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Blackburn – Anthologie hrsg. von Michael Haitel

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Mogadischu, Somalia. Irgendwann 1993 fällt der Soldat Blackburn aus einem Black Hawk und wird verletzt. Der Hubschrauber stürzt ab, ein weiterer Black Hawk folgt. Soldaten sterben, werden verletzt, müssen sich gegen die Warlords und ihre Milizen, die nicht nur die Stadt, sondern auch das Land beherrschen, verteidigen. Die Verluste sind hoch, aber die Amerikaner lassen niemanden zurück.

Die beiden Söhne des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton befinden sich unter den gefallenen Soldaten. Clinton will Vergeltung.

Ende Oktober 1993 detonieren über Mogadischu zwei taktische Atombomben der Amerikaner und zerstören die Stadt. Vollständig.

Anfang November werden ganz Somalia, Djibuti, der Südosten Äthiopiens und der Nordosten Kenias mit taktischen Neutronenbomben bombardiert, bis kein Leben mehr existiert.

Die Amerikaner verlieren das Interesse an der Region.

Die Region ist ohne Leben.

 

Rezension:

Für Herausgeber Michael Haitel ist der Film Black Hawk Down vin Ridley Scott »ein stark beeindruckendes filmisches Erlebnis, das noch dazu beim wiederholten Anschauen immer wieder und immer mehr gewinnt«, wie er im SFN erläuterte.

Ausfluss dieser Wertschätzung war eine Kurzgeschichten-Ausschreibung. Immerhin vier Arbeiten erwiesen sich als druckreif und bilden die Anthologie Blackburn.

 

Nach einem kurzen Einleitungstext des Herausgebers nimmt Urs Wolf in Homo radians den Atombombenabwurf zum Anlass, eine weitgespannte Future-History zu erzählen. Interessanterweise verbindet er die fiktiven Geschichtsereignisse mit der Lebensweise seine Figur und bringt sie mit großer Leichtigkeit an den Mann. Inhaltlich passiert nicht viel, aber man kann sich durchaus vorstellen, wie sich die Welt nach solch einer Überreaktion verändern könnte.

 

Die Mörserstellung von Matthias Falke bietet eine dichte Vorstellung von Kriegshandlungen im betroffenen Gebiet. In seinen kürzeren Texten schafft es Falke eher, seine Plots knackig zu erzählen.

 

Mit Anomalie verknüpft Michael Weinberger das persönliche Schicksal einer Mutter mit dem strahlenverseuchten Mogadischu und schwenkt kurz zur Möglichkeit eine Änderung der Geschichte durch eine Zeitreise um.

So ganz ergibt sich daraus kein flüssiger Handlungsbogen und man bleibt etwas unschlüssig mit dem Off-Text zurück.

 

Die beste Story kommt wieder einmal zum Schluss. Als Collage aus Medienberichten, Protokollen und Überwachungsvideos präsentiert Merlin Thomas in Operation Heal die vorgegebene Situation als zynische Karikatur des USA-Bildes, dass sich folgerichtig aus der Prämisse ergibt. Das ist technisch hervorragend gemacht, führt beim Lesen aber durchaus zu Unbehagen, da das Plakative besonders durch den finalen Twist stark überzeichnet wird.

 

Erneut lieferte Lothar Bauer ein stimmungsvolles Cover, das sowohl die Düsternis, als auch das Inferno der Zerstörung einfängt. Natürlich darf auch der Hubschrauber nicht fehlen.

 

Fazit:

Trotz der Kürze ist »Blackburn« eine spannende und lohnende Lektüre. Die Themenanthologie unterhält mit präzisem Weltenbau und einigen künstlerischen Raffinessen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Blackburn

Anthologie

Herausgeber: Michael Haitel

Reihe: AndroSF 33

p.machinery, August 2013

Taschenbuch, 56 Seiten

Inhalt:

 

  • Urs Wolf – Homo radians
  • Matthias Falke – Die Mörserstellung
  • Michael Weinberger – Anomalie
  • Merlin Thomas – Operation Heal

 

 

ISBN-10: 3942533707

ISBN-13: 978-3942533706

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

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Erstellt: 31.03.2014, zuletzt aktualisiert: 15.01.2019 09:44