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Bis ans Ende der Welt von Andrea Schacht

Reihe: Kyria & Reb, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Andrea Schacht hat schon vor einigen Jahren ihren Job als Wirtschaftsingeneurin an den Nagel gehängt und ist ihrer wahren Leidenschaft – dem Schreiben – gefolgt. Nach der Veröffentlichung mehrerer recht erfolgreicher historischer Romane um die Begine Almut wendet sie sich nun dem Jugendbuchsektor zu. „Bis ans Ende der Welt“ ist der Auftakt ihrer Serie um „Kyria & Reb“, die in einem stark veränderten Europa der nicht all zu fernen Zukunft spielt.

 

Im Jahr 2125 ist Europa zwar nur noch ein Land, aber die Menschen haben einen hohen Preis dafür gezahlt. „New Europe“ ist ein perfekt gesteuerter Überwachungsstaat, in dem die neuen Machthaber nichts dem Zufall überlassen. Die Menschen werden durch die Angst vor Seuchen außerhalb der zivilisierten Gebiete im Schach gehalten, die Männer müssen Medikamente nehmen, um ihre Aggressionen im Zaum zu halten. An der Macht sind die Frauen, die glauben, die Welt nun besser regieren zu können.

Bisher hat sich Kyria keine Gedanken über die Beschränkungen in ihrer Welt gemacht. Als Tochter einer hochrangigen Politkerin genießt sie viele Privilegien. Da sie in das System hineingeboren ist, erachtet sie es als normal und macht sich auch keine großen Gedanken drum – bis zu dem Tag, als sie zufällig entdeckt, dass sie an einem unheilbaren Gendefekt leidet, der ihre Lebenserwartung stark einschränkt.

Durch dieses Ereignis nimmt sie die Misstöne um sich herum immer deutlicher wahr und fragt sich, in was sie noch belogen wurde. Die Bekanntschaft mit dem rebellischen Reb macht ihr zusätzlich deutlich, das etwas nicht stimmt und irgendwer es auf sie abgesehen haben könnte.

Kyria wagt die Flucht nach vorne. Mittels einer falschen Identität verlässt sie ihre Heimat und reist mit ihm durch Europa und in eines der letzten Reservate in der Bretagne, in der die Menschen zwar in einfacheren Verhältnissen aber ohne Überwachung leben, aber frei von der Beeinflussung durch das System sind. Hier versucht sie mehr über sich heraus zu finden.

 

Obwohl der Roman zunächst wie eine der dystopischen Romanzen wirkt, die derzeit den deutschen Markt überfluten, so spielt die Liebesgeschichte doch nicht die große Rolle wie man meinen könnte. Tatsächlich arbeitet Andrea Schacht lieber die Macken des Systems heraus und stellt ihre Heldin in den Mittelpunkt, die durch die Ereignisse nicht mehr länger ein gehorsames Kind ist, sondern zu einer jungen Frau wird, die lernt, selbstständig zu handeln und Dinge zu hinterfragen. Im Grunde emanzipiert sie sich eher, als dass sie in die Arme ihres Geliebten sinkt.

Zwar knistert es zwischen ihr und Reb am Anfang und am Ende gehörig, aber zwischendrin hat man das Gefühl, dass es mit den beiden gar nicht klappen könnte, da sie sich gehörig entzweifen.

Vor allem Kyria ist gut ausgearbeitet. Die Nebenfiguren erhalten ebenfalls Ecken und Kanten, kleine Macken, die sie liebenswert und wiedererkennbar machen. Allein Reb bleibt lange rätselhaft, da er so gut wie nichts über sich erzählt.

Alles in allem entwickelt die Autorin einen interessanten Hintergrund, der zwar Feministinnen ein wenig ärgern könnte, aber durchaus vorstellbar und nicht all zu weit hergeholt ist. Denn auch Frauen dürften keine ideale Gesellschaft erschaffen können, auch wenn die Beschreibung in diesem Buch eher oberflächlich bleibt und erst einmal nicht hinterfragt wird.

Die Handlung verläuft sehr gradlinig, hat aber doch einige Wendungen, die es schwer machen, zu sagen, in welche Richtung sie führen wird. Größter Wermutstropfen ist wohl das offene Ende, das förmlich nach Fortsetzung schreit und Enttäuschung weckt, da es gerade auf den letzten Seiten erst richtig los geht.

 

Insgesamt erweist sich „Bis ans Ende der Welt“ als kurzweilige Dystopie, die sauber ausgearbeitet ist, aber dem Genrefan nicht ganz so viel bietet, da es doch vor allem um die charakterliche Entwicklung der jungen Kyria geht, die vom unselbstständigen Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau werden muss, um in ihrer Welt zu überleben. Auch die verhaltene Romanze dürfte eher Leserinnen im Teenager-Alter ansprechen.

 

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Buch:

Bis ans Ende der Welt

Reihe: Kyria & Reb, Bd. 1

Autorin: Andrea Schacht

Gebunden, 381 Seiten

Egmont Ink, April 2012

Titelbild: Alexandra Taufer

 

ISBN-10: 3863960165

ISBN-13: 978-3863960162

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0078XHAZA

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 25.05.2012, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59