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Blackbirds von Chuck Wendig

Rezension von Christel Scheja

 

Chuck Wendig lebt mit seiner Familie in Pennsylvania. Er schreibt Romane, Drehbücher, Kurzgeschichten und Essays, ist auf seiner Webseite sehr aktiv und beteiligt sich an Independent-Filmprojekten. „Blackbirds“ ist der erste Roman, der von ihm in Deutschland erscheint.

 

Miriam ist eine Streunerin. Sie zieht durch die Lande und schlägt sich mehr oder weniger mit Diebstahl durch. Sie vermeidet es allerdings auch, länger mit jemandem zusammen zu bleiben, oder sich gleich ganz an ihn zu binden. Denn sie hat eine besondere Gabe. Wenn sie einen Menschen berührt, dann kann sie in seine Zukunft sehen – genauer: auf den Moment seines Todes. Das ist nicht sehr angenehm, auch wenn sie auf Dauer gelernt hat, damit umzugehen und die Bilder zu ignorieren und zu verdrängen.

Auch bei dem freundlichen Truck-Fahrer Louis bleibt das nicht aus, als er sie bei einem Überfall rettet und beschützt. In dreißig Tagen wird er grausam sterben – und ausgerechnet Miriam ist auch mit dabei.

Zunächst versucht sie diese Bilder in den Armen eines jungen Mannes zu vergessen, der vor Drogenhändlern und Auftragskillern auf der Flucht ist, aber die Erinnerung holt sie immer wieder ein, so dass sie schließlich keine andere Wahl hat, als aktiv zu werden und zu versuchen, die Zukunft zu verändern, weil sie Angst hat, selbst zu sterben. Doch ist das überhaupt möglich?

 

Man könnte ja annehmen, es handle sich wieder nur um eine der vielen paranormalen Romanzen, die derzeit den Buchmarkt bevölkern, aber Chuck Wendig relativiert diesen Eindruck bereits auf den ersten Seiten. Miriam ist kein naives Unschuldslamm, dass mit seiner Gabe hadert, eher im Gegenteil.

Sie weiß sich gegen viel stärkere Männer durchzusetzen und hat keine Skrupel, andere zu bestehlen, wenn sie ihr zuvor übles wollten. Die Weltsicht der durchtriebenen jungen Frau ist eher zynisch und bitter, sie scheut sich nicht, auch schon einmal unangenehme Wahrheiten auszusprechen und nicht viel von den Angeboten anderer zu halten.

Romantische Gefühle sucht man ebenfalls vergeblich. Zunächst wirkt das ganze eher wie ein Gesellschaftsroman, der auch die dunklen Seiten Amerikas in Szene setzt, dann schleichen sich nach und nach die paranormalen Aspekte ein und warten immer wieder mit kleinen Schockmomenten auf. Erst zum Ende hin zeigt sich, dass alles doch mehr miteinander zu tun hat, als man denkt, vor allem Louis zeigt neue Facetten ihres Wesens.

Auch wenn die Figuren letztendlich nur grob skizziert werden, sind sie doch gut vorstellbar und wecken Sympathien oder Ablehnung im Leser. Die Handlung selbst besitzt nur eine moderate Spannung, da eine zweite Handlungsebene auch verrät, wie weit die Verfolger Miriam, ihrem Freund und auch Louis auf der Spur sind. Einziges Manko bleibt, dass der Roman recht offen endet und vermutlich noch eine Fortsetzung nach sich ziehen wird.

 

Alles in allem ist „Blackbirds“ ein phantastischer Roman, der durch seine düstere Atmosphäre mit den Horrorelementen auch Genrefans ansprechen dürfte, weil es einmal nicht um die große Liebe und das geheimnisvolle magische Erbe der Protagonistin und ihres Lovers geht, sondern um handfeste menschliche Konflikte, in denen nicht alles von dieser Welt ist.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Blackbirds

Autor: Chuck Wendig

Taschenbuch, 303 Seiten

Bastei, April 2013

Übersetzer: Axel Franken

Titelbild: Joey Hi-Fi

ISBN-10: 3404207106

ISBN-13: 978-3404207107

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00AR7T7R8

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 28.06.2013, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46