eine herbe Enttäuschung. Obschon der Autor ein gewohnt souverän recherchiertes Fundament aufbietet, kann die Story auch bei all den emotionalen Ungerechtigkeiten nicht wirklich fesseln und verliert im Laufe ihres Fortschritts zunehmend an Reiz. Auch wenn „Berufung“ quasi auf Bestellung zum Bestseller werden wird – verdient hat es dieser neue Titel prinzipiell nicht.

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Berufung

Autor: John Grisham

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Verlag: Heyne (Juli 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453006623

ISBN-13: 978-3453006621

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.09.2008, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46