Blueberry (Klassiker der Comicliteratur Bd. 9)
 
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Blueberry

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 9

Rezension von Christian Endres

 

Es soll ja Leute geben, die nichts mit Comics anfangen können und daher allmonatlich kein kleines Vermögen für den Konsum bunter Heftchen bei ihrem Dealer lassen. Ich halte dies zwar nach wie vor für ein Gerücht, aber gehen wir der Einfachheit halber doch einmal davon aus, dass es solche Leute – auf einer rein hypothetischen Ebene, versteht sich – tatsächlich geben könnte. Diese Leute nun kennen, wenn wir Glück haben, Donald Duck, Superman und vielleicht auch noch Bugs Bunny, aber darüber hinaus wird es dann schon schwierig. Diesen Leuten nun begreiflich zu machen, dass es sogar einmal erfolgreiche Western-Comics gab (und teilweise heute noch gibt), das könnte sich in einem solch hypothetischen Fall bereits als echte Herausforderung erweisen. Wie auch immer ...Mit dem neunten Band der Klassiker der Comicliteratur hat man einen der besten Vertreter des Western-Genres ausgewählt, so dass man eigentlich nur noch sagen kann: Sattelgurte festschnallen, Colt durchladen und viel Spaß mit Blueberry!

 

In dem in diesem Klassiker-Band abgedruckten Südstaatenschatz-Zyklus jagt Leutnant Mike S. Blueberry im Auftrag der wenig zimperlichen Regierung in Washington einen legendären Schatz aus dem Bürgerkrieg, der immerhin aus einer halben Millionen Dollar in Gold bestehen soll. Es erübrigt sich bei dieser Summe eigentlich zu erwähnen, dass der charismatische Haudegen nicht der einzige ist, der diesem Schatz jenseits der mexikanischen Grenze hinterher jagt, und dass sich alsbald schon die ersten Schwierigkeiten mit der mexikanischen Armee, aber auch amerikanischen Kopfgeldjägern und Spionen der Nordstaaten-Regierung einstellen. Glücklicherweise lassen sich diese Unzulänglichkeiten jedoch allesamt mit dem Schießeisen – und damit in bester Wild-West-Manier – lösen ... oder?

Im Detail handelt es sich im vorliegenden Band um folgende Stories:

 

Chihuahua Pearl

Der Mann, der 500 000 Dollar wert ist

Ballade fĂĽr einen Sarg

Vogelfrei

Angel Face

 

Die Stories sind farbenfroh, actionreich und eigentlich voller Western-Klischees, wie man sie aus den gängigen Genrefilmen kennt. Trotzdem machen sie ungemein Spaß, sind temporeich erzählt und geben einem während des Lesens durchaus das Gefühl, mitten im Treiben des Wilden Westens zu stecken und Seite an Seite mit Leutnant Blueberry zu reiten – und mehr, so finde ich, muss ein Westerncomic eigentlich auch gar nicht tun. Das Artwork von Jean »Moebius« Giraud passt optimal zu den schmutzigen Stories, die einen Querschnitt durch die Geschichtsbücher des amerikanischen Westens und alle möglichen Westernfilme bieten. Auch wenn die Zeichnungen im Taschenbuchformat stellenweise stark verlieren, die Farben manchmal etwas zu wünschen übrig lassen und einige Seiten (gerade, wenn sie bei Dunkelheit spielen oder mit viel Text ausgestattet sind) von der Lesbarkeit her unter aller Kanone sind, kommt auf fast jeder Seite des Bandes sattes Western-Feeling auf.

 

Fazit: Blueberry, das ist ein toller Westerncomic – eine ganz andere Richtung als Lucky Luke und fast noch cooler als die legendären Clint-Eastwood-Western –, und damit vom Grundgedanken her sicherlich eine echte Bereicherung dieser Klassiker-Bibliothek, die sich traut, ein eigentlich nicht mehr gar so gefragtes Genre als Klassiker zu präsentieren. Zudem ist der Band ein netter Anheizer des für 2006 angekündigten Start der Blueberry-Werkausgabe. Ich bin außerdem der letzte, der sich dagegen sträubt, diesen Comic auf welche Weise auch immer zu würdigen – beispielsweise indem man ihn in diese Reihe mit auf nimmt. Doch Ähnliches habe ich, so meine ich mich düster zu erinnern, auch bei Prinz Eisenherz gesagt, als man Hal Fosters herausragenden Abenteuercomic um den Prinzen von Thule in Band drei dieser Reihe abgedruckt und ihm durch die Verkleinerung der Seiten immens geschadet hat.

 

Unserem Cowboy geht es im vorliegenden Band nur geringfĂĽgig besser, und kurz vor der Halbzeit legen die Klassiker der Comicliteratur damit trotz exzellenter Geschichten-Auswahl, hervorragendem Vorwort mit hohem Informationsgehalt ĂĽber Serie und KĂĽnstler sowie dem neuem Lettering der fĂĽnf abgedruckten Alben fast die zweite Bruchlandung hin. Die Verkleinerung ist zwar nicht ganz so schlimm wie bei Eisenherz, aber lesefreundlich bedeutet fĂĽr mich auch etwas anderes ...

 

Die schönen Geschichten, das atmosphärisch dichte Western-Ambiente und die gestalterische Aufmachung des Bandes sind definitiv Hui!, Format, das alte Leid mit der Papierqualität und stellenweise die Verkleinerung der Seiten einmal mehr dann doch wieder nur Pfui! – Schade!

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230609234551247d12a4
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Comic:

Blueberry

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 9

Autor: Jean-Michel Charlier, Jean Giraud

Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3899810902

Anzahl Seiten: 256

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 07.11.2005, zuletzt aktualisiert: 17.08.2020 17:41